Liberale in der FDP
Valentin Christian Abel (* 7. Februar 1991 in Künzelsau): Er trat 2013 in die FDP Hohenlohe ein. Dem Kreisvorstand der FDP Hohenlohe gehört er als stellvertretender Vorsitzender mit dem Schwerpunkt Programmatik an. Von März 2017 bis August 2021 war er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in Baden-Württemberg. Seit 2017 ist er Mitglied im Landesvorstand der FDP Baden-Württemberg. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er im Bundestagswahlkreis Schwäbisch Hall - Hohenlohe und über Platz 23 der Landesliste Baden-Württemberg seiner Partei, verpaßte jedoch den Einzug in das Parlament. Bei der Europawahl 2019 kandidierte er für die FDP, verpaßte jedoch auch dort den Einzug ins Europäische Parlament. Bei der Bundestagswahl 2021 war er Spitzenkandidat der Jungen Liberalen Baden-Württemberg und erhielt Listenplatz 12 auf der Landesliste der FDP in Baden-Württemberg. Zudem kandidierte er erneut im Wahlkreis Schwäbisch Hall - Hohenlohe, wo er 11,7 Prozent der Erststimmen erhielt. Damit erreichte er zwar nur den fünften Platz, zog jedoch über die Landesliste in den 20. Deutschen Bundestag ein. Im Bundestag ist er Ordentliches Mitglied im Petitions- und im Verkehrsausschuß sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Klimaschutz und Energie und im Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Zudem ist er Schriftführer. Bei der Bundestagswahl 2021 legte er seinen Schwerpunkt auf Digitalisierung, Umweltschutz und Bildung. Dabei forderte er im Bereich Digitalisierung einen "lückenlosen Ausbau des Breitband-Internets", "Offenheit gegenüber der praktischen Anwendung digitaler Technologien in Verwaltung, Medizin, Bildung und Verkehr" und "Investitionen in Zukunftstechnologien wie Automatisierung, Künstliche Intelligenz oder die Biotechnologie". Beim Klimaschutz will er auf "einen sektorübergreifenden Zertifikatehandel für alle Treibhausgase basierend auf wissenschaftlichen Obergrenzen zur Einhaltung des 1,5 °C-Ziels von Paris" und "den Aufbau einer Wasserstoffindustrie in Europa" setzen. Weitere Themen in seinem Wahlkampf waren Gleichstellung von LGBTIQ*-Menschen, Offenheit für Migration und eine moderne Drogenpolitik, wobei er eine Legalisierung von Cannabis forderte. Abel unterstützt die Abschaffung des Paragraphen 219a. Valentin Abel ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozeß einsetzt.
Ina Albowitz geb. Freytag (* 26. April 1943 in Weimar): Sie trat 1975 in die FDP ein; von 2001 bis 2002 war sie Gründungsvorsitzende des Bundesverbands Liberaler Senioren - „LiS@“; von 1990 bis 1998 war Albowitz Mitglied des Deutschen Bundestages; hier war sie von 1992 bis 1998 Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion; am 6. Juni 2000 trat sie als Nachrückerin für den ausgeschiedenen Abgeordneten Jürgen Möllemann erneut in den Bundestag ein; für die Bundestagswahl 2002 wurde sie von ihrer Partei nicht mehr aufgestellt und schied daher im Oktober 2002 wieder aus dem Bundestag aus.
Mechthild von Alemann (* 29. Januar 1937 in Seebach, Provinz Sachsen): Seit 1966 Mitglied der FDP; von 1979 bis 1984 und von 1989 bis 1994 Mitglied des Europaparlaments, während der letzten fünf Jahre als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der liberalen Fraktion (ALDE); von 1981 bis 1985 war sie Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung.
Renata Alt (* 27. August 1965 in Skalica, Tschechoslowakei als Renata Formánková; auch Renata Formánková-Alt): 2009 trat sie in die FDP ein; seit der Bundestagswahl 2017 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages; im 20. Deutschen Bundestag ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe; im 19. Deutschen Bundestag war Renata Alt Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, wo sie Berichterstatterin für Mittel- und Osteuropa, Ukraine, Rußland und den Balkan war. Zudem war sie Obfrau im Unterausschuß für Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln; sie war stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Gesundheit; in der FDP-Bundestagsfraktion war Renata Alt stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Freiheit und Menschenrechte weltweit; im Bundestag war sie gleichzeitig Vorsitzende der Parlamentariergruppe Tschechien-Slowakei-Ungarn und stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe Südosteuropa; zudem stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, der Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum und der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik; zur Bundestagswahl 2021 wurde Alt erneut auf Listenplatz 7 der FDP Baden-Württemberg aufgestellt und erreichte darüber ihr Mandat. Im Wahlkreis Nürtingen erreichte sie mit 13,8 Prozent der Erststimmen nur den vierten Platz; im 20. Deutschen Bundestag ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuß und im Ausschuß für Gesundheit; zudem ist sie stellvertretende Delegationsleiterin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Vize-Vorsitzende der Parlamentariergruppe Tschechien-Slowakei-Ungarn und erneut stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum; wgen ihres Einsatzes für die Menschenrechte und Unterstützung der Proteste im Iran steht sie seit Februar 2023 als eine von drei Deutschen auf der Sanktionsliste des Irans.
Peter Christel Asmussen (* 18. November 1887 in Elmshorn; † 1. Dezember 1959 ebenda): Er beteiligte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst an der Demokratischen Union des ehemaligen DVP-Mitglieds Carl Schröter, in der er stellvertretender Vorsitzender war. Nachdem Schröter im Februar 1946 den Anschluß der DU an die CDU der britischen Zone durchsetzte, gehörte Asmussen im März 1946 zu den Mitbegründern der FDP in Schleswig-Holstein, deren erster Landesvorsitzender er wurde. Nach der Wahlniederlage bei der ersten Landtagswahl am 20. April 1947, bei der die FDP nicht in den Landtag einziehen konnte, trat er zurück, wurde aber zum Ehrenvorsitzenden der Liberalen im nördlichsten Bundesland gewählt. Sein Nachfolger wurde der zum rechten Parteiflügel zählende Fritz Oellers. Asmussen gehörte ab dem 11. April 1946 nacheinander den beiden ernannten Landtagen von Schleswig-Holstein nach dem Zweiten Weltkrieg an.
Rudolf Karl Augstein (* 5. November 1923 in Hannover; † 7. November 2002 in Hamburg; Pseudonyme unter anderem Moritz Pfeil oder Jens Daniel): 1955 oder 1956 wurde er Mitglied der FDP und zog für diese bei der Bundestagswahl 1972 über die Landesliste in Nordrhein-Westfalen ins Parlament ein, legte sein ab Dezember 1972 währendes Mandat jedoch am 24. Januar 1973 wieder nieder.
Daniel Bahr (* 4. November 1976 in Lahnstein): Er trat 1990 als 14jähriger Schüler den Jungen Liberalen (JuLis) bei. 1992 wurde er Mitglied der FDP. 1994 wurde Bahr Vorsitzender des JuLi-Bezirksverbands Münsterland und hatte dieses Amt bis 1996 inne. Ab 1996 gehörte er dem Bundesvorstand der Jungen Liberalen an. Zunächst war er bis zum Bundeskongreß 1998 in Mainz Beisitzer, ehe er zum Stellvertretenden Bundesvorsitzenden mit dem Geschäftsbereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gewählt wurde. Auf dem Bundeskongreß 1999 in Dresden wurde Bahr zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt; dieses Amt übte er bis 2004 aus. 2006 gründete er zusammen mit Liane Knüppel, Hartmut Knüppel, Hans-Joachim Otto, Gisela Piltz, Joachim Stamp und Johannes Vogel den Verein Netzwerk 80 e. V. als Zusammenschluß aller Bundesvorstandsmitglieder und Bundesgeschäftsführer der Jungen Liberalen seit 1980. Seit 2001 ist er zudem Mitglied im FDP-Bundesvorstand, zunächst als Vertreter der Jungen Liberalen und seit 2001 als gewähltes Mitglied. 2003 wurde er zum Vorsitzenden des Zukunftsforums "Frauen, kinderfreundliches Deutschland, Generationengerechtigkeit" beim FDP-Bundesvorstand bestellt. Von 2006 bis 2011 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Münster. Am 27. November 2010 wurde er auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen FDP zum Landesvorsitzenden gewählt. Im Vorfeld der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai 2012 erklärte Bahr, dieses Amt an den Spitzenkandidaten Christian Lindner abgeben zu wollen. Bahr war von 2002 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er zog stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag ein. Hier war er von 2002 bis 2005 Sprecher für demographische Entwicklung, Behindertenpolitik und Pflege der FDP-Bundestagsfraktion. Von 2005 bis 2009 war er Mitglied im Ausschuß für Gesundheit und gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Nach dem Scheitern seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 schied er im Oktober 2013 aus dem Deutschen Bundestag aus. Bahr war vom 29. Oktober 2009 bis zum 11. Mai 2011 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit. 2010 geriet er in die Schlagzeilen, als er beim Streit um die Vorschläge von Philipp Rösler zur Einführung einer Gesundheitsprämie dem Koalitionspartner CSU vorwarf, sie sei "als Wildsau aufgetreten" und habe sich "nur destruktiv gezeigt". Am 12. Mai 2011 wurde Bahr vom Bundespräsidenten zum Bundesgesundheitsminister ernannt. Sein Amtsvorgänger Philipp Rösler (FDP) wurde Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler. In den ersten Wochen als Bundesgesundheitsminister gerieten Bahr und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner in die Kritik wegen des Krisenmanagements beim weltweit größten EHEC-Ausbruch. Bahr bereitete 2012 die gesetzlichen Grundlagen zur Einführung klinischer Krebsregister in Deutschland vor. In Verhandlungen mit Kostenträgern erreichte der Bundesminister die Aufbaufinanzierung durch die Deutsche Krebshilfe und durch die Bundesländer. Er setzte sich mit Erfolg für die Abschaffung der 2004 eingeführten Praxisgebühr ein. Während seiner Amtszeit wurde am 3. Januar 2013 in der Drucksache 17/12051 des Deutschen Bundestages der "Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012" veröffentlicht. Bestandteil des Berichts der Bundesregierung war auch die "Risikoanalyse 'Pandemie durch Virus Modi-SARS'", in welcher ausgeführt wurde, daß "bei einem Auftreten einer derartigen Pandemie über einen Zeitraum von drei Jahren mit drei voneinander getrennten Wellen mit immens hohen Opferzahlen und gravierenden Auswirkungen auf unterschiedliche Schutzgutbereiche zu rechnen wäre." Bahr zog als Bundesminister daraus keine Konsequenzen.
Martin Andreas Bangemann (* 15. November 1934 in Wanzleben; † 28. Juni 2022 in Saint-Vincent-la-Châtre, Frankreich): Er engagierte sich im Liberalen Studentenbund und bei den Jungdemokraten. 1963 trat er in die FDP ein. Von 1969 bis 1974 war er Stellvertretender Vorsitzender und bis 1978 Landesvorsitzender der FDP/DVP in Baden-Württemberg. Von 1974 bis 1975 war er Generalsekretär der FDP. Von 1985 bis 1988 übernahm er den Bundesvorsitz der Partei. Von 1974 bis 1975 und von 1978 bis 1984 war er Mitglied des FDP-Präsidiums. Von 1972 bis 1975 und von 1976 bis 1998 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung, davon in den Jahren 1990 bis 1996 als Vorsitzender. 1975/76 war er stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Stiftung. Bei der Bundestagswahl 1972 zog Bangemann über die Landesliste der FDP Baden-Württemberg erstmals in den Deutschen Bundestag ein. Seit 1973 gehörte er darüber hinaus dem Europäischen Parlament an, damals noch vom Bundestag entsandt. Im Vorfeld der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments wurde er auf der FDP-Bundesvertreterversammlung 1979 zum Spitzenkandidaten gewählt und gehörte seit der Wahl wieder dem Europäischen Parlament als Abgeordneter an. Deshalb schied er mit Ablauf der achten Legislaturperiode 1980 aus dem Bundestag aus. Im Europäischen Parlament war Bangemann von 1979 bis 1984 Vorsitzender der Liberalen und Demokratischen Fraktion. Nachdem die FDP bei der Europawahl 1984 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, schied er aus dem Europaparlament aus. Nach der Bundestagswahl 1987 war Bangemann erneut Mitglied des Deutschen Bundestages. Als er Anfang 1989 zur Europäischen Kommission wechselte und sein Mandat aufgab, rückte Ingrid Walz für ihn nach. Bangemanns Sekretärin Johanna Olbrich (alias Sonja Lüneburg), die für ihn von 1973 bis 1985 arbeitete, war eine Spionin der DDR-Staatssicherheit. Olbrich arbeitete zunächst für den Berliner FDP-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten William Borm, der seit Ende der 1950er Jahre Agent des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war. Dann wurde Olbrich für den Generalsekretär Karl-Hermann Flach tätig und arbeitete schließlich mehr als zehn Jahre lang für Bangemann. Sie wurde nach der Wende zu einer zweieinhalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. 1972 kandidierte Bangemann für das Amt des Oberbürgermeisters von Mannheim. Am 27. Juni 1984 wurde Bangemann als Bundesminister für Wirtschaft in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Anfang 1989 wechselte er als Mitglied in die EG-Kommission mit Zuständigkeit für den Binnenmarkt. 1993 wurde er EU-Kommissar für Industriepolitik, Informationstechnik und Telekommunikation. Dieses Amt behielt er bis zum geschlossenen Rücktritt der EU-Kommission 1999. In seiner Amtszeit trieb er vor allem die Liberalisierung der Telefonmärkte in Europa voran und trug damit zum Aufbrechen der bisherigen staatlichen Monopole in diesem Bereich bei. Als EU-Kommissar war Bangemann in Brüssel für den Kommunikationsbereich zuständig. Der Rat der Europäischen Union hatte mit Beschluß vom 9. Juli 1999 gegen Bangemann ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof angestrengt, um ein mögliches dienstliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit dessen Wechsel zum Telefónica-Konzern prüfen zu lassen. Der Rat befürchtete, das diesbezügliche Verhalten Bangemanns würde den Ruf der Kommission als unabhängiges und unparteiisches Gremium gefährden und plädierte auf Aberkennung der Ruhegehaltsansprüche (Rs.T-208/99). Unter anderem nach Bangemanns Zusicherung, sich in der Zeit von Juli 1999 bis Juni 2001 beurlauben zu lassen, bevor er eine dritte Partei bei den EU-Organen vertrete und nachdem sich Bangemann bereit erklärt hatte, die von ihm beim EuGH eingebrachte Klage gegen den Rat (Rs. T-208/99) zurückzunehmen, wurde das Verfahren eingestellt. Diesen Wechsel eines Kommissionsmitgliedes in ein Unternehmen, dessen Geschäftsfeld zuvor in das Aufgabengebiet des Kommissars fiel, nahm die EU-Kommission zum Anlaß, einen Verhaltenskodex nebst Ethikkommission einzusetzen.
Lasse Becker (* 17. März 1983 in Kassel): Anfang 2000 trat er den Jungen Liberalen in Kassel bei und gehörte diesen bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahr 2019 an. Er engagierte sich daraufhin in diversen Positionen der Jungen Liberalen (JuLis) und der FDP; Am 9. April 2010 wurde er auf dem Bundeskongreß in Bonn zum Vorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt und im April 2011 sowie März 2012 wiedergewählt; er arbeitete auch am neuen Grundsatzprogramm der FDP mit, das 2013 verabschiedet wurde.
Richard Max Adolf Becker (* 25. Mai 1888 in Kassel; † 29. Juli 1960 in Heidelberg): 1945 begründete er in Hessen die LDP mit, die später der hessische Landesverband der FDP wurde. Von 1955 bis zu seinem Tod gehörte er dem FDP-Bundesvorstand an. Von 1956 bis 1958 war er Landesvorsitzender der hessischen FDP. 1959 war er Kandidat der FDP für das Amt des Bundespräsidenten. Becker war 1946 bis 1949 Landtagsabgeordneter in Hessen. Er war 1948/49 Mitglied des Parlamentarischen Rats und dort Schriftführer sowie Vorsitzender des Ausschusses für Wahlrechtsfragen. Dem Deutschen Bundestag gehörte er seit dessen erster Wahl 1949 bis zu seinem Tod an. 1951/52 war er Vorsitzender des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Prüfung, ob durch die Personalpolitik Mißstände im Auswärtigen Dienst eingetreten sind. Becker war als Nachfolger von Thomas Dehler vom 8. Januar 1957 bis zum Ende der Wahlperiode im selben Jahr Vorsitzender der FDP-Fraktion, nachdem er bereits seit dem Austritt des "Ministerflügels" stellvertretender Fraktionsvorsitzender war. Vom 4. Juli 1956 bis zu seinem Tode war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Becker war am 5. Februar 1954 der erste Bundestagsabgeordnete, der das neugeschaffene Instrument der Zwischenfrage nutzte, um dem Abgeordneten Alois Niederalt eine Frage zu stellen. Der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gehörte Becker, dessen Schwerpunkte die Außen- und die Europapolitik waren, von 1950 bis zu seinem Tod an. 1952/53 war er Mitglied der Versammlung für eine europäische Verfassung und von 1955 bis zu seinem Tod der Versammlung der Westeuropäischen Union.
Jens Beeck (* 19. September 1969 in Münster): Seit 1987 ist er Mitglied der Freien Demokraten; bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 wurde Beeck über Platz 2 der Landesliste der FDP Niedersachsen zum Mitglied des 19. Deutschen Bundestages gewählt. Im 19. Deutschen Bundestag war Beeck Mitglied im Ausschuß für Arbeit und Soziales, Mitglied im Ausschuß für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellvertretendes Mitglied im Innenausschuß sowie stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Mittelamerikanischen Parlamentariergruppe. Innerhalb der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag ist Beeck teilhabepolitischer Sprecher und somit für die Belange von Menschen mit Behinderungen zuständig. In dieser Funktion setzt sich Beeck gemeinsam mit den Freien Demokraten für die Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Sinne von Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 Grundgesetz und der UN-Behindertenrechtskonvention ein. So legte die FDP-Fraktion unter seiner Ägide ein Konzept zur Teilhabe und Inklusion vor, das unter anderem den Abbau baulicher Barrieren, die Umsetzung barrierefreier Mobilität und die Verbesserung des Zugangs zum Arbeitsmarkt zum Ziel hat. Zudem setzen sich Beeck und die Freien Demokraten für einen digitalen Teilhabeausweis und ein Assistenzhundegesetz ein. Durch letzteres sollen Assistenzhunde als Teilhabeleistung im SGB IX anerkannt und für Menschen mit Epilepsie, Diabetes, Posttraumatischer Belastungsstörung zugänglich gemacht werden. Auch außerhalb des Deutschen Bundestages setzt sich Beeck dabei intensiv für Assistenztiere ein, beispielsweise als Schirmherr der Allianz für Assistenzhunde - Pfotenpiloten. Zu Beecks Arbeitsschwerpunkten im Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gehörten regional Nord-, Mittel und Südamerika sowie weltweit Fragen der globalen Gesundheitspolitik. In diesem Zusammenhang hat sich Beeck gemeinsam mit seiner Fraktion insbesondere in der Corona-Krise wiederholt für mehr Engagement in der globalen Gesundheit und eine Stärkung der WHO eingesetzt. Im März 2020 waren Beeck und sein Fraktionskollege Matthias Seestern-Pauly die einzigen Abgeordneten der FDP-Fraktion, die einen Antrag der Fraktion "Bündnis 90/Die Grünen" für ein humanitäres Aufnahmeprogramm für besonders schutzbedürftige Asylsuchende aus Griechenland nicht ablehnten. Bei der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag am 26. September 2021 wurde Beeck, über Platz 2 der Landesliste der FDP Niedersachsen, erneut in den Deutschen Bundestag gewählt. Er kandidierte außerdem direkt im Bundestagswahlkreis Mittelems und erreichte dort den vierten Platz mit 9,7 Prozent der Erststimmen. Damit verpaßte er das Direktmandat. Die FDP holte im Wahlkreis Mittelems insgesamt 11,7 Prozent der Zweitstimmen und damit 1,2 Prozentpunkte mehr als im niedersächsischen Landesdurchschnitt. Im 20. Deutschen Bundestag vertritt Beeck seine Fraktion erneut im Ausschuß für Arbeit und Soziales, er ist zudem Obmann im Ausschuß für Arbeit und Soziales. Beeck ist außerdem Mitglied im Auswärtigen Ausschuß, zuständig für Lateinamerika. Erneut wurde er in den Vorstand der deutsch-mittelamerikanischen Parlamentariergruppe gewählt. Beeck wurde darüber hinaus erneut von seiner Fraktion zum teilhabepolitischen Sprecher ernannt. Bei der Abstimmung zum Triage-Gesetz im November 2022 stimmte Beeck gegen die Regierungsvorlage. Anfang Mai 2023 initiierte Jens Beeck gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Tino Sorge und der Parlamentarischen Staatssekretärin Anette Kramme (SPD) den "Parlamentskreis Hund". Insgesamt schlossen sich zur Gründung fraktionsübergreifend mehr als 40 Bundestagsabgeordnete an.
Hans-Jürgen Beerfeltz (* 8. April 1951 in Lübeck; † 20. Januar 2016 in Berlin): Von 1988 bis 1992 war er Büroleiter im Büro Otto Graf Lambsdorff, von 1992 bis 1995 Vizepräsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Vom 20. September 1995 bis 9. November 2009 war er Bundesgeschäftsführer der FDP. Seine Nachfolgerin wurde im April 2010 Gabriele Renatus. Nach dem Regierungswechsel 2009 übernahm er das Amt des Staatssekretärs im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ende 2010 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender der aus Fusion von GTZ, DED und InWent hervorgegangenen Entwicklungshilfeorganisation Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Aus beiden Ämtern schied er im Dezember 2013 aus. Ab April 2014 war er Generalsekretär der Westerwelle Foundation.
Rolf Berndt (* 28. April 1946 in Niederschelden, Sieg): Er wurde 1968 Mitglied der FDP. 1973 bis 1981 war er Vorsitzender des Kreisverbands in Altenkirchen. Berndt wurde 1973 in das Bundesministerium für Wirtschaft berufen und war dort Persönlicher Referent der Bundesminister Hans Friderichs und Otto Graf Lambsdorff, ab 1978 Kabinettsreferent. 1981 war er als Energiereferent an die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der OECD/Internationale Energieagentur in Paris abgeordnet. 1995 erfolgte seine Wahl zum Geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er gehörte dem Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik an. Von 2013 bis 2014 war er Mitglied im Stadtrat von Potsdam. Berndt war ab 1995 Vorstandsmitglied der Walter-Scheel-Stiftung. Seit 2015 ist er deren Vorsitzender. 1983 wurde er als Nachfolger von Fritz Fliszar zum Bundesgeschäftsführer der FDP berufen und blieb dies bis 1995.
Claudia Bögel-Hoyer (* 15. September 1961 in Burgsteinfurt): Seit 2002 ist sie in der FDP; bei der Bundestagswahl 2009 trat Claudia Bögel für ein Direktmandat im Wahlkreis Steinfurt I - Borken I an und erhielt 12,3 Prozent der Erststimmen. Damit erhielt sie das zweitbeste Erststimmenergebnis in Nordrhein-Westfalen. Über Landeslistenplatz 17 zog sie in den Bundestag ein. Als Bundestagsabgeordnete war Bögel ordentliches Mitglied im Ausschuß für Wirtschaft und Technologie. Dort war sie Beauftragte für den Mittelstand, für IT-Kommunikation und Postpolitik. Ebenfalls arbeitete sie als stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Tourismus und im Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Von 2009 bis 2012 war sie im Ausschuß für Angelegenheiten der Europäischen Union tätig. Bögel engagierte sich überdies in den Arbeitsgruppen "Bürokratieabbau" und "Kommunalpolitik". Seit Februar 2010 war sie stellvertretendes Beiratsmitglied der Bundesnetzagentur und besetzte seit Mai 2010 den Unterausschuß "Regionale Wirtschaftspolitik". Im Juni 2010 wurde Bögel in den Mittelstandsbeirat des Bundesministeriums für Wirtschaft berufen. Zudem war sie seit Januar 2011 Mitglied für die FDP-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" im Bundestag. Seit Juni 2011 unterstützte Bögel als Schriftführerin im Sitzungsvorstand des Plenums den Bundestagspräsidenten bei seiner Arbeit. Ab Februar 2012 war Bögel Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für den Mittelstand und arbeitete zudem in der neu gegründeten Koalitionsarbeitsgruppe "Ländliche Räume/Regionale Vielfalt" als stellvertretende Vorsitzende und Obfrau ihrer Fraktion; im Juni 2013 wurde sie einstimmig zur Präsidentin der Deutschen Gruppe Liberale Internationale (DGLI) Sektion Nordrhein-Westfalen gewählt; Im März 2014 wurde Bögel-Hoyer zum Member of Diplomatic Council vom Rat der Botschafter berufen; durch das Scheitern ihrer Partei an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 schied sie im Oktober 2013 aus dem Bundestag aus; Am 13. September 2015 wurde sie in Steinfurt mit 55,4 Prozent der abgegebenen Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Am 13. September 2020 wurde sie mit 61 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.
Albert Joachim Werner Bote (* 13. Mai 1889 in Bremen; † 27. Februar 1961 in Bremen): Während der Zeit des Deutschen Kaiserreichs war er Vorstandsmitglied der Nationalliberalen Partei (NLP). Während der Zeit der Weimarer Republik war er Vorstandsmitglied der liberalen Deutschen Volkspartei (DVP). Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich an der Gründung der Bremer Demokratischen Volkspartei (BDV), als deren Schatzmeister er bis 1951 fungierte. Er war von 1946 bis 1951 Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft und dort Vorsitzender der BDV- bzw. BDV/FDP-Fraktion. Daneben war er 1948/49 für Bremen Mitglied des Parlamentarischen Rates beim Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebietes. 1951, nach dem Übergang der BDV in die FDP, wurde er Mitglied der FDP. 1952 war er Vertreter des Liberalen Kreises in der Bremer FDP, der befürchtete, daß die FDP zu weit nach rechts rücken könnte. Er und weitere Mitglieder wurden 1953 aus der FDP ausgeschlossen und 1955 wieder aufgenommen. Von 1957 bis 1958 war er stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Bremen.
Jens Brandenburg (* 8. März 1986 in Simmerath): Er ist seit 2006 Mitglied der FDP. Zuvor trat er 2005 den Jungen Liberalen bei. Zur Bundestagswahl 2017 trat er für die FDP im Bundestagswahlkreis Rhein-Neckar an und zog über Platz 9 der Landesliste der FDP Baden-Württemberg in den 19. Deutschen Bundestag ein. Als Mitglied im Ausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung war Brandenburg Sprecher für Studium, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen der FDP-Fraktion und Vorsitzender der Fraktions-Arbeitsgruppe Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Zudem war Brandenburg der erste Sprecher für die Rechte von LSBTI der Fraktion. Darüber hinaus war Brandenburg als ordentliches Mitglied, Vorsitzender und Obmann seiner Fraktion in der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" vertreten. Zudem gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppe Cono Sur-Staaten. Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte er erneut im Wahlkreis Rhein-Neckar und über den achten Platz der FDP Baden-Württemberg. Im Wahlkreis erreichte er mit 11,6 Prozent den vierten Platz bei den Erststimmen, zog aber über die Landesliste in den 20. Deutschen Bundestag ein. Seit dem 8. Dezember 2021 war er Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger. Aufgrund des Auseinanderbrechens der Ampelkoalition wurde seine zuständige Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 7. November 2024 entlassen, womit auch seine Amtszeit als Parlamentarischer Staatssekretär endete. Darüber hinaus ist Brandenburg Mitglied im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und im Kuratorium der Deutschen AIDS-Stiftung.
Franziska Brandmann (* 28. April 1994 in Münster): Sie trat 2009 den Jungen Liberalen und kurze Zeit später der FDP bei. Auf dem Bundeskongreß der Jungen Liberalen am 13. November 2021 in Erlangen wurde sie mit 182 von 197 abgegebenen Stimmen (92,4 %) zur Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, gewählt. Gegenkandidaten gab es keine. Der bisherige Vorsitzende Jens Teutrine hatte sich nicht mehr zur Wahl gestellt, da er in den Bundestag gewählt worden war. Zuvor war sie im Landesvorstand der Jungen Liberalen NRW und im Bundesvorstand der Jungen Liberalen Mitglied, später als Ombudsperson des Verbands tätig. Im September 2022 wurde Brandmann für ihr Engagement von dem Magazin Zeit Campus ausgezeichnet, in dem sie als "30 bis 30", also als eine der wichtigsten Menschen bis dreißig, gelistet wurde. Im November 2022 wurde Brandmann auf dem 65. Bundeskongreß der Jungen Liberalen mit 90 Prozent der Stimmen erneut zur Bundesvorsitzenden gewählt. Im März 2023 wurde sie auf dem 66. Bundeskongreß erneut mit 73 Prozent im Amt bestätigt. Im Mai 2024 wurde sie auf dem 68. Bundeskongreß mit 89 Prozent wiedergewählt. Zur Bundestagswahl 2025 kandidiert sie als Direktkandidatin in Münster und auf Platz 10 der FDP-Landesliste Nordrhein-Westfalen. Nachdem Brandmann selbst Opfer von Cyber-Mobbing wurde, gründete sie 2022 mit dem FDP-Politiker Alexander Brockmeier und einem weiteren Freund das Start-up "So done" mit Sitz in Rheine, das KI-gestützt Haßnachrichten im Internet aufspürt und zur Anzeige bringt. Im September 2024 erreichte die mandatierte Geschäftstätigkeit 1000 Strafanträge im Monat. Am 28. Oktober 2024 wurde das Unternehmen vom Land Nordrhein-Westfalen mit einem MUT Gründungspreis ausgezeichnet.
Jan Brügelmann (* 12. Juli 1921 in Köln; † 23. Juni 2012 ebenda): Er war zunächst Mitglied der Gesamtdeutschen Volkspartei Gustav Heinemanns, für die er bei der Bundestagswahl 1953 erfolglos kandidierte. Im Gegensatz zum Großteil der Partei schloß er sich nach deren Scheitern jedoch nicht der SPD an, sondern blieb zunächst parteilos. Zeitgleich mit seinem Eintritt in die FDP im Jahre 1969 wurde Brügelmann als sachkundiger Bürger Mitglied von in der Folge wechselnden Ausschüssen des Kölner Stadtrats. Von 1979 bis 1984 war er als Fraktionsangehöriger seiner Partei Bürgermeister der Stadt Köln und somit einer der Vertreter des Oberbürgermeisters. Im Anschluß versah er bis 1993 die Funktion des stellvertretenden Kreisvorsitzenden der Liberalen.
Werner Bruns (* 23. Januar 1954 in Hameln): Von 1994 bis 1996 war er Mitglied der Grundsatzkommission der FDP, die unter Leitung von Guido Westerwelle die Wiesbadener Grundsätze formulierte. Bruns beteiligte sich 2018 an der Gründung der Initiative "Vertrauen in die liberale Gesellschaft" beziehungsweise des "liberal-demokratischen Laboratoriums". Hintergrund war die Sorge um die liberale Demokratie, die insbesondere durch den Populismus gefährdet sei. Von 2019 bis 2020 amtierte Bruns als Vorsitzender des FDP-Stadtverbands von Bergheim. Er ist Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und gehört dem Auswahlausschuß dieser Stiftung an. Die Friedrich-Naumann-Stiftung förderte ihn während seines Studiums und in der Promotionsphase. Bruns war Assistent beim Wirtschaftswissenschaftler Hans-Hermann Hoppe, der Volkswirtschaft an der University of Nevada, Las Vegas in Paradise (Nevada) lehrte und die wissenschaftliche Leitung des Ludwig-von-Mises-Instituts innehatte. Von 1985 bis 1986 arbeitete er in der FDP-nahen Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung in Hannover als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Studienleiter. Bruns prägte 1993 den Begriff "Sozialkriminalität" und begründete sie unter anderem durch soziologische Theorien abweichenden Verhaltens. Sozialkriminalität bezeichnet den Mißbrauch staatlicher Wohlfahrts- oder Sozialleistungen, analog zur Wirtschaftskriminalität, insoweit diese Verstöße gegen das Steuerrecht oder gegen Subventions- und Konkursregeln sind. Bruns schätzte den Mißbrauch von Wohlfahrts- beziehungsweise Sozialleistungen für das Jahr 1994 auf etwa 15 Prozent, in absoluten Zahlen lag die Mißbrauchssumme nach seinen Berechnungen damals bei mindestens 17 Milliarden Deutsche Mark. 1994 legte er eine Streitschrift vor, die sich gegen die Bürokratisierung wandte (Zeitbombe Bürokratie). In ihr entwickelte er unter anderem ein Modell zur Abschaffung des Berufsbeamtentums, befürwortete die Privatisierung öffentlichen Eigentums sowie eine deutliche Verschlankung von Parlamenten, Ministerien und Behörden. Neun Jahre später schlug er vor, die Diäten von Politikern an die Erreichung von mit Bürgern ausgehandelten Zielen zu koppeln und ein Bonus- beziehungsweise Malus-System einzuführen. Ein solches System sei in der Wirtschaft verbreitet, aber auch im politischen System Kanadas. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie machte sich Bruns 2022 Gedanken über eine aus seiner Sicht zunehmende Anomie in Deutschland. Die Deutsche Wiedervereinigung und die Flüchtlingskrise von 2015 hätten auf jeweils eigene Weise viele Menschen unter erheblichen Streß gesetzt. Nach der Wiedervereinigung hätten viele insbesondere in Ostdeutschland zumindest subjektiv ihre Wünsche beziehungsweise Ziele kaum noch erreichen können, denn ihre sozialen Ausgangsbedingungen waren nachteilig. Die Flüchtlingskrise von 2015 ließ dann viele Menschen an der Fähigkeit der Politik zweifeln, Probleme effektiv zu lösen; das habe die Hinwendung zu populistischen Parolen und Parteien begünstigt. Im Lockdown hätten schließlich Konzeptionslosigkeit, ökonomische Härten, fehlende Ressourcen (beispielsweise Impfstoffe), die zeitweilige Suprematie der Exekutive beziehungsweise die Schwäche der Legislative sowie die Virtualisierung der Sozialkontakte mit der Folge eines "digitalen Hospitalismus" ihrerseits desintegrierend gewirkt.
Ignatz Bubis (* 12. Januar 1927 in Breslau; † 13. August 1999 in Frankfurt am Main): Er war seit 1969 Mitglied der FDP, deren Bundesvorstand er 1995 bis 1999 angehörte. 1978 Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland. 1985 wurde er in dessen Verwaltungsrat und 1989 zum zweiten Vorsitzenden des Zentralrats gewählt. Nach dem Tod des Vorsitzenden Heinz Galinski wurde Bubis 1992 dessen Nachfolger. 1997 wurde er in diesem Amt bestätigt. Anders als sein Vorgänger entwickelte Bubis eine große öffentliche Präsenz und vertrat die jüdischen Interessen pragmatisch und konziliant. 1979 bis 1992 saß er im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks, von 1987 bis 1992 als Vorsitzender dieses Gremiums. 1993 wechselte er in den Verwaltungsrat des HR, dem er bis 1996 angehörte. Bubis gehörte in der FDP zu den entschiedensten Unterstützern von Einwanderern und Geflüchteten in Deutschland. 1992 kritisierte er die Änderung des Asylrechts und unterstützte 1992/1993 die Gründung der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung (LTD), bei deren Veranstaltungen er oftmals als Redner auftrat. Im Mai 1999 schlug er den Bundesvorsitzenden der LTD, Mehmet Daimagüler, auf dem Bremer Parteitag für den Bundesvorstand der FDP vor. Bubis war im Jahr 1993 als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Er lehnte eine Kandidatur jedoch mit der Begründung ab, für ein jüdisches Staatsoberhaupt sei Deutschland noch nicht reif. Von 1997 bis 1999 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung.
Sylvia Canel (* 22. Mai 1958 in Hamburg): Sie war seit 2002 Mitglied in der FDP. zwischen 2005 und 2007 Vorsitzende des Landesfachausschusses für Bildung, Wissenschaft und Sport und Beisitzerin des Landesvorstands, von 2005 bis Januar 2010 bildungspolitische Sprecherin der FDP Hamburg sowie von 2007 bis April 2011 stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Hamburg. 2008 gründete sie die Arbeitsgemeinschaft "Die Modernen Liberalen". Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte sie auf Platz 2 der Landesliste Hamburg und schaffte so den Einzug in den Bundestag. Dort war sie ordentliches Mitglied im Bildungsausschuß sowie stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuß. Canel erklärte am 11. April 2011 ihre Kandidatur zum Vorsitz der FDP Hamburg. Ihr Gegenkandidat für die Wahl am 15. April 2011 war der amtierende Landesvorsitzende Rolf Salo. Im Wahldurchlauf konnte Canel 53 Stimmen für sich verzeichnen und unterlag somit Salo (68 Stimmen) deutlich. In der Wiederwahl zum Stellvertreter unterlag Canel der Rechtsanwältin Petra Wichmann-Reiß. Im August 2011 sprach sie sich indirekt für das Ende von Schwarz-Gelb aus. Seit 2012 war sie Landesvorsitzende der FDP Hamburg. Zuletzt setzte sie sich am 5. April gegen die Vorsitzende der FDP-Bürgerschaftsfraktion Katja Suding mit 66 zu 55 Stimmen durch. Unterstützt vom Bund der Steuerzahler gründete Canel mit 9 weiteren Bundestagsabgeordneten im Mai 2012 eine "Allianz gegen den ESM". Der temporäre Rettungsschirm EFSF müsse wie geplant 2013 auslaufen. Die dauerhafte Nachfolgeeinrichtung ESM dürfe es nicht geben, da sie gegen Haftung und Eigenverantwortung verstoße. Innerhalb der FDP unterstützte Canel den "Liberalen Aufbruch", einen wirtschaftsliberalen Parteiflügel der FDP. Am 7. Dezember 2012 kandidierte sie auf der Vertreterversammlung der Hamburger FDP gegen den bisherigen Spitzenkandidaten Burkhardt Müller-Sönksen für Platz eins der Landesliste zur Bundestagswahl 2013. Sie unterlag jedoch mit 45 zu 64 Stimmen. Da sie sich für weitere Listenplätze nicht mehr bewarb, schied sie mit dem Ende der Wahlperiode aus dem Deutschen Bundestag aus. Am 28. September 2014 trat Canel auf dem Gründungsparteitag der Partei "Neue Liberale" an und wurde, zusammen mit ihrem ehemaligen Stellvertreter an der Spitze der FDP-Landespartei, Najib Karim, sowie dem früheren Hamburger Senator Dieter Biallas zur Co-Bundesvorsitzenden gewählt. Am 1. September hatte sie bereits ihr Amt als Landesvorsitzende der FDP niedergelegt und war aus der Partei ausgetreten.
Dieter-Julius Cronenberg (* 8. Februar 1930 in Neheim; † 21. November 2013): 1961 trat er in die FDP ein und war dort Orts- und Kreisvorsitzender, von 1969 bis 1974 stellvertretender Bezirksvorsitzender, anschließend Bezirksvorsitzender. Von 1976 bis 1994 gehörte Cronenberg dem Deutschen Bundestag an. Hier engagierte er sich vor allem auf dem Gebiet der Sozialpolitik und war von 1979 bis 1985 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion sowie Leiter des Fraktions-Arbeitskreises Arbeits- und Sozialpolitik. Im Dezember 1984 wurde er als Nachfolger von Richard Wurbs zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages gewählt und blieb dies über zehn Jahre bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1994. Von 1995 bis 2000 war er Vizepräsident der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments. Neben seinen politischen Ämtern war Cronenberg Mitglied in zahlreichen Vorständen, Kuratorien und Beiräten von Verbänden, Unternehmen und Stiftungen, darunter des Wirtschaftsverbands Stahlverformung, der Treuhandanstalt, der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, der Bundesstiftung Mutter und Kind oder der Otto Benecke Stiftung.
Thomas Dehler (* 14. Dezember 1897 in Lichtenfels; † 21. Juli 1967 in Streitberg, Landkreis Ebermannstadt): 1924 war er Mitbegründer des die Republik stützenden Kampfverbands Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zählte Dehler gemeinsam mit Fritz Linnert zu den Mitbegründern der FDP Bayern, deren Landesvorsitzender er von 1946 bis 1956 war und als der er 1954 maßgeblich zur Bildung der bislang einzigen bayerischen Landesregierung ohne CSU-Beteiligung beitrug. Auf dem Gründungsparteitag der Bundes-FDP in Heppenheim 1948 wurde er in den Parteivorstand gewählt. Innerhalb der FDP gehörte Dehler, wie auch Reinhold Maier (Württemberg-Baden), Hans Reif (Berlin) und Willy Max Rademacher (Hamburg), zur Gruppe der entschiedenen Liberalen, die sich gegen einen Kurs der Nationalen Sammlung aussprachen, wie er etwa von den Landesvorsitzenden Friedrich Middelhauve (Nordrhein-Westfalen), August-Martin Euler (Hessen) und Artur Stegner (Niedersachsen) verfolgt wurde. Dehler und seine politischen Freunde sahen den Platz der FDP stattdessen in der politischen Mitte zwischen der SPD und den Unionsparteien. So sprach er sich nach der Bundestagswahl 1949 beispielsweise gegen eine gemeinsame Fraktion mit der DP aus, wie sie vom rechten Flügel der Partei gefordert worden war. Thomas Dehler bildete mit Alfred Onnen und Fritz Neumayer die parteiinterne Untersuchungskommission zur Aufklärung der Affäre um den Naumann-Kreis. 1954 wurde er zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt. Dieses Amt übte er bis 1957 aus. 1946 gehörte Dehler der Verfassunggebenden Landesversammlung in Bayern und von 1946 bis 1949 dem Bayerischen Landtag an. Von 1947 bis 1948 war er Mitglied im Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebietes und von 1948 bis 1949 des Parlamentarischen Rates. Von 1949 bis zu seinem Tode war Dehler Mitglied des Deutschen Bundestages, in den er stets über die bayerische Landesliste der FDP gewählt wurde und wo er von 1953 bis 1957 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion war. Am 23. Februar 1956 beschloß die FDP-Fraktion unter seiner Führung, die Koalition mit der CDU/CSU aufzukündigen. Daraufhin schieden 16 Mitglieder, darunter auch die vier FDP-Bundesminister, aus der Fraktion aus und gründeten die Freie Volkspartei (FVP). Von 1957 bis 1961 leitete Dehler den Arbeitskreis Außenpolitik und Verteidigung der FDP-Bundestagsfraktion und war daneben Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft. Am späten Abend der ganztägigen außenpolitischen Bundestagsdebatte vom 23. Januar 1958 rechneten Thomas Dehler und Gustav Heinemann in zwei Aufsehen erregenden Reden in bis dahin nicht gekannter Schärfe mit Adenauers Politik ab. Beide hatten zuvor als Bundesminister dem Kabinett Adenauer I angehört. Dehler sprach insgesamt 1 Stunde und 39 Minuten, wobei ihn Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier mehrmals wegen Ordnungsverstößen und Redezeitüberschreitung unterbrach. Im Kern warf Dehler dem Bundeskanzler vor, er habe die Wiedervereinigung gar nicht "ernsthaft erstrebt", er verzichte angesichts der Sachzwänge des Kalten Kriegs im Grunde auf Politik, "die eigentlichen Entscheidungen gehen am Parlament, auch am Kabinett vorbei". Daher schäme er sich, nicht wie Heinemann den Mut zum Rücktritt gehabt zu haben. Er bezog sich dabei insbesondere auf die von Adenauer kategorisch abgelehnte Stalin-Note vom 10. März 1952. Die gesamte Debatte wurde direkt im Rundfunk übertragen und hatte ein Millionenpublikum, was seinerzeit in der CDU-Führung erhebliche Besorgnis auslöste. Vom 28. September 1960, als er Nachfolger des verstorbenen Max Becker wurde, bis zu seinem Tod war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages. 1960/61 vertrat er den Bundestag vor dem Bundesverfassungsgericht im Verfahren über den Antrag der bayerischen Staatsregierung auf Feststellung der Nichtigkeit des "Gesetzes zur Reinhaltung der Bundeswasserstraßen vom 17. August 1960". Seit dem 19. Juni 1963 war er außerdem Vorsitzender des Wahlmännerausschusses nach § 6 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht. In der Verjährungsdebatte im Bundestag vom 10. März 1965 plädierte Dehler auf der Basis rechtsstaatlicher Erwägungen für die bevorstehende Verjährung von ungesühnten Morden, insbesondere auch nationalsozialistischer Täter. In diesem Sinne erklärte er 1965 im Bundestag: "Zu unserem Recht gehört auch, daß Schuld, daß jede Schuld verjährt". Von Juni 1945 bis 1946 war er von der US-Militärregierung ernannter Landrat des Kreises Bamberg. Nach der Bundestagswahl 1949 wurde er am 20. September 1949 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Zu den ersten unter dem Bundesjustizminister Dehler veröffentlichten Bundesgesetzen gehört das Straffreiheitsgesetz. Dieses amnestierte die meisten Straftaten, die vor dem 15. September 1949 verübt worden und mit Arrest von höchstens einem Jahr oder einer Geldstrafe von bis zu 10.000 Mark bedroht waren. Trotz einiger Vorbehalte gegen dieses Gesetz bewertete er letztlich die Maßnahme als geeignet, um das politische Leben in der Bundesrepublik "zu entgiften". Allgemein trat Dehler für einen Schlußstrich im juristischen Sinne gegenüber der Zeit des Nationalsozialismus ein. Unter anderem arbeitete er einen Parteitagsbeschluß der Bundes-FDP im Jahre 1949 zur Beendigung der Entnazifizierung mit aus. Die durch Dehler unterstützte Ausführungsgesetzgebung zu Art. 131 GG ermöglichte es vielen ehemaligen Beamten, die wegen ihrer Parteizugehörigkeit zur NSDAP nach 1945 aus dem Dienst entfernt worden waren, ab 1951 als sogenannte 131er ihre Wiedereinstellung oder beamtenrechtliche Versorgung zu betreiben. Auch wenn Dehler dafür eintrat, die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht zu vergessen, hielt er es innenpolitisch dennoch für zumutbar, deren Funktionäre zu amnestieren. Insofern nahm er gegenüber den ehemaligen Kriegsgegnern eine teilweise provozierende Position ein, indem er in der Kriegsverbrecherfrage für ein allgemeines und befriedend wirkendes Verzeihen und Vergessen eintrat. Entsprechende öffentliche Äußerungen seinerseits hatten 1950 einen Protest des französischen Hohen Kommissars bei Adenauer zur Folge. In der Frage einer Wiedergutmachung der Verbrechen, die das nationalsozialistische Deutsche Reich an Juden verübt hatte, nahm Dehler eine zurückhaltende Position ein. Er erkannte durchaus an, daß Israels Ansprüche berechtigt waren, wollte aber nicht, daß in den Verhandlungen zum Luxemburger Abkommen ein bezifferbares Angebot gemacht würde: "Moralische Forderungen seien eben nur moralisch". Im Bundestagswahlkampf 1953 sprach er sich mit der FDP im Gegensatz zu den Koalitionspartnern CDU/CSU und DP gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe aus. Ende 1952 sorgte Dehler für heftige Kontroversen durch seine wiederholt öffentlich geäußerte scharfe Kritik am Bundesverfassungsgericht. Hierbei ging es um die vom Gericht zu entscheidende Frage, inwieweit ein - infolge des EVG-Vertrags zu erbringender - deutscher Wehrbeitrag mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Hierzu erklärte Dehler u. a. am 21. November 1952 auf dem FDP-Bundesparteitag in Bad Ems: "Ich möchte hoffen, daß in dem höchsten deutschen Gericht keine politischen Willensentscheidungen, sondern Rechtsentscheidungen fallen, und daß sich beim Bundesverfassungsgericht der Geist des Sozialismus nicht auswirkt." Diese und weitere Äußerungen Dehlers zum selben Thema hatten u. a. ein parlamentarisches Nachspiel in Form eines - von der Regierungsmehrheit abgelehnten - Mißbilligungsantrags der SPD-Opposition zur Folge. Als weitaus gravierender für Dehler erwies sich in diesem Zusammenhang die tiefe Verärgerung, die er bei Bundespräsident Theodor Heuss und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Hermann Höpker-Aschoff ausgelöst hatte. Als nach der Bundestagswahl 1953 die Berufung des Kabinetts Adenauer II anstand, lehnte Heuss eine erneute Berufung Dehlers zum Bundesjustizminister strikt ab, obwohl dieser von der FDP nominiert und vom Bundeskanzler offiziell vorgeschlagen worden war. Adenauer hatte seinen Vorschlag daraufhin zurückgezogen. Infolgedessen schied Dehler am 20. Oktober 1953 aus der Bundesregierung aus und wurde stattdessen zum Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählt.
Emmy Diemer-Nicolaus, geb. Nicolaus (* 31. Januar 1910 in Gießen; † 1. Januar 2008 in Stuttgart): Sie trat 1946, beeinflußt durch Aufsätze Wolfgang Haußmanns, der DVP bei, deren Landesvorstand (nun FDP/DVP) sie auch von 1959 bis 1971 angehörte. Sie war bis zu ihrem Tod Ehrenvorsitzende des FDP/DVP-Kreisverbands Stuttgart. Von 1950 bis 1952 Mitglied des Landtags von Württemberg-Baden, bzw. nach dem Zusammenschluß von Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden 1952 bis 1957 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg. Hier setzte sie sich besonders für eine liberale Verfassung für Baden-Württemberg ein. 1957 wurde Diemer-Nicolaus über die Landesliste der FDP in Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort war sie Expertin ihrer Fraktion für Haushalts- und Verfassungsfragen. Von Januar 1963 bis 1965 war sie stellvertretende Vorsitzende des Rechtsausschusses. Sie gehörte auch dem Sonderausschuß für die Große Strafrechtsreform an, wo sie sich für die Resozialisierung straffällig Gewordener einsetzte. Resozialisierung sollte den alten Rache- und Sühnegedanken ersetzen. Dafür forderte sie auch "einen Ausbau der sozialtherapeutischen Anstalten und für arbeitende Strafgefangene eine angemessene Bezahlung ihrer Leistungen, um den Unterhalt für die Familien zu sichern, das Opfer der Straftat zu entschädigen und eine Rückzahlung von Schulden zu ermöglichen." Außerdem engagierte sie sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, indem sie u. a. als eine der ersten Politiker Teilzeitarbeit für berufstätige Frauen forderte. In der Debatte um den § 218 StGB engagierte sich Emmy Diemer-Nicolaus für die Einführung der ethischen Indikation bei einer Schwangerschaft aufgrund einer Vergewaltigung. Außerdem hatte sie entscheidenden Anteil an der Reform des Ehe- und Scheidungsrechts, das heute anstelle des Schuldprinzips vom Zerrüttungsprinzip ausgeht. Von 1971 bis 1973 war Diemer-Nicolaus Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarats.
Hermann Robert Dietrich (* 14. Dezember 1879 in Oberprechtal; † 6. März 1954 in Stuttgart): Im Kaiserreich war er Mitglied der Nationalliberalen Partei. Im Gegensatz zu den meisten seiner Parteifreunde schloß er sich 1918 nicht der Deutschen Volkspartei an, sondern beteiligte sich an der Gründung der DDP. Dort galt er als die unbestrittene Führungsfigur der Partei im Land Baden. Nach der Umbenennung der DDP zur Deutschen Staatspartei nach der Reichstagswahl 1930 wurde Dietrich zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Mitbegründer der Demokratischen Volkspartei, die später zum Landesverband der FDP in Baden-Württemberg wurde. Dietrich war von 1911 bis 1921 Mitglied des Badischen Landtags. 1919 wurde er als Abgeordneter in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, legte sein Mandat aber bereits am 12. April 1919 nieder. 1920 kehrte er mit der Wahl in den Deutschen Reichstag in die Reichspolitik zurück. Er war bis Juli 1933 Reichstagsabgeordneter. Obwohl, wie auch Theodor Heuss, ursprünglich gegen die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz, beugte er sich der Mehrheit der anderen Staatspartei-Abgeordneten (Ernst Lemmer, Reinhold Maier und Heinrich Landahl) und stimmte dem Gesetz im Reichstag zu. Gegenüber Kritikern wie z. B. Friedrich Ablass begründete er dies damit, daß es darauf angekommen sei, die vielen Staatsparteimitglieder im öffentlichen Dienst zu schützen, die bei einer Ablehnung sofort von den Nationalsozialisten entlassen worden wären. Von 1908 bis 1914 war Dietrich Bürgermeister von Kehl, anschließend bis 1919 Oberbürgermeister von Konstanz. Dietrich war von November 1918 bis 1920 Badischer Minister des Äußeren. Er bekleidete in der Weimarer Republik zwischen 1928 und 1932 verschiedene Kabinettsposten. Im Kabinett Müller II versah er das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft; im folgenden Kabinett Brüning I setzte er dieses Amt fort, wechselte dann an die Spitze des Finanzministeriums, das er auch im zweiten Kabinett Brüning leitete. Unter Heinrich Brüning diente er zudem als Vizekanzler (30. März 1930 bis 30. Mai 1932). Als Finanzminister hatte er dessen Deflationspolitik zu verantworten, was in Teilen der DDP, vor allem im eher linken Hamburger Landesverband, zu erheblicher Verbitterung führte. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung war er als Rechtsanwalt tätig. Anfang Februar 1946 wurde Dietrich Vorsitzender des Koordinierungsausschusses zum Ausgleich der Erzeugung und der Verbrauchslenkung in der französischen Zone in Baden-Baden. Vom 13. Mai 1946 bis 31. März 1947 war er Sonderbevollmächtigter für Ernährung und Landwirtschaft des Länderrats des amerikanischen Besatzungsgebiets, und vom 24. September 1946 bis zu dessen Auflösung am 21. August 1947 Direktor des Verwaltungsamts für Ernährung und Landwirtschaft des amerikanischen und britischen Besatzungsgebiets; sein Stellvertreter dort war Hans Schlange-Schöningen. Dem Nachfolgeamt, der Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Vereinigten Wirtschaftsgebiets (dem Vorgänger des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) gehörte er nicht mehr an.
Walter Döring (* 15. März 1954 in Stuttgart): 1980 wurde er Mitglied der FDP. seit 1983 gehörte er dem FDP-Landesvorstand Baden-Württemberg an, war 1985 bis 1988 Landesvorsitzender und wurde 1995 erneut in dieses Amt gewählt. 1996 erreichte er mit den Südwest-Liberalen 9,6 Prozent der Wählerstimmen. In seinem eigenen Wahlkreis kam er sogar auf 19,7 Prozent. Von 1985 bis 1988 und von 1995 bis 2004 war er Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Er trat zum 1. Juli 2004 vom Amt des Landes- und des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Liberalen zurück. 1988 bis 2006 war er Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, darunter von 1988 bis 1996 als Vorsitzender der FDP/DVP-Landtagsfraktion. Ab 1996 war er Wirtschaftsminister Baden-Württembergs (Kabinett Teufel III und Kabinett Teufel IV) in einer Koalitionsregierung von CDU und FDP/DVP. Am 18. Juni 2004 gab er aufgrund einer umstrittenen Spende des PR-Unternehmers Moritz Hunzinger seinen Rücktritt von allen seinen Ämtern zum 1. Juli 2004 bekannt. Dörings FDP-Kreisverband hatte von Hunzinger 1999 eine 10.000-DM-Spende erhalten. Die Spende stimmte genau mit der Summe überein, für die der Wirtschaftsminister eine Umfrage bei einem zur Hunzinger-Gruppe gehörenden Umfrageinstitut in Auftrag gegeben hatte. Aus formalen Gründen mußte Döring bis zum 14. Juli 2004 als Wirtschaftsminister im Amt bleiben, bis sein Amtsnachfolger vereidigt war. Dörings Nachfolgerin als Vorsitzende des FDP-Landesverbands Baden-Württemberg wurde Birgit Homburger. Bereits im April 2004 war Dörings Immunität als Landtagsabgeordneter und auch als Mitglied der Bundesversammlung aufgehoben worden. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelte gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Nach Angaben der früheren Büroleiterin Dörings, Margot Haussmann soll die Abfallfirma FlowWaste, eine Tochtergesellschaft der FlowTex aus Ettlingen, eine Parteispende über ebenfalls 10.000 Deutsche Mark zugunsten des Wirtschaftsministers nicht über die Parteikasse geleitet haben. Da die Justizministerin und Parteikollegin Corinna Werwigk-Hertneck Döring von Einzelheiten über das Ermittlungsverfahren informiert haben soll, wurde auch gegen sie ermittelt. Sie trat am 22. Juli 2004 ebenfalls von ihren Ämtern zurück, bestritt aber den Vorwurf. Döring kündigte 2005 seinen Ausstieg aus der Politik an. Im November 2012 erklärte er, sich für die Spitzenkandidatur der baden-württembergischen FDP für die Bundestagswahl 2013 bewerben zu wollen, weil die Lage seiner Partei ihn fast innerlich zerreiße. Während des Nominierungsparteitags zog Döring seine Kandidatur allerdings zurück und Dirk Niebel wurde (anstelle der Landesvorsitzenden Homburger) zum Spitzenkandidaten gewählt.
Wolfram Dorn (* 18. Juli 1924 in Altena; † 17. Juni 2014 in Halver): Er trat 1948 der FDP bei. Ab 1949 war er zunächst Verwaltungsangestellter und dann Geschäftsführer bei der FDP. 1953/54 und 1960 bis 1962 war er Mitglied im Landesvorstand der FDP in Nordrhein-Westfalen. 1970 wurde er für eine Amtsperiode (bis 1972) zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der FDP in NRW gewählt. 1970 bis 1972 war er Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Von 1954 bis 1961, von 1975 bis 1980 sowie von 1985 bis 1995 gehörte er dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an. Von 1961 bis 1972 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1962 bis 1968 Vorsitzender des FDP-Fraktionsarbeitskreises Innenpolitik und von 1968 bis 1969 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Dorn ist stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag eingezogen. Von 1953 bis 1955 war Dorn Bürgermeister von Werdohl. Am 22. Oktober 1969 wurde Dorn als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern in die von Bundeskanzler Willy Brandt geführte Bundesregierung berufen. Im Sommer 1972 geriet Dorn wegen eines Beratervertrages mit dem Heinrich Bauer Verlag durch eine Veröffentlichung im Magazin "Der Spiegel" in öffentliche Kritik und trat deshalb am 31. August 1972 von seinem Amt zurück. 1974 stellte sich jedoch nach Abschluß mehrerer Zivilprozesse und einem eingestellten Ermittlungsverfahren seine Schuldlosigkeit heraus. Von 1973 bis 1977 war er Verlagsleiter der Zeitschrift "liberal".
Sky du Mont (eigentl. Marco Claudio Cayetano Neven du Mont; * 20. Mai 1947 in Buenos Aires, Argentinien): Er war seit 2009 Mitglied der FDP und engagierte sich in Wahlkämpfen für Hinnerk Fock und Guido Westerwelle. Im Wahlkampf zur Bürgerschaftswahl in Hamburg 2008 spielte er in einem Wahlwerbespot der Partei. Anfang 2018 trat er aus der Partei aus. Als Grund dafür nannte er den Abbruch der Sondierungen für eine Regierungskoalition mit CDU und Grünen nach der Bundestagswahl 2017 durch die Partei.
Norbert Eimer (* 19. März 1940 in Trautenau; † 3. Februar 2021): Bereits 1962 wurde er Mitglied der Deutschen Jungdemokraten und 1970 schließlich der FDP. Er gehörte der Programmkommission für die Freiburger Thesen zur Gesellschaftspolitik an. Außerdem war er von 1977 bis 1991 Mitglied im bayerischen FDP-Landesvorstand. Eimer zog bei der Bundestagswahl 1976 über die FDP-Landesliste in Bayern in den Deutschen Bundestag ein und gehörte diesem durchgängig bis 1994 an. Bis 1987 war er Mitglied im Ausschuß für Jugend, Familie und Gesundheit. Von 1987 bis 1990 war er im Ausschuß für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und in den letzten vier Jahren seiner Abgeordnetenlaufbahn im Ausschuß für Familie und Senioren tätig. Bis April 1978 war er stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für innerdeutsche Beziehungen und von April 1978 bis Juni 1979 des Haushaltsausschusses. Danach war er noch bis Oktober 1992 stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Sozialordnung. Eimer gehörte von 1985 bis 1990 dem Beirat der Friedrich-Naumann-Stiftung an.
Hans Arnold Engelhard (* 16. September 1934 in München; † 11. März 2008 ebenda): Seit 1954 war er Mitglied der FDP. Von 1970 bis 1982 war er Kreisvorsitzender der FDP in München. Er gehörte außerdem dem Landesvorstand der FDP in Bayern sowie dem FDP-Bundesvorstand an. Von 1970 bis 1972 war Engelhard Mitglied des Stadtrats der bayerischen Landeshauptstadt und hier Vorsitzender der FDP-Fraktion. Bei der Kommunalwahl im Juni 1972 kandidierte er erfolglos für das Amt des Oberbürgermeisters. Fünf Monate später zog Engelhard bei der Bundestagswahl über die Landesliste Bayern in den Deutschen Bundestag ein, dessen Mitglied er bis 1994 blieb. Von 1977 bis 1982 war er hier stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Nach dem Regierungswechsel 1982 wurde Engelhard am 4. Oktober 1982 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte schwarz-gelbe Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 1990 schied er am 18. Januar 1991 freiwillig aus der Bundesregierung aus. Er war somit der Bundesjustizminister mit der bisher längsten Amtszeit.
Jörg van Essen (* 29. September 1947 in Burscheid): Er ist seit 1980 Mitglied der FDP. 1982 übernahm er den Vorsitz im Landesfachausschuß für Außen-, Sicherheits- und Europapolitik der FDP Nordrhein-Westfalen. Von 1990 bis 2013 war van Essen Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war er ab 1994 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion. Er war Mitglied des Rechtsausschusses sowie des Ältestenrats und des Vermittlungsausschusses. Er war von 1992 bis 2010 Mitglied des Landesvorstands der FDP NRW. Van Essen ist seit 1994 kooptiertes Mitglied im Bundespräsidium und im Bundesvorstand der FDP. Von 1994 bis 1998 und erneut von 2009 bis 2013 gehörte er dem Koalitionsausschuß der führenden Vertreter der Regierungsparteien CDU, FDP und CSU an. Jörg van Essen ist stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen. Im August 2012 gab van Essen bekannt, auf eine Kandidatur für die Bundestagswahl 2013 zu verzichten, um "jüngeren Kollegen die Chance auf eine politische Karriere zu ermöglichen". Am 17. Oktober 2013 wurde er zusammen mit Otto Fricke und Stefan Ruppert zu einem der drei gleichberechtigten Liquidatoren der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Seine politischen Schwerpunkte sind die innere und äußere Sicherheit und in der Rechtspolitik der Opferschutz.
Olaf Feldmann (* 9. Mai 1937 in Elbing): 1972 trat er in die FDP ein. Von 1981 bis 1990 war er Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er war von 1985 bis 1997 Mitglied im Landesvorstand Baden-Württemberg und von 1990 bis 1995 im Bundesvorstand. Am 29. Januar 1981 trat Feldmann in den Deutschen Bundestag ein, in dem er bis 1998 als Abgeordneter saß. Er war dabei Fremdenverkehrs- und abrüstungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion sowie stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses.
Georg Ludwig Fertsch (* 12. Juni 1890 in Friedberg (Hessen); † 31. Oktober 1948 in Frankfurt am Main): Er organisierte Liberalgesinnte aus ehemaligen Anhängern der DVP und DDP. Der Frankfurter Kreisverband der künftigen FDP wurde Anfang September 1945 als "Liberal Demokratische Partei" gegründet und bestimmte Fertsch zu seinem Vorsitzenden. Am 28. September 1945 erfolgte die Zulassung der Militärregierung. Am 11. Januar 1946 wurde die FDP in Hessen unter dem Namen LDP "Liberaldemokratische Partei - Landesverband-Großhessen" von den amerikanischen Militärbehörden zugelassen. Vorangegangen war eine Gründungsversammlung am 29. Dezember 1945 in Frankfurt am Main. Vertreter der liberalen Kreisverbände wählten auf dieser Versammlung Fertsch zum ersten Landesvorsitzender der Hessischen LDP (FDP). Am 1. Juni 1946 bestimmte der Landesparteitag, ihn zwar als Parteivorsitzenden zu bestätigen, aber August-Martin Euler zu beauftragen, den Landesverband nach außen zu vertreten. So entmachtet, trat Fertsch am 21. Juni 1946 zurück. Vom 26. Februar bis 14. Juli 1946 war er Mitglied des beratenden Landesausschusses des Landes Groß-Hessen.
Ulrike Flach geb. Franzen (* 1. Januar 1951 in Oberhausen): Seit 1975 ist sie Mitglied der FDP. Von 1995 bis 2005 stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Nordrhein-Westfalen. Sie gehörte 1997 bis 2005 dem FDP-Bundesvorstand an. 2006 wurde sie erneut in den Landesvorstand der FDP NRW gewählt. Sie war außerdem von 2006 bis 2010 stellvertretende Landesvorsitzende der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker (VLK) NRW. Von 1998 bis 2013 war Flach Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war sie seit Juni 2000 Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Das Amt als Ausschußvorsitzende legte sie nach Kritik wegen Zahlungen der Siemens AG in Höhe von 60.000 Euro im Jahr, für die sie nebenher weiter als Übersetzerin gearbeitet hatte, am 24. Januar 2005 nieder. Ihre Nachfolgerin wurde Cornelia Pieper. Von 2005 bis 2009 war Flach Obfrau der FDP-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuß und Technologiepolitische Sprecherin der Fraktion. Nach der Bundestagswahl 2009 war sie bis zum Wechsel in die Regierung im Jahre 2011 Mitglied des Haushalts- und Gesundheitsausschusses, gesundheitspolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion. Vom 12. Mai 2011 bis 17. Dezember 2013 war Flach Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit. Sie folgte auf Daniel Bahr, der zum Bundesgesundheitsminister ernannt wurde. Flach zog über die FDP-Landesliste von Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag ein. Zur Bundestagswahl 2013 trat Flach nicht wieder an.
Hans Friderichs (* 16. Oktober 1931 in Wittlich): Seit 1956 ist er Mitglied der FDP. Von 1963 bis 1964 war er Stellvertretender Bundesgeschäftsführer. Von 1964 bis 1969 war er Bundesgeschäftsführer der FDP. Von 1974 bis 1977 amtierte er als Stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP. Von 1965 bis 1969 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Am 13. Dezember 1972 wurde er aufgrund der Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Wahlprüfungsgerichts Rheinland-Pfalz Abgeordneter des Rheinland-Pfälzischen Landtags. Das Bundesverfassungsgericht hatte das Landeswahlgesetz teilweise für verfassungswidrig erklärt. Sein Landtagsmandat legte er aber bereits am 9. Januar 1973 nieder. Bei der Bundestagswahl 1976 wurde er erneut in den Bundestag gewählt, dem er bis zu seiner Mandatsniederlegung am 8. November 1977 angehörte. 1969 wurde Friderichs vom damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, Helmut Kohl, zum Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz ernannt und behielt als Vertreter der FDP dieses Amt auch nach dem Ausscheiden der FDP aus der damaligen CDU/FDP Koalition des rheinland-pfälzischen Landtags noch inne, nachdem die CDU bei den Landtagswahlen im Frühjahr 1971 die absolute Mehrheit gewonnen hatte und die Regierung alleine stellte. Nach der Bundestagswahl 1972 wurde er am 15. Dezember 1972 im zweiten Kabinett von Bundeskanzler Willy Brandt zum Bundesminister für Wirtschaft ernannt. Dieses Amt behielt er auch unter dem seit 1974 amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt. Am 7. Oktober 1977 gab Friderichs überraschend sein Amt auf und wechselte in den Vorstand der Dresdner Bank.
Lotte Friese-Korn (* 1. September 1899 in Halle (Saale); † 14. Oktober 1963 in Weidenau): Sie trat 1946 der FDP bei. Bereits seit 1947 war sie für knapp zwölf Jahre Mitglied des Landesvorstands der nordrhein-westfälischen FDP, 1948/49 auch des Bundesvorstands. Sie war Vorsitzende des Landesfrauenausschusses und stellvertretende Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses der FDP. Sie war von 1947 bis 1954 Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen. Friese-Korn gehörte dem Deutschen Bundestag von 1953 bis 1961 an. Sie hatte bei der Bundestagswahl am 6. September 1953 im Wahlkreis 82 Rheydt-Mönchengladbach-Viersen kandidiert und zog über die Landesliste in den Bundestag ein. Von 1957 bis 1961 war sie Vorsitzende des Arbeitskreises III "Arbeit und Sozialpolitik" der FDP-Bundestagsfraktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie Vorstandsmitglied des Landesvorstands Westfalen-Lippe des DRK und des Jugendherbergswerks.
Liselotte Funcke (* 20. Juli 1918 in Hagen, Westfalen; † 1. August 2012 ebenda): Sie trat 1946 in die FDP ein, ein Jahr später wurde sie Mitglied im Landesvorstand der Partei, 1964 Mitglied des Bundesvorstands und 1968 des Präsidiums. In den Jahren 1948 bis 1968 leitete sie zudem den Landesfrauenausschuß der nordrhein-westfälischen FDP. In der Zeit von 1977 bis 1983 war Funcke stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen. Um 1950 gehörte sie zur Führungsgruppe der Jungdemokraten in Nordrhein-Westfalen um Willi Weyer und Walter Scheel. Im Zeitraum von 1950 bis 1961 saß sie im nordrhein-westfälischen Landtag, 1961 wurde sie in den Deutschen Bundestag gewählt, dessen Vizepräsidentin sie von 1969 bis 1979 war. Von 1972 bis 1979 war sie Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestages, nachdem sie von 1965 bis 1969 bereits dessen stellvertretende Vorsitzende war. Am 19. November 1979 wurde sie als erste Frau als Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr in die von Ministerpräsident Johannes Rau geführte Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen berufen. Nachdem die FDP bei der Landtagswahl 1980 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, schied sie am 4. Juni 1980 aus dem Kabinett aus. Von 1981 bis zum 15. Juli 1991 war sie (die erste weibliche) Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. Aufgrund ihres Engagements für die in Deutschland lebenden Türken wurde sie als "Engel der Türken" bezeichnet. Ihren Rücktritt begründete sie in einem Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl damit, daß sie "kaum je Kontakt zur Bundesregierung und ihren Entscheidungen" gehabt habe. Von 1970 bis 1993 gehörte sie dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung an.
Maximilian Ludwig Funke genannt Kaiser (kurz Maximilian Funke-Kaiser, * 17. August 1993 in Augsburg): Er trat im Jahr 2013 den Jungen Liberalen sowie der FDP bei. Von 2017 bis 2021 führte er die Jungen Liberalen Bayern als deren Landesvorsitzender an. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er im Bundestagswahlkreis Augsburg-Stadt und auf Platz 16 der Landesliste Bayern, verpaßte aber mit 6,10 Prozent der Erststimmen den Einzug in den Bundestag. Beim 75. Landesparteitag der FDP Bayern in Amberg wurde er 2017 erstmals in den Landesvorstand der FDP Bayern gewählt. Seit dem 84. Landesparteitag der FDP Bayern am 11. und 12. November 2023 ist Funke-Kaiser Mitglied im Präsidium der Landespartei. Im Herbst 2020 wurde er mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten der Jungen Liberalen Bayern für die Bundestagswahl 2021 gewählt. Im April 2021 wurde er von der Landesvertreterversammlung der FDP Bayern auf Platz elf der Landesliste der Partei für die Bundestagswahl 2021 gewählt. Über die bayerische Landesliste gelang ihm bei der Bundestagswahl 2021 der Einzug in den 20. Deutschen Bundestag. Um laut seinen Angaben zufolge "die Trennung von Amt und Mandat" zu bewahren, verzichtete er nach seinem Einzug in den Deutschen Bundestag auf eine erneute Kandidatur für den Landesvorsitz der Jungen Liberalen. Funke-Kaiser ist ordentliches Mitglied des Digitalausschusses sowie des Gesundheitsausschusses. Innerhalb der FDP-Fraktion fungiert er als digitalpolitischer Sprecher und ist zudem Berichterstatter für das Thema E-Health. Mitte 2022 wurde Funke-Kaiser zusätzlich als ordentliches Mitglied für den Ausschuß für Bildung, Forschung und Technologie benannt und gehört dem Gesundheitsausschuß nunmehr als stellvertretendes Mitglied an. Funke-Kaiser gilt als Verfechter der kompletten Liberalisierung von Ladenöffnungszeiten und fordert "die komplette Freigabe der Öffnungszeiten an sieben Tagen die Woche". In seiner Zeit als Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Bayern hielt diese Forderung in das Landtagswahlprogramm der FDP zur bayerischen Landtagswahl 2018 Einzug. Bei der Bundestagswahl 2021 forderte er zudem "eine Wirtschaftspolitik 2.0. Mit einem neuen Gründergeist, mit steuerlichen Freiheiten für alle, mit Entbürokratisierung durch eine digitale Verwaltung". Darüber hinaus setzte er sich im Wahlkampf für die Digitalisierung und den Bürokratieabbau ein. Funke-Kaiser lehnt ein "Grundrecht auf einen analogen Zugang zu jeglichen Leistungen des Lebens", also einen verpflichtenden internetfreien Zugang zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens, ab. Funke-Kaiser ist Mitglied im LOAD e.V. - Verein für liberale Netzpolitik.
Heinrich "Heiner" Garg (* 9. Februar 1966 in Freiburg im Breisgau): Er trat 1990 in die FDP ein und seit 1996 gehörte er dem Vorstand des Kieler Kreisverbands an, als dessen stellvertretender Vorsitzender er 1999 gewählt wurde. 1995 wurde er wissenschaftlicher Assistent der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein und war dort tätig, bis er 2000 erstmals selbst als Abgeordneter in den Landtag einzog. Von 2001 bis 2010 hatte er den Vorsitz des Kreisverbands inne. Von 2011 bis 2022 war er Landesvorsitzender seiner Partei in Schleswig-Holstein. Garg ist seit der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2000 Abgeordneter im Schleswig-Holsteinischen Landtag und zog seitdem stets über die Landesliste der FDP in das Parlament ein. Zudem kandidierte er im Landtagswahlkreis Kiel-Nord, wo er 2012 4,2 Prozent, 2017 6,7 Prozent und 2022 7,3 Prozent der Erststimmen erreichte, nachdem bei der Landtagswahl 2009 im Landtagswahlkreis Kiel-Ost noch 8,7 Prozent der Erststimmen auf sich vereinigen konnte. Zunächst war er Mitglied im Sozialausschuß und von Januar 2003 bis Oktober 2009 auch Mitglied des Finanzausschusses und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Nach der Landtagswahl 2005 konnte er seine Arbeit im Sozialausschuß fortsetzen und bekam zusätzlich einen Sitz im Wirtschaftsausschuß. Mit der Bildung einer CDU/FDP-Koalition in Folge der Landtagswahl 2009 wurde er am 27. Oktober 2009 von Ministerpräsident Carstensen zum Landesminister für Arbeit, Soziales und Gesundheit sowie zum stellvertretenden Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins berufen. Mit dem Antritt der Regierung Albig nach der Landtagswahl am 12. Juni 2012 bekleidete er das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der FDP-Landtagsfraktion. Garg wurde Mitglied im Finanzausschuß und 2013 auch Mitglied im Sonderausschuß "Verfassungsreform". Nach Bildung einer Jamaika-Koalition von CDU, FDP und Grünen im Nachgang der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2017 wurde er am 28. Juni 2017 zum zweiten stellvertretenden Ministerpräsidenten und erneut zum Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren berufen und war Teil der Landesregierung Günther I. Nach der Bildung des Kabinetts Günther II schied er am 29. Juni 2022 wieder aus diesen Ämtern aus.
Hans-Hermann Gattermann (* 24. Dezember 1931 in Dortmund; † 27. Januar 1994 ebenda): Er trat 1967 in die FDP ein und war später Schatzmeister des FDP-Landesverbands Nordrhein-Westfalen. Bei der Bundestagswahl 1976 wurde er über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Hier war er seit 1983 Vorsitzender des Finanzausschusses. 1990 war er maßgeblich an der Ausarbeitung der Steuerreform beteiligt.
Hans-Dietrich Genscher (* 21. März 1927 in Reideburg, Saalkreis; † 31. März 2016 in Wachtberg-Pech, Rhein-Sieg-Kreis): Er war von 1946 bis 1952 Mitglied im Landesverband Sachsen-Anhalt der LDP. Er war Mitbegründer der FDJ in Leipzig. Seit seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik war er Mitglied der FDP. 1954 wurde er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungdemokraten in Bremen gewählt. Von 1956 bis 1959 war er wissenschaftlicher Assistent der FDP-Bundestagsfraktion in Bonn. Von 1959 bis 1965 war er FDP-Fraktionsgeschäftsführer, von 1962 bis 1964 gleichzeitig auch Bundesgeschäftsführer der FDP. Genscher war von 1965 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages für den Bundestagswahlkreis Wuppertal I. Er zog stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag ein. Von 1965 bis zu seinem Eintritt in die Regierung Brandt 1969 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion. Hans-Dietrich Genscher war Mitglied der Bundesregierungen unter den Kanzlern Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl. 1968 wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Nach der Bundestagswahl 1969 war Genscher maßgeblich an der Bildung der sozialliberalen Koalition beteiligt und wurde am 22. Oktober 1969 als Bundesinnenminister in die von Bundeskanzler Willy Brandt geführte Bundesregierung berufen. In seine Amtszeit fiel die Geiselnahme israelischer Sportler 1972 während der Olympischen Spiele in München. Genscher stellte sich als Austauschgeisel zur Verfügung, dies wurde von den palästinensischen Geiselnehmern jedoch abgelehnt. Nach dem blutigen Ende der Geiselnahme wies Genscher am 26. September 1972 den Bundesgrenzschutz an, die Anti-Terror-Einheit GSG 9 der Bundespolizei aufzustellen. Als Konsenspolitiker hatte er 1970 die Deutsche Sportkonferenz gegründet, in der wie bei einem Runden Tisch alle Verantwortlichen aus Bund, Ländern und Gemeinden sowie dem Deutschen Sportbund und den Landessportbünden paritätisch zusammenwirkten. 2014 bezeichnete er das Scheitern der Geiselbefreiung als den Tiefpunkt seiner Karriere. In Genschers Amtszeit fallen auch die ersten Anfänge einer Umweltpolitik, die er mit dem Ministerialdirektor im Innenministerium Peter Menke-Glückert auf den Weg brachte. Nach dem Rücktritt von Willy Brandt und der Wahl von Walter Scheel zum Bundespräsidenten wurde Genscher am 16. Mai 1974 als Außenminister und Vizekanzler in die nun von Helmut Schmidt geleitete Bundesregierung berufen. In dieser Funktion beteiligte er sich maßgeblich an den Verhandlungen über den Text der KSZE-Schlussakte in Helsinki. Vom 1. Oktober 1974 bis zum 23. Februar 1985 war er schließlich Bundesvorsitzender der FDP. Im Dezember 1976 akzeptierte die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York den Vorschlag von Genscher über eine Anti-Terrorismus-Konvention, worin unter anderem festgelegt wurde, auf Forderungen von Geiselnehmern unter keinen Umständen einzugehen. Im Zusammenhang mit dem NATO-Doppelbeschluß vermittelten Bundeskanzler Schmidt und Außenminister Genscher in Moskau, danach war die sowjetische Führung bereit, mit den Vereinigten Staaten über Mittelstreckenwaffen (Intermediate Nuclear Forces/INF) zu verhandeln. Nachdem die sozialliberale Koalition bei der Bundestagswahl 1980 erneut bestätigt worden war, wirkte Genscher ab Mitte 1981 auf ein Ende der Koalition zwischen SPD und FDP hin – hierbei vor allem unterstützt durch den Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff. Grund war die Zunahme der Differenzen zwischen den Koalitionspartnern, nach außen hin insbesondere in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Ausschlaggebend soll jedoch die zunehmende Abkehr der SPD vom NATO-Doppelbeschluß gewesen sein. Am 17. September 1982 trat Genscher gemeinsam mit den übrigen FDP-Bundesministern zurück - als Interimslösung folgten ihm vorübergehend Helmut Schmidt (übernahm das Ministeramt) und Egon Franke (als Vizekanzler) nach. Am 1. Oktober 1982 wurde in einem konstruktiven Mißtrauensvotum der bisherige Oppositionsführer Helmut Kohl auch von dem Großteil der FDP-Bundestagsfraktion zum Bundeskanzler gewählt. Am 4. Oktober 1982 kehrte Genscher als Außenminister und Vizekanzler in die Bundesregierung zurück. Von 1984 bis 1985 war er Präsident des NATO-Rates und Präsident des Ministerrates der Westeuropäischen Union. Als Außenminister stand er für eine Ausgleichspolitik zwischen Ost und West und entwickelte Strategien für eine aktive Entspannungspolitik und die Weiterführung des Ost-West-Dialogs mit der UdSSR sowie das Zusammenwachsen der EG. 1985 verzichtete er auf das Amt des Bundesvorsitzenden. Besonders ab 1987 warb Genscher für eine „aktive Entspannungspolitik“ als Antwort des Westens auf die sowjetischen Bemühungen. Er hatte großen Anteil an der europäischen Einigung und am Gelingen der deutschen Wiedervereinigung, über die er 1990 mit seinem Amtskollegen aus der DDR, Markus Meckel verhandelte. Anfänglich stand er den konsequenten Wiedervereinigungsplänen Bundeskanzler Kohls abwartend gegenüber. Im Spätsommer 1989 erreichte er die Ausreiseerlaubnis für diejenigen Bürger der DDR, die in die bundesdeutsche Prager Botschaft geflüchtet waren.[16] Er setzte sich auch für eine wirksame Unterstützung der politischen Reformprozesse vor allem in Polen und in Ungarn ein. Dazu traf er im Rahmen eines Polenbesuchs im Januar 1988 den Vorsitzenden der Solidarność, Lech Wałęsa, dem er Unterstützung der polnischen Opposition bei ihrem Eintreten für demokratische Reformen zusicherte. Die dafür eingesetzten Mittel führten dazu, dass seine und Bundeskanzler Helmut Kohls Politik mitunter auch als Scheckbuchdiplomatie bezeichnet wurde. Genscher beteiligte sich an dem ersten (Bonn), zweiten (Berlin) und dritten (Paris) Außenministertreffen der 2 + 4-Gespräche über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit. Im November 1990 unterzeichnen Genscher und sein polnischer Amtskollege Krzysztof Skubiszewski in Warschau den deutsch-polnischen Grenzvertrag über die Festlegung der Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze. Seine Popularität in seiner Heimatregion um Halle (Saale) und die Hoffnung auf eine gute Entwicklung nach der Wende führten dazu, dass die FDP bei der Bundestagswahl 1990 in Sachsen-Anhalt 17,61 % der Wählerstimmen erhielt und das erste Mal seit 1957 (und das bislang letzte Mal) wieder ein FDP-Kandidat (Uwe Lühr) ein Direktmandat für den Bundestag erringen konnte. Im Juli 1984 besuchte er als erster westeuropäischer Außenminister seit der islamischen Revolution von 1979 die iranische Hauptstadt Teheran. Kritik rief die von Genscher betriebene frühzeitige Anerkennung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien durch die Bundesrepublik Deutschland im Dezember 1991 hervor. Diese war ausschließlich mit Österreich abgestimmt, lief einem EG-Übereinkommen zuwider und bedeutete die erste flagrante Verletzung der Schlußakte der KSZE. Vor eventuellen Anerkennungen in Jugoslawien sollten die Ergebnisse der Badinter-Kommission ausgewertet werden. Genscher wurde vorgeworfen, damit den Zerfall Jugoslawiens maßgeblich gefördert und die Greuel des anschließenden Krieges mit verschuldet zu haben. UN-Generalsekretär Pérez de Cuéllar hatte die deutsche Bundesregierung gewarnt, eine Anerkennung von Slowenien und Kroatien würde zu einer Ausweitung der Aggressionen im bisherigen Jugoslawien führen. Am 18. Mai 1992, einige Wochen nach seinem 65. Geburtstag, schied Genscher auf eigenen Wunsch aus der Bundesregierung aus, der er insgesamt 23 Jahre angehört hatte. Damals war er mit Abstand Europas dienstältester Außenminister. Seine Entscheidung hatte er am 27. April 1992 bekannt gegeben, auf den Tag genau nach 18 Jahren als Außenminister. Von 1968 bis 1982 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Von 2001 bis 2003 war Hans-Dietrich Genscher Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Er war Ehrenpräsident der Europäischen Bewegung Deutschland, deren Präsident er von 1992 bis 1994 war sowie Ehrenbürger der Stadt Halle, in die sein Geburtsort Reideburg 1950 (gehörte zum Saalkreis) eingemeindet wurde und in der er seine Ausbildung erhielt. Im Jahr 2001 vermittelte er als Schlichter im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Lufthansa AG und der Vereinigung Cockpit e. V. Genscher war Mitglied im Kuratorium der Initiative A Soul for Europe der Stiftung Zukunft Berlin. Im Jahr 2013 nahm Genscher eine wesentliche Vermittlerrolle bei der Freilassung des russischen Regierungskritikers Michail Chodorkowski ein. Er war Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen sowie Mitglied bei der Initiative Global Zero. Zudem war er Ehrenvorsitzender des Kuratoriums des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums. Laut dem Journalisten Johannes Bockenheimer vermittelten Agenturen Genscher als Redner zu Preisen von 22.000 bis 24.000 Euro, zum Beispiel bei Sparkassen. Genscher starb am 31. März 2016 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Wachtberg-Pech an Herz-Kreislauf-Versagen. Am 17. April 2016 wurde er mit einem Staatsakt im ehemaligen Plenarsaal des Bonner Bundestages, jetzt Bestandteil des World Conference Centers Bonn, geehrt. Nach einem Trauergottesdienst in der Gnadenkirche zu Pech fand die Beisetzung auf dem Rheinhöhenfriedhof in Wachtberg-Ließem statt.
Wolfgang Gerhardt (* 31. Dezember 1943 in Helpershain; † 13. September 2024 in Wiesbaden): Er war seit 1965 Mitglied der FDP. Zunächst engagierte er sich hochschul- und jugendpolitisch, unter anderem war er 1967/68 Landesvorsitzender des Liberalen Studentenbund Deutschlands und stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Jungdemokraten in Hessen. Von 1982 bis 1995 war er Landesvorsitzender der FDP Hessen. Ab 1982 war er Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Im Jahr 1985 wurde er zunächst Stellvertretender Vorsitzender, im Jahr 1995 dann als Nachfolger des damaligen Außenministers Klaus Kinkel Bundesvorsitzender der FDP. Dieses Amt behielt er bis zum Mai 2001, als er es nach innerparteilicher Kritik an den bisherigen Generalsekretär Guido Westerwelle abgab. Anschließend war Gerhardt von 2002 bis 2012 Stellvertretender Präsident der Liberalen Internationale. Im Februar 2000 kam es zu einem schwerwiegenden Konflikt zwischen Gerhardt und der Vorsitzenden der hessischen FDP, Ruth Wagner. Gerhardt wollte, daß die FDP wegen des Verhaltens von Roland Koch im Rahmen der Spendenaffäre der hessischen CDU aus der Koalition (Kabinett Koch I) aussteigt, Wagner wollte die Koalition fortsetzen und wurde vom Landesvorstand der hessischen FDP auch in dieser Meinung bestätigt. Für den Fall einer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl 2005 war Gerhardt für das Amt des Bundesaußenministers vorgesehen. Im Juni 2010 wurde Gerhardt zum Mitglied der Programmkommission gewählt, die bis zum Jahr 2013 ein neues FDP-Programm erarbeiten sollte. Gerhardt war von 1978 bis 1982, von 1983 bis 1987 sowie von 1991 bis 1994 Mitglied des Hessischen Landtags. Hier war er von 1983 bis 1987 und von 1991 bis 1994 Vorsitzender der Landtagsfraktion. Von 1994 bis 2013 war Gerhardt Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach der Bundestagswahl 1998 wurde er am 5. Oktober 1998 als Nachfolger von Hermann Otto Solms zum Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Als solcher übernahm Gerhardt mit Antritt der Regierung Merkel am 22. November 2005 den Posten des Oppositionsführers. Am 1. Mai 2006 gab er den Fraktionsvorsitz an den Parteivorsitzenden Guido Westerwelle ab. Gerhardt zog stets über die Landesliste Hessen in den Deutschen Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er nicht mehr. Am 24. April 1987 wurde Gerhardt Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst, Bevollmächtigter des Landes Hessen beim Bund und zugleich Stellvertreter des Ministerpräsidenten Walter Wallmann. Nachdem die CDU-FDP-Koalition bei der Landtagswahl 1991 ihre Mehrheit eingebüßt hatte, schied er am 5. April 1991 aus der Regierung aus.
Manfred Gerlach (* 8. Mai 1928 in Leipzig; † 17. Oktober 2011 in Berlin): 1945 trat er der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands bei. Von 1947 bis 1952 war er Mitglied des Beirats für Jugendfragen beim Zentralverband der LDPD. Gerlach war von 1951 bis 1953 stellvertretender Vorsitzender und von 1954 bis 1967 Generalsekretär der Partei. 1946 war er Mitbegründer der FDJ in Leipzig. 1949 bis 1959 war er Mitglied im Zentralrat der FDJ. 1949 wurde er auch Mitglied der Volkskammer. Am 19. April 1950 wurde er von den Leipziger Stadtverordneten mit 54 gegen 13 bei 6 Enthaltungen zum Bürgermeister von Leipzig gewählt. Er selbst erinnerte sich später, dass er dabei zwar alle Stimmen der SED-Vertreter, aber nicht alle Stimmen der LDPD-Verordneten erhielt. Von 1952 bis 1954 war Gerlach stellvertretender Oberbürgermeister von Leipzig und stellvertretender Vorsitzender des Stadtrates. Gerlach war von 1960 bis 1989 einer der Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden und stellvertretender Vorsitzender des Volkskammerausschusses für Nationale Verteidigung. Von 1967 bis 1990 war er (als Nachfolger von Max Suhrbier) Vorsitzender der LDPD. Als solcher gehörte er auch dem Präsidium des Nationalrats der Nationalen Front an. Am 20. September 1989 stellte Gerlach als erster führender Politiker der DDR die Vormachtstellung der SED in Frage und forderte Reformen. Bei der Wahl eines neuen Präsidenten der Volkskammer unterlag er am 13. November 1989 Günther Maleuda, da dieser die Unterstützung der SED-Abgeordneten erhielt. Vom 6. Dezember 1989 bis zum 5. April 1990 war er als Nachfolger von Egon Krenz Vorsitzender des Staatsrats. Nach den ersten freien Wahlen im März 1990 wurde der Staatsrat abgeschafft. Weiter im Jahr 1990 wurde er Mitglied des Bunds Freier Demokraten, danach der FDP. Nach der Einleitung eines Parteiausschlußverfahrens 1992 wegen des Vorwurfes, Leipziger LDPD-Mitglieder bei den sowjetischen Militärbehörden denunziert zu haben, trat Gerlach am 23. November 1993 aus der FDP aus. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft beim Berliner Kammergericht gegen Gerlach wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung mit Todesfolge wurden eingestellt. Im Jahr 2000 erklärte das Landgericht Leipzig ihn für nicht verhandlungsfähig. Zwei Jahre später fand vor dem Landgericht Leipzig ein Verfahren statt, in dem Gerlach beschuldigt wurde, die Gruppe um Werner Ihmels und weitere Personen beim NKWD denunziert zu haben. Das Verfahren wurde wegen Verjährung eingestellt.
Christopher Gohl (* 23. Mai 1974 in Stuttgart): Er trat 1990 in die FDP sowie die Junge Liberale ein. Von 2011 bis 2012 war er Leiter der neu entstandenen Abteilung Politische Planung, Programm und Analyse im Thomas-Dehler-Haus, der Bundesgeschäftsstelle der FDP. Hier koordinierte er vor allem die Entstehung der Karlsruher Freiheitsthesen, des aktuellen Grundsatzprogramms der Partei. 2014 übernahm er den neuen Posten des Ombudsmitglied der FDP, dessen Aufgabe die Prüfung der Behandlung, Umsetzung und Ausführung der Anträge und Beschlüsse der Bundesparteitage durch den Bundesvorstand ist. Seit 2019 leitet Gohl die Kommission Freiheit und Ethik für den FDP-Bundesvorstand. Er war an der Ausarbeitung verschiedener Programme der ALDE-Partei sowie der Liberalen Internationalen beteiligt. Zu den Bundestagswahlen 2013 und 2017 kandidierte er jeweils im Wahlkreis Tübingen und erhielt 2,3 Prozent (2013) beziehungsweise 7,9 Prozent (2017) der Erststimmen. Als 13. der Landesliste Baden-Württemberg verpaßte Gohl 2017 zunächst den Einzug, rückte jedoch am 1. Mai 2021 für den in den Landtag von Baden-Württemberg gewählten Christian Jung in den Deutschen Bundestag nach. Christopher Gohl war ordentliches Mitglied im Ausschuß für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, im Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und im Unterausschuß Bürgerschaftliches Engagement. Nach der Bundestagswahl 2021 schied er aus dem Parlament aus. Er ist Mitglied der liberalen Tübinger Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia, des Kuratoriums der Theodor-Heuss-Stiftung sowie des Verwaltungsrats der Reinhold-Maier-Stiftung.
Maria-Elisabeth Grosse (* 28. Juni 1955): Sie trat in die FDP ein und wurde 1990 in den Thüringer Landtag gewählt, dem sie bis 1994 angehörte. Bei der Kommunalwahl 2004 scheiterte ihr Einzug in den Stadtrat an der Fünf-Prozent-Hürde, woraufhin sie gegen diese Klage erhob. Auf ihre Klage hin wurde am 11. April 2008 die Fünf-Prozent-Sperrklausel bei Kommunalwahlen vom Thüringer Verfassungsgerichtshof für rechtswidrig erklärt. Als Reaktion auf die Wahl Thomas Kemmerichs zum Thüringer Ministerpräsidenten trat sie am 6. Februar 2020 aus der FDP aus.
Josef Grünbeck (* 17. September 1925 in Haan bei Dux, Tschechoslowakei; † 15. Oktober 2012): Er war von 1976 bis 1984 Vorsitzender der FDP Schwaben. 1989 wurde er als Nachfolger von Manfred Brunner Vorsitzender der FDP Bayern und übergab 1991 sein Amt an Max Stadler. Von 1988 bis 1991 war er Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Grünbeck war von 1966 bis 1987 Stadtrat in Höchstädt, 1978 bis 1982 sowie 1990/91 Mitglied des Bayerischen Landtags und hier 1990/91 Vorsitzender der FDP-Fraktion. Von 1983 bis 1994 war er Mitglied des Bundestages. Nach einem schweren Autounfall 1995 musste er seine politische Tätigkeit beenden und wurde pflegebedürftig.
Martin Grüner (* 19. Juli 1929 in Stuttgart; † 4. Februar 2018 in Bonn): Seit 1950 war er Mitglied der FDP; während der Studentenzeit in Tübingen leitete er die Liberale Hochschulgruppe. Von 1963 bis 1967 und von 1969 bis 1988 gehörte er dem FDP-Landesvorstand in Baden-Württemberg an. Mitglied des FDP-Bundesvorstands war er von 1976 bis 1990. Er war von 1969 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages und dort von 1969 bis 1972 bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Außerdem war er Mitglied im sozialpolitischen Ausschuß und im Haushaltsausschuß des Bundestages. Am 15. Dezember 1972 wurde Grüner als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft in die von Bundeskanzler Willy Brandt geführte Bundesregierung berufen. In diesem Amt gehörte er auch den Kabinetten von Helmut Schmidt an, bis er nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition am 17. September 1982 zunächst aus dem Amt ausschied. Nach der Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler wurde Grüner schon am 4. Oktober 1982 erneut zum Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft ernannt. Von 1974 bis 1987 war er auch Koordinator der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt. Nach der Bundestagswahl 1987 wechselte er am 12. März 1987 in gleicher Funktion zum Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Nach der Bundestagswahl 1990 schied er dann am 18. Januar 1991 aus dem Amt, blieb aber bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im 12. Deutschen Bundestag (1990 bis 1994) war Grüner Mitglied des Finanzausschusses und Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Finanzen und Steuern" der FDP-Fraktion sowie Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. In seiner Tätigkeit als Mitglied der Enquetekommission "Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre" des Deutschen Bundestages sah Grüner einen Schwerpunkt seiner parlamentarischen Arbeit in der 12. Legislaturperiode. Grüner ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg der FDP in den Bundestag eingezogen.
Alexander Nicolai Hahn (* 11. Juni 1987 in Salem): Er ist seit 2007 Mitglied der Jungen Liberalen und der FDP. Er engagierte sich zunächst kommunal in Überlingen, wo er bei den Kommunalwahlen 2009 den Einzug in den Stadtrat als erster Nachrücker knapp verfehlte. Von 2008 bis 2009 war er stellvertretender Ortsvorsitzender der FDP und gründete 2009 eine Ortsgruppe der Jungen Liberalen. Von 2008 bis 2011 war Hahn Mitglied des Landesvorstands der Jungen Liberalen Baden-Württemberg, zwischen 2009 und 2012 stellvertretender Landesvorsitzender für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Funktion vertrat er von 2010 bis 2012 auch die Interessen der JuLis Baden-Württemberg im FDP-Landesvorstand. 2011 wurde Hahn als Beisitzer in den Bundesvorstand der Jungen Liberalen gewählt und war von 2012 bis 2013 stellvertretender Bundesvorsitzender für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Von 2. November 2013 bis 14. März 2014 stand er als Nachfolger von Lasse Becker dem FDP-Jugendverband als Bundesvorsitzender vor. Im März 2014 erklärte Hahn, nicht wieder für den Posten des Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen kandidieren zu wollen. Besondere Medienaufmerksamkeit erhielt er mit der "APO 2.0"-Aktion der Jungen Liberalen im Januar 2014, nachdem die FDP 2013 aus dem Bundestag ausgeschieden war. Auch als Beisitzer im FDP-Bundesvorstand wurde er regelmäßig in den Medien zitiert.
Svenja Ilona Hahn (* 25. Juli 1989 in Hamburg): Sie ist seit 2010 Mitglied der FDP. Seit 2016 gehört sie dem Landesvorstand der FDP Hamburg als Beisitzerin an. Von 2016 bis 2018 war sie Vizepräsidentin, von 2018 bis 2020 Präsidentin von LYMEC, dem europäischen Dachverband der liberalen Jugendverbände Europas. Hahn wurde von den Jungen Liberalen und ihrem FDP-Landesverband als Spitzenkandidatin zur Europawahl 2019 nominiert. Beim FDP-Europaparteitag 2019 setzte sie sich in einer Kampfabstimmung um Listenplatz zwei mit 73 zu 21 Prozent gegen die amtierende Europaabgeordnete Nadja Hirsch durch. Von der WirtschaftsWoche wurde sie im EU-Wahlkampf 2019 als "das neue Europa-Gesicht der FDP" wahrgenommen und bezeichnet sich selbst als "nicht von der nationalen Perspektive geprägt". Bei der Wahl wurde sie schließlich ins Europaparlament gewählt. Im Europäischen Parlament ist sie für die Fraktion Renew Europe Mitglied im Ausschuß für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, im Ausschuß für internationalen Handel sowie Koordinatorin im Sonderausschuß für Künstliche Intelligenz im Digitalen Zeitalter. Zwischen 2020 und 2022 war sie erste Vizepräsidentin des European Liberal Forum, der Europäischen liberalen politischen Stiftung. Im Juni 2022 wurde Hahn zur Vizepräsidentin der ALDE-Partei gewählt. Seit 2022 ist Hahn außerdem Bundesvorsitzende des FDP-Fachausschusses für Internationale Politik. Für die Europawahl 2024 wurde Hahn einstimmig zur Spitzenkandidatin der FDP Hamburg für die Bundesliste der FDP gewählt. Sie kandidierte auf Platz 2 der FDP-Liste zur Europawahl, direkt hinter Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie wurde erneut ins Europäische Parlament gewählt. Auf der ersten Konferenz nach der Europawahl in Estoril wählte die ALDE am 6. Oktober 2024 ihre Führung neu. Als Nachfolgerin des irisch-bulgarischen Duos Timmy Dooley und Ilhan Kyuchyuk wurde Hahn mit 97 Prozent Zustimmung gewählt. Sie ist erst die zweite Deutsche in diesem Amt als Präsidentin der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE), dem gesamteuropäischen Dachverband der liberalen Parteien. Damit spricht sie für derzeit fast 80 Parteien in 45 Ländern.
Karl-Heinrich Hansmeyer (* 30. Juli 1929 in Lennep; † 3. Dezember 2007 in Köln): Er engagierte sich schon früh in der Umweltökonomie und wurde Gründungsvorsitzender von 1972 bis 1978 des Sachverständigenrats für Umweltfragen, dem er bis 1981 angehörte. Er brachte dieses relativ junge Wissenschaftsgebiet auch in seine Partei, die FDP ein, die in jenen Jahren den für Umweltfragen zuständigen Bundesminister des Innern (BMI) stellte. Seit 1976 gehörte er dem Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (BMF) an, seit 1989 gehörte er zusätzlich dem Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an. Von 1982 bis 1996 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er war Mitunterzeichner des eurokritischen Manifests "Die währungspolitischen Beschlüsse von Maastricht: Eine Gefahr für Europa" (1992).
Günter Hartkopf (* 1. Juni 1923 in Elberfeld; † 19. September 1989 in Salers, Frankreich): Seit 1958 war er Mitglied der FDP. Unter Hans-Dietrich Genscher kam er im Oktober 1969 zum Bundesministerium des Innern und wurde zum beamteten Staatssekretär berufen. Dabei war Hartkopf unter anderem für den Umweltschutz zuständig, das sein ökologisches Engagement widerspiegelte und wodurch er bekannt wurde. Während seiner Amtszeit bekam er 1975 und 1979 den Posten des Innenministers von Nordrhein-Westfalen angeboten, welchen Hartkopf beide Male ablehnte. Im April 1983 schied Günter Hartkopf auf eigenes Bestreben hin und nach knapp 14 Dienstjahren aus dem Amt.
Helmut Haussmann (* 18. Mai 1943 in Tübingen): Er war Mitglied der Jungdemokraten und ist Mitglied der FDP. Von 1975 bis 1987 war er FDP-Kreisvorsitzender in Reutlingen. Von 1975 bis 1980 war Haussmann Mitglied im Gemeinderat von Bad Urach, wo er auch wohnhaft ist. Von 1976 bis 2002 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Helmut Haussmann war zuletzt (14. Wahlperiode 1998) über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2002 verpaßte er den erneuten Sprung in den Bundestag um einen Listenplatz, weil die baden-württembergische FDP im Gegensatz zum Bundestrend Stimmenverluste hinnehmen mußte. Vom 1. Juni 1984 bis zum 8. Oktober 1988 war er Generalsekretär der FDP. Als Martin Bangemann EU-Kommissar wurde, wurde Haussmann am 9. Dezember 1988 als Bundesminister für Wirtschaft in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Während des Prozesses der deutschen Wiedervereinigung warnte Haussmann vor übereilten Schritten, während der Kanzler und der Finanzminister schnell die Deutsche Mark in Ostdeutschland einführen wollten. Der Vertrag über die Wirtschafts- und Währungsunion wurde deswegen vor allem im Finanzministerium ausgearbeitet. Nach der Bundestagswahl 1990 schied Haussmann am 18. Januar 1991 aus der Bundesregierung aus. Haussmann war von 1979 bis 1982 stellvertretender Vorsitzender und gehört seit 1982 dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an.
Wolfgang Haußmann (* 3. Juli 1903 in Stuttgart; † 6. März 1989 ebenda): Er gehörte zu den Mitbegründern der DVP in Württemberg-Baden und war 1946 bis 1952 deren Landesvorsitzender. Nach Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 übernahm er bis 1964 den Landesvorsitz der FDP/DVP. 1956 bis 1957 war er auch stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender. Von 1951 bis 1966 war er Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Im Richtungsstreit der FDP der 1950er Jahre sprach Haußmann sich gegen die Pläne einer nationalen Sammlung aus, wie sie von den Landesverbänden Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen verfolgt wurden, und forderte die Trennung von den Nationalisten. Nach der Bildung einer Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE unter Reinhold Maier in Baden-Württemberg beantragte der hessische FDP-Landesverband den Parteiausschluß von Haußmann und Maier sowie die Trennung der FDP von der DVP, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Lediglich zu einer Mißbilligung der Koalition im Südweststaat konnte sich der FDP-Bundeshauptausschuß durchringen. Haußmann gehörte dem Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebiets an. Er war Mitglied der Vorläufigen Volksvertretung für Württemberg-Baden, der Verfassunggebenden Landesversammlung Württemberg-Baden und des Landtags von Württemberg-Baden in beiden Wahlperioden von 1946 bis 1952. Dort war er Vorsitzender der DVP-Fraktion. Von 1952 bis 1964 vertrat er den Wahlkreis Stuttgart I und von 1968 bis 1972 den Wahlkreis Stuttgart IV im baden-württembergischen Landtag. 1952/53 war er Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion im Landtag. Der jeweilige Landtag wählte ihn zum Mitglied der ersten fünf Bundesversammlungen. Von 1953 bis 1966 war er Justizminister in Baden-Württemberg. Von 1960 bis 1964 war er zugleich Stellvertreter des Ministerpräsidenten. In seiner Amtszeit hat er die Einrichtung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg gegen anfängliche Widerstände von Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger durchgesetzt.
Paul Heile (* 25. Dezember 1884 in Diepholz bei Hannover; † 26. Juni 1958 in Hamburg): In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte er zur Gruppe Q (später Freies Hamburg) einer liberalen Widerstandsgruppe um Friedrich Ablass, die über Walter Jacobsen Kontakt zur Robinsohn-Strassmann-Gruppe hatte. Ende der 1940er Jahre engagierte er sich im Komitee ehemaliger politischer Gefangener und dessen Nachfolger, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Heile war der jüngere Bruder des ersten Vorsitzenden der FDP in der britischen Besatzungszone Wilhelm Heile. Heile gehörte 1945 zu den Gründungsmitgliedern der Partei Freier Demokraten, des späteren Hamburger FDP-Landesverbands. Von der britischen Besatzungsmacht bekam er gemeinsam mit Hans Sommerhäuser vom Girardet-Verlag im März 1946 die Lizenz für die Zeitung Hamburger Freie Presse, der Parteizeitung der PFD. Von 1946 bis 1949 gehörte er der ersten frei gewählten Hamburgischen Bürgerschaft nach dem Krieg an. Um ein erneutes Mandat bemühte er sich nicht mehr.
Katrin Helling-Plahr (* 2. April 1986 in Hagen): Sie ist seit 2005 Mitglied der Freien Demokraten. Aufgrund ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag verzichtete sie auf das Mandat im Rat der Stadt Hagen. Von 2012 bis 2014 war sie Mitglied im Landesvorstand der FDP Nordrhein-Westfalen und von 2011 bis 2012 Mitglied im Bundesvorstand der Freien Demokraten. Seit 2020 ist sie wieder Mitglied des Landesvorstands der FDP von Nordrhein-Westfalen, seit Januar 2023 ist sie eine der stellvertretenden Landesvorsitzenden der FDP NRW. Von 2011 bis 2014 gehörte sie als stellvertretende Bundesvorsitzende für Organisation dem Bundesvorstand der Jungen Liberalen an. Nach der Bundestagswahl 2021 gehörte sie der Verhandlungsgruppe der Freien Demokraten an, die den Koalitionsvertrag der ersten Ampelkoalition, bestehend aus SPD, der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" und Freien Demokraten, auf Bundesebene verhandelte. Zur Bundestagswahl 2017 trat Helling-Plahr als FDP-Kandidatin im Wahlkreis Hagen - Ennepe-Ruhr-Kreis I an und wurde über den Platz 17 der Landesliste der FDP Nordrhein-Westfalen in den 19. Deutschen Bundestages gewählt. Helling-Plahr ist ordentliches Mitglied im Ausschuß für Gesundheit und im Ausschuß für Recht und Verbraucherschutz. Weiterhin ist sie stellvertretendes Mitglied im Wahlausschuß und dem Unterausschuß Globale Gesundheit. Darüber hinaus ist sie Obfrau ihrer Fraktion im Parlamentarischen Begleitgremium COVID-19-Pandemie. Bei der Bundestagswahl 2021 wurde Helling-Plahr über die Landesliste wieder in den Deutschen Bundestag gewählt. Helling-Plahr ist ordentliches Mitglied im Rechtsausschuß und im Richterwahlausschuß, der die Berufsrichter an den Bundesgerichten (ausgenommen dem Bundesverfassungsgericht) wählt. Darüber hinaus ist sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Gesundheit, im Wahlausschuß und im Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der nunmehr nur noch als Familienausschuß firmiert. Sie ist die rechtspolitische Sprecherin der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2020 zugunsten eines selbstbestimmten Sterbens ging die Initiative zu einem Sterbehilfegegesetz im Wesentlichen von ihr aus. So präsentierte sie im 19. deutschen Bundestag zusammen mit Karl Lauterbach (SPD) und Petra Sitte (Die Linke) einen Gesetzesentwurf diesbezüglich. Dieser Entwurf fiel der Diskontinuität anheim. Ein von ihr in der folgenden Legislaturperiode mit eingebrachter ähnlicher Entwurf wurde am 6. Juli 2023 im Bundestag ebenso wie ein u. a. von Lars Castellucci eingebrachter Gegenentwurf abgelehnt.
Franz Wilhelm Henkel (* 19. März 1882 in Oschersleben; † 14. Juni 1959 in Ilten): Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Gründungsmitglied der 1918 entstandenen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und war für die gesamte Dauer der Weimarer Republik Mitglied im Vorstand der Partei bis zu deren Auflösung nach der "Machtergreifung" 1933 durch die Nationalsozialisten. In der nun folgenden Zeit des Nationalsozialismus wurde Henkel mehrfach verhaftet und mißhandelt. Nach dem Weltkrieg der in Hannover nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen noch vor der Kapitulation des "Dritten Reichs" zu Ende ging, beteiligte sich Franz Henkel bereits im April 1945 - gemeinsam mit Kurt Pentzlin, Christian Kuhlemann und Hans-Joachim Fricke - als Kontaktperson zu der britischen Militärregierung am raschen Wiederaufbau der Wirtschaft. So wurde Henkel schon im April 1945 in den Hauptausschuß für Wiederaufbau berufen. Ebenfalls bereits 1945 wurde Franz Henkel in der neu gegründeten FDP zum Ersten Vorsitzenden des Landesverbands Niedersachsen gewählt. Zudem wirkte er als Mitglied im Vorstand der Deutschen Friedensgesellschaft sowie der Liga für Menschenrechte in Hannover. Als von der britischen Militärregierung eingesetzter Ratsherr wirkte Henkel von Januar bis Oktober 1946 zunächst als Oberbürgermeister von Hannover, bis Mai 1947 dann nur noch als stellvertretender Oberbürgermeister, nachdem er bereits zum 20. April 1947 Mitglied des ernannten Hannoverschen Landtags geworden war, dem späteren Niedersächsischen Landtag, und dort bis zum Ende der 1. Wahlperiode am 30. April 1951 die Aufgaben des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP wahrnahm. Der Landtag wählte Henkel zum Mitglied der ersten Bundesversammlung, die 1949 Theodor Heuss zum Bundespräsidenten wählte.
Johann Friedrich Henschel (* 10. Juni 1931 in Schwarzenau/Eder; † 19. März 2007 in Hannover): Im Juli 1983 wurde er zum Richter am Bundesverfassungsgericht ernannt. Er gehörte vom 19. Juli 1983 bis zum 13. Oktober 1995 dem Ersten Senat an. Ab dem 29. September 1994 war er Vorsitzender des Ersten Senats und Vizepräsident des Gerichts. Vorgänger auf seiner Planstelle am Bundesverfassungsgericht war Hans Joachim Faller, sein Nachfolger Dieter Hömig. In seiner Amtszeit beeinflußte Henschel die Rechtsprechung des Gerichts zur Glaubens- und Bekenntnisfreiheit, zur Kunstfreiheit, zum Schulrecht und zu Fragen des Eigentums. Henschel wurde hierbei insbesondere durch das so genannte Kruzifix-Urteil bekannt, das der Erste Senat unter seinem Vorsitz im Jahr 1995 verkündete. Er wirkte auch an der Mutzenbacher-Entscheidung mit und hatte maßgeblichen Anteil an Urteilen zu grundstücksbezogenen Vermögensfragen.
Theodor Heuss (* 31. Januar 1884 in Brackenheim; † 12. Dezember 1963 in Stuttgart): Er empfand die totale deutsche Kriegsniederlage im Mai 1945 als Befreiung vom nationalsozialistischen Joch. Auf einer amerikanischen "Weißen Liste" wurde er als "uncompromising democrat" geführt, der den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands unterstützen könne. Heuss verstand sich als Erzieher der Deutschen zur Demokratie. Als unverzichtbare Voraussetzung für den demokratischen Einstellungswandel sah er die offene und schonungslose Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. So hielt er dem deutschen Volk in einer Rede Ende November 1945 vor, sich zu leicht "in die Fesseln des Nationalsozialismus" begeben zu haben. Es dürfe es sich nicht zu einfach machen, "die bösen Dinge wie einen wüsten Traum hinter sich zu werfen." Die Entnazifizierung durch die Militärregierungen lehnte er aber ebenso ab wie die Nürnberger Prozesse der Alliierten gegen die Hauptkriegsverbrecher, weil er die Deutschen als die eigentlichen Opfer Hitlers betrachtete und sie deshalb Ankläger und Richter sein sollten. Heuss wurde im Sommer 1945 von der US-Militärregierung in Württemberg-Baden die Lizenz für eine der ersten Nachkriegszeitungen, der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) in Heidelberg, übergeben. Neben dem Kommunisten Rudolf Agricola und dem Sozialdemokraten Hermann Knorr vertrat er im Herausgebergremium die liberale Tradition. Heuss publizierte über 80 Leitartikel in dem Blatt, aber Einfluß auf das Tagesgeschäft konnte er nur wenig ausüben. Denn die amerikanische Militärregierung ernannte ihn am 24. September 1945 zum ersten Kultusminister Württemberg-Badens, wo man die Amtsbezeichnung "Kultminister" verwendete. Er trat in das Kabinett Maier I der Allparteienregierung (DVP, CDU, SPD, KPD) seines Parteifreunds Reinhold Maier ein, konnte nun Einfluß auf die Bildungs- und Kulturpolitik seines Landes nehmen und den demokratischen Reeducation-Prozeß vorantreiben. In den ersten Landtagswahlen im Spätherbst 1946 errangen die Liberalen nur 19 Prozent der Stimmen und konnten somit nur ein Regierungsmitglied stellen. Heuss verzichtete deshalb im Dezember zugunsten von Reinhold Maier auf das Amt des Kultministers. Zunächst hatte Heuss 1945 für die Gründung einer überkonfessionellen bürgerlichen Sammlungspartei plädiert und zeigte sich offen gegenüber der CDU. Doch in Stuttgart, wo er seit Spätsommer 1945 wohnte, hatte sich bereits eine eigenständige liberale Partei gebildet, die Demokratische Volkspartei (DVP). Dieser trat er bei und ließ sich im Januar 1946 in den Vorstand wählen. Für die DVP saß er in der Verfassunggebenden Landesversammlung und wurde in den württemberg-badischen Landtag gewählt, dem er gemeinsam mit seiner Frau Elly Heuss-Knapp bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten im September 1949 angehörte. Im September 1946 übernahm er den Vorsitz der liberalen Landesparteien in der US-Zone. Nationale Bedeutung gewann Heuss, als er im März 1947 gemeinsam mit Wilhelm Külz, dem Vorsitzenden der ostzonalen Liberal-Demokratischen Partei (LDP), den Vorsitz der Demokratischen Partei Deutschlands (DPD) übernahm, die sich aus den liberalen Parteien der amerikanischen, britischen und sowjetischen Zone zusammensetzte. Doch vor dem Hintergrund des sich ankündigenden Kalten Kriegs waren die Abweichungen bei den deutschlandpolitischen Vorstellungen zwischen der LDP und den westlichen Landesverbänden so groß, daß Heuss die Zusammenarbeit mit Külz aufkündigte und die DPD sich Anfang 1948 auflöste. Stattdessen gründeten die liberalen Landesverbände der Westzonen am 12. Dezember 1948 in Heppenheim die FDP und wählten Heuss zum Vorsitzenden. Bis zur Wahl zum Bundespräsidenten im September 1949, als Heuss den Parteivorsitz niederlegte, vermochte er es nicht, die zerstrittenen Flügel der Partei zu einen. Anfang 1948 wurde Heuss zum Honorarprofessor für Politische Wissenschaften an der Technischen Hochschule Stuttgart ernannt und hielt im Sommersemester zwei Vorlesungen über deutsche Geschichte 1890 bis 1918 und über politische Grundbegriffe. Doch weil ihn die Beratungen im Parlamentarischen Rat dermaßen in Anspruch nahmen, mußte er weitere Vorlesungsverpflichtungen absagen. Seit dem 1. September 1948 hatten die 65 von den Landtagen gewählten ordentlichen Abgeordneten in Bonn über eine neue deutsche Verfassung verhandelt. Heuss als Fraktionsführer der FDP wollte das künftige Grundgesetz auf eine breite überparteiliche Basis stellen, um ihm damit Akzeptanz bei der Bevölkerung zu verschaffen. Die Aufgabe seiner Partei sah er darin, starre Gegensätze zwischen den großen Lagern um CDU/CSU und SPD aufzubrechen und als Vermittler zu fungieren. Einem Freund gegenüber formulierte er Anfang 1949 seine Rolle etwas derber: "Die Position meiner FDP-Fraktion in Bonn ist nicht schlecht, da wir zwischen CDU und SPD, die gleichstark sind, als Waagscheißer fungieren." Doch konturlos trat Heuss im Parlamentarischen Rat keineswegs auf, sondern folgte vielmehr mit Nachdruck auch gegen Widerstände seinen Überzeugungen. Seinem Einfluß ist es zu verdanken, daß es die Präambel vermied, den provisorischen Charakter des Grundgesetzes und die alliierte Fremdherrschaft allzu deutlich zu betonen. Heuss wollte eine vollgültige und dauerhafte Verfassung schaffen, von der auch eine Signalwirkung für die Bürger der Sowjetischen Besatzungszone ausgehen könne. Beim fundamental wichtigen Artikel 1 des Grundgesetzes vermochte er es gegen breiten Widerstand, die Schutzfunktion des Staates herauszustellen und eine explizite Berufung auf eine naturrechtliche Begründung der Grundrechte zu vermeiden. Beim Umfang der Grundrechte plädierte er für eine Beschränkung auf die klassischen individuellen Freiheitsrechte, weil nur diese - anders als soziale und wirtschaftliche Grundrechte - durchsetzbar und einklagbar seien. Gegen heftige Proteste der Kirchen und der CDU/CSU konnte er es verhindern, dass das sogenannte "Elternrecht" in das Grundgesetz aufgenommen wurde. Dieses Recht sah vor, konfessionsgebundene Bekenntnisschulen in kirchlicher Trägerschaft auf Antrag der Eltern einzurichten. Heuss hingegen als Anhänger der christlichen Gemeinschaftsschulen sah darin die staatliche Kulturhoheit gefährdet. Darüber hinaus geht die Staatsbezeichnung "Bundesrepublik Deutschland" auf eine Anregung von Heuss zurück. Ebenso unterstützte er die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold. Als Anhänger eines parlamentarischen Regierungssystems sprach er sich gegen ein Präsidialsystem aus. Volksbegehren und Volksentscheide auf Bundesebene lehnte er ab, weil er sie als "Prämie für jeden Demagogen" betrachtete. Die Zusammensetzung der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten ist seiner Idee geschuldet. Nicht alle seine Vorstellungen konnte Heuss durchsetzen. So sah er in der Konstruktion der Länderkammer als Bundesrat eine Fehlentwicklung und bevorzugte die Einrichtung eines von den Landtagen gewählten Senats. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung wollte er nicht im Grundgesetz verankern, weil er die Wehrpflicht als "legitimes Kind der Demokratie" betrachtete. Doch mit dieser Auffassung blieb er klar in der Minderheit. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz schließlich mit großer Mehrheit vom Parlamentarischen Rat verabschiedet. Heuss hatte durch seine intellektuellen Fähigkeiten, seine rhetorische Begabung sowie durch seine inhaltliche und stilistische Mitgestaltung wesentliche Elemente der Verfassung geprägt. Verhärtete Gegensätze wußte er aufzulockern, ohne dabei an eigenem Profil zu verlieren. Schon während der Grundgesetzberatungen war Heuss mehrfach für das Amt des künftigen Staatsoberhaupts ins Spiel gebracht worden. Nach der Bundestagswahl vom 14. August 1949, bei der Heuss ein Mandat errang und FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag wurde, einigten sich CDU und FDP aus koalitionstaktischen Gründen auf eine Kandidatur von Heuss. Am 12. September 1949 wurde er im zweiten Wahlgang mit absoluter Mehrheit u. a. gegen den SPD-Kandidaten Kurt Schumacher zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Das Grundgesetz gibt dem Bundespräsidenten bei weitem nicht die Kompetenzfülle wie dem Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Das eigentliche Machtzentrum ist der Bundeskanzler. Der Weg in die "Kanzlerdemokratie" lag aber nicht nur an den Verfassungsbestimmungen oder dem durchsetzungsstarken ersten Kanzler Konrad Adenauer, sondern auch an dem Amtsverständnis des Bundespräsidenten Theodor Heuss. Weil die Weimarer Republik auch an der mangelnden Zustimmung großer Teile der Bevölkerung zum demokratischen Staat und an den fundamentalen politischen und sozialen Konflikten gescheitert war, wollte Heuss als überparteilicher Repräsentant der Bundesrepublik die junge Demokratie positiv im Bewußtsein seiner Bürger verankern. Sein Ziel war es, die verschiedenen Gesellschaftsgruppen an den noch ungefestigten Staat heranzuführen und mit der Demokratie zu versöhnen. Die Integration stand im Zentrum seines Amtsverständnisses, nicht das Hineintragen von Konflikten in die Gesellschaft. Als eigenes Machtzentrum neben dem Kanzler befürchtete der Bundespräsident, offene Spannungen heraufzubeschwören, die das neue Staatswesen hätten erschüttern können. Als integrierendes und repräsentierendes Staatsoberhaupt war Heuss aber durchaus nicht einflußlos. Weil er über den tagespolitischen Machtkämpfen stand, besaß er durch seine persönliche Integrität und Glaubwürdigkeit moralische Autorität. Durch seine Reden und symbolischen Gesten rückte er wichtige Themen in den öffentlichen Raum und bot Orientierung. Die Erziehung der Deutschen zur Demokratie in einer zerrissenen Nachkriegsgesellschaft war als Integrationsleistung ein unentbehrlicher und folgenreicher politischer Akt. Dieser Integrationskurs führte dazu, daß Heuss Konfrontationen mit dem Bundeskanzler oder anderen Verfassungsorganen möglichst vermeiden wollte. Deshalb scheute er auch eine offene Kraftprobe mit Adenauer, dessen machtbewußtem Durchsetzungswillen und verfassungsrechtlichen Kompetenzen er ohnehin nur wenig entgegenzusetzen hatte. Zu Beginn seiner Amtszeit versuchte Heuss zunächst noch, seine Spielräume zu erweitern. So wollte er beispielsweise gelegentlich den Vorsitz von Kabinettssitzungen übernehmen oder beanspruchte den Oberbefehl über die geplante Armee für sich, scheiterte aber mit diesen Versuchen. Es spielte sich allmählich eine Arbeitsteilung ein, die dem Bundeskanzler die eigentliche Regierungsarbeit zuerkannte, dem Bundespräsidenten hingegen das Feld der Integration und Repräsentation. Trotz ihrer verschiedenen Herkunft und ihres unterschiedlichen Naturells verkehrten sie in der Regel vertrauensvoll miteinander und tauschten sich regelmäßig in Gesprächen und Briefen aus. Zur gegenseitigen Wertschätzung trug auch ihre Übereinstimmung in den großen und wichtigen politischen Fragen bei, so z. B. die Westbindung, die Deutschland- und Europapolitik, die Wiederbewaffnung oder die Versöhnungs- und Wiedergutmachungspolitik gegenüber den Juden und dem Staat Israel. Durch sein bürgerliches Auftreten und seine Bildung stellte Heuss als Staatsoberhaupt den größtmöglichen Kontrast zu seinen Vorgängern Hindenburg und Hitler dar. Weil er in seiner Person Politik, Geist und Volksnähe vereinte, repräsentierte er im In- und Ausland ein neues, nämlich ziviles und demokratisches Deutschland. In seiner Amtsführung setzte er sich deutlich vom brutalen Auftreten des Nationalsozialismus ab. Zu Beginn seiner Amtszeit verhinderte er eine Briefmarke mit seinem Porträt, später lehnte er einen Besuch der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth ab, um nicht "den Spuren des Herrn Hitler auf dem Festhügel und nach Wahnfried zu folgen". Vor allem mit der Schaffung neuer Staatssymbole wollte Heuss unbelastete und geeignete Traditionen für die Bundesrepublik begründen. Zentrale Bedeutung hatte für ihn die Einführung einer Nationalhymne, für die er als Bundespräsident verantwortlich war. Das alte Lied der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben, argumentierte Heuss, sei infolge des Mißbrauchs durch die Nationalsozialisten für die neue Demokratie nicht mehr tragbar und zeitgemäß. Er beauftragte den Dichter Rudolf Alexander Schröder mit dem Verfassen einer neuen Hymne, die er dann - vertont durch den Komponisten Hermann Reutter - in seiner Silvesteransprache 1950 den Mitbürgern vorstellte. Doch fiel das Urteil in den Medien, der Bevölkerung und parteiübergreifend in der Politik vernichtend aus. Nachdem er auch die Unterstützung von Adenauer und der CDU/CSU verloren hatte, gab Heuss Anfang 1952 auf. Er räumte ein, "den Traditionalismus und sein Beharrungsbedürfnis unterschätzt" zu haben. Gekränkt verzichtete er auf eine feierliche Proklamation; stattdessen erkannte er das "Deutschlandlied" lediglich in einem Briefwechsel mit Adenauer an. Mehr Erfolg hatte Heuss bei der Einführung neuer Orden, welche die Dankbarkeit des demokratischen Staats gegenüber seinen Bürgern zum Ausdruck bringen sollten. So begründete er 1950 das Silberne Lorbeerblatt für besondere sportliche (und zunächst auch musikalische) Leistungen. 1951 stiftete er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland mit seinen verschiedenen Stufen. Ein Jahr darauf erneuerte er die Friedensklasse des preußischen Ordens Pour le Mérite für herausragende Wissenschaftler und Künstler und wurde dessen Protektor. Mit seinen kultur-, wissenschafts- und bildungspolitischen Initiativen wollte Heuss Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle für den demokratischen Staat gewinnen. So unterstützte er als Ehrenmitglied des Wissenschaftlichen Beirats das Institut für Zeitgeschichte in München, stellte sich 1951 an die Spitze der "Dankspende des Deutschen Volkes", stieß die Gründung des Deutschen Wissenschaftsrats 1956 an oder begleitete als Vorsitzender des Verwaltungsrats die Arbeit des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Heuss, der zeitlebens für die Förderung der politischen Bildung eintrat, regte die am 19. Mai 1958 erfolgte Gründung der Friedrich-Naumann-Stiftung an und mobilisierte dafür einige Freunde und Weggefährten. Ab den frühen 1950er Jahren beschäftigte sich der sehr gestaltungsaffine Heuss mit dem Thema Industriedesign und verteidigte Begriffe wie deutsche Wertarbeit und Arbeitsfreude gegen die Vereinnahmung durch Regime bzw. Propaganda in der NS-Zeit. Er erkannte als einer der ersten die Bedeutung von Design und Industriedesign für die exportorientierte deutsche Wirtschaft und initiierte eine staatliche Designförderung. Auch als Bundespräsident plädierte Heuss weiterhin für eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. In einem weitverbreiteten Klima der Entlastung und Verdrängung in Politik und Bevölkerung warnte er vor Selbstgerechtigkeit, Selbstmitleid und allzu schnellem Vergessen. Nachdrücklich wies er bereits im Dezember 1949 in einer Ansprache vor der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Wiesbaden darauf hin: "Es hat keinen Sinn, um die Dinge herumzureden. Das scheußliche Unrecht, das sich am jüdischen Volk vollzogen hat, muß zur Sprache gebracht werden in dem Sinne: Sind wir, bin ich, bist Du schuld, weil wir in Deutschland lebten, sind wir mitschuldig an diesem teuflischen Verbrechen?" Heuss lehnte den Vorwurf einer Kollektivschuld ab, führte aber den moralischen Begriff der Kollektivscham ein, der alle Deutschen betreffe. Bei der Einweihung des Mahnmals im ehemaligen KZ Bergen-Belsen machte er deutlich: Die Juden "werden nie, sie können nie vergessen, was ihnen angetan wurde; die Deutschen dürfen nie vergessen, was von Menschen ihrer Volkszugehörigkeit in diesen schamreichen Jahren geschah." Das Erinnern an die NS-Verbrechen galt Heuss als Grundlage für die demokratische Erneuerung und für die Aussöhnung mit den Opfern. So lag ihm die Versöhnung und die Wiedergutmachungspolitik gegenüber den Juden und dem Staat Israel am Herzen. In einer Rede zum 10. Jahrestag des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 sprach Heuss die Verschwörer, von denen er einige persönlich kannte, vom Vorwurf des Eidbruchs und Hochverrats frei. Indem er die Grenzsituation betonte, in der sich die Attentäter zwischen ihrem Eid auf Hitler und ihrem persönlichen Gewissen gestellt sahen, rechtfertigte er den Widerstand gegen ein amoralisches und menschenverachtendes Regime. Damit begründete Heuss eine positive Gedenktradition, an die bis heute erinnert wird. Heuss löste mit seinen erinnerungspolitischen Reden nicht nur Zustimmung aus. Ein Teil der Bevölkerung empfand sie als Provokation und protestierte in Briefen an ihn dagegen. Doch auch Heuss selber betrieb in einigen Fällen eine Vergangenheitspolitik, die heute fragwürdig erscheint. So setzte er sich während seiner Amtszeit wiederholt für die Begnadigung von Kriegsverbrechern wie den ehemaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst von Weizsäcker, ein. Noch irritierender war seine Verwendung für den ehemaligen Einsatzgruppenleiter Martin Sandberger, der wegen der Ermordung tausender Juden, Kommunisten und Partisanen zunächst zum Tod, dann zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Während seiner beiden Amtszeiten hielt Heuss insgesamt 775 Reden. Es waren vor allem seine Ansprachen, mit denen er auch in die breite Bevölkerung hineinwirkte. Heuss begründete die Rede als Markenzeichen des Bundespräsidenten auch für seine Nachfolger. Er entwarf seine Reden selbst und trug sie, höchstens auf Notizen gestützt, in seinem schwäbischen Honoratiorenbaß frei vor. Er konnte sich auf ganz unterschiedliche Zuhörergruppen einlassen und vermittelte den Eindruck, diese jeweils persönlich anzusprechen. Mit seiner umfassenden Bildung verknüpfte er historische mit aktuellen Themen. Seine manchmal weitschweifende Gedankenführung würzte er mit einer Prise Humor und Ironie. Statt abschließender Antworten bot er Stoff zum eigenen Nachdenken. Auch wenn er bei einigen Themen seine Mitbürger mit unbequemen Wahrheiten wachrütteln wollte, setzte er in seinen Reden letztlich auf Versöhnung einer verunsicherten Nachkriegsgesellschaft. 1955 erlangte die Bundesrepublik durch den Deutschlandvertrag weitgehend ihre Souveränität. Als Bundespräsident konnte Heuss seitdem mehrere Staatsbesuche im Ausland durchführen. Von zentraler Bedeutung waren dabei seine Gesten der Versöhnung gegenüber den Ländern, die im Zweiten Weltkrieg unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und unter dem Bombenterror gelitten hatten. So ehrte er in Griechenland 1956 die Opfer einer brutalen Vergeltungsaktion der deutschen Besatzer. Eineinhalb Jahre später legte er bei seinem Italienbesuch einen Kranz an den Fosse Ardeatine nieder, wo die SS 1944 über 300 italienische Geiseln erschossen hatte. Brisant war auch der Staatsbesuch in Großbritannien, wo die Folgen des Bombenkrieges noch sichtbar waren. Auch wenn Heuss herzlich von der britischen Königin und Regierung empfangen wurde und seine Person und sein Auftreten viel Lob erfuhren, mischte sich darunter doch auch Kritik von britischer Seite, daß der Besuch noch zu früh sei, und Unbehagen in deutschen Medien, ob Heuss die Bundesrepublik noch zeitgemäß vertreten könne. Letztlich ebneten die Staatsbesuche von Heuss aber auch den Weg zu besseren Beziehungen mit den ehemaligen Kriegsgegnern, weil er die Hypothek des Nationalsozialismus nicht aussparte. Allein durch seinen eigenen Lebensweg und durch seine zivile Persönlichkeit vertrat er ein gewandeltes, friedliches und demokratisches Deutschland, das aus seiner Geschichte gelernt hatte. Die Amtsführung von Heuss erschöpfte sich nicht allein in symbolischen Gesten, Repräsentationsaufgaben und Reden. Er handelte nicht meinungslos, sondern er griff mitunter auch in wichtige Fragen der Tagespolitik ein und verließ damit seine Rolle als überparteiliches Staatsoberhaupt. Er verstand sich als Vertreter einer Politik, die er als richtig und verantwortbar beurteilte. So unterstützte er - zumeist hinter den Kulissen in Gesprächen und Briefen - die Deutschlandpolitik Adenauers und das Ziel der Westintegration. Er war ein Befürworter der Wiederbewaffnung und forderte 1952 ein Gutachten beim Bundesverfassungsgericht über einen deutschen Beitrag zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft an, zog dieses dann aber auf Anraten von Adenauer wieder zurück. Und auch in die innerparteilichen Auseinandersetzungen der FDP ließ er sich hineinziehen und kritisierte das Verhalten einiger nationalistisch geprägter FDP-Landesverbände. Als Heuss die verbalen Ausfälle des Bundesjustizministers, seines Parteifreunds Thomas Dehler, für nicht mehr hinnehmbar hielt, lehnte er 1953 dessen erneute Ernennung ab. Bei der Ausübung seines anstrengenden Amts fand Heuss Rückhalt bei seiner Ehefrau Elly Heuss-Knapp. Sie war ihm weiterhin eine wichtige Gesprächspartnerin und Ratgeberin und begleitete ihn als "First Lady" auf Reisen und Empfängen. Darüber hinaus schaffte sie sich einen eigenen Verantwortungsbereich, als sie 1950 mit Antonie Nopitsch das Deutsche Müttergenesungswerk gründete, einen Dachverband für die zahlreichen Müttererholungsheime der sozialen und karitativen Verbände. Bis heute hat jede Frau (bzw. Lebenspartnerin) des Bundespräsidenten die Schirmherrschaft über das Müttergenesungswerk übernommen. Seit Jahren von Krankheiten geplagt, starb Elly Heuss-Knapp am 19. Juli 1952 an ihrem schweren Herzleiden. Auf Wunsch von Elly Heuss-Knapp übernahm anschließend die fast 70-jährige Hedwig Heuss die Rolle der "First Lady" für die weitere Amtszeit des Bundespräsidenten. Hedwig Heuss war die Witwe von Ludwig Heuss, dem ältesten Bruder von Theodor Heuss. Während seiner ersten Amtszeit gewann Heuss großes politisches Ansehen und Popularität in der breiten Bevölkerung. Täglich erhielt er mehrere hundert Zuschriften von Bürgern, die ihn und seine Amtsführung schätzten, um Hilfe baten, mit ihm Probleme erörtern wollten, ihm Geschenke machten oder auch heftige Kritik an ihm übten. Auch wenn er für viele dieser Anliegen keine verfassungsrechtlichen Kompetenzen oder finanzielle Mittel hatte, verfaßte er oftmals persönlich Antwortschreiben, um auch über diesen Weg als Erzieher zur Demokratie zu wirken. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen würdigten ihn. Die sich über drei Tage hinziehenden Feierlichkeiten zu seinem 70. Geburtstag am 31. Januar 1954 bezeugten, welche Anerkennung Politik und Öffentlichkeit dem Bundespräsidenten entgegenbrachten. So war es nicht erstaunlich, daß er bei seiner Wiederwahl am 17. Juli 1954 in der Bundesversammlung parteiübergreifend mit überwältigender Mehrheit in eine zweite Amtszeit gewählt wurde: Im ersten Wahlgang erhielt er 85,6 Prozent aller Stimmen. Im Volksmund wurde er liebevoll "Papa Heuss" genannt. Darin zeigte sich eine große Sehnsucht der Nachkriegsgesellschaft nach Normalität und einer gütigen Vaterfigur. Sein bürgerliches und volkstümliches Auftreten mit Hut, Stock, Zigarre, Rotweinglas, sein bedächtiger Humor und sein Hang zu Anekdoten kamen dieser Erwartung entgegen. Darin zeigte sich auch die Kehrseite seiner großen Beliebtheit: die zunehmende Entpolitisierung einer "bis zur Harmlosigkeit harmonisierten Großvater-Gestalt", so das Urteil des Publizisten und Heuss-Kenners Hermann Rudolph. Heuss lehnte diese Banalisierung seiner Person und damit auch seiner Amtsführung ab, wie er in einem Brief an Bundesinnenminister Gerhard Schröder vom Frühjahr 1959 deutlich machte: "Ich kämpfe seit Jahren gegen dieses Papa-Gerede, das mir unausstehlich ist". Am Ende seiner zweiten Amtszeit, als 84 Prozent der Bevölkerung die Amtsführung von Heuss als gut oder ausgezeichnet bewerteten, wurde in Politik und Öffentlichkeit erwogen, das Grundgesetz zu ändern, um dem angesehenen Bundespräsidenten eine weitere Amtszeit zu ermöglichen. Heuss selber schloß diesen Gedanken zunächst nicht ganz aus, lehnte aber eine auf seine Person bezogene Grundgesetzänderung letztlich ab. Stattdessen kündigte Bundeskanzler Konrad Adenauer seine Kandidatur für das höchste Staatsamt an, weil er meinte, der Bundespräsident hätte erheblich mehr Machtbefugnisse, als sie von Heuss wahrgenommen wurden. Damit provozierte er einen heftigen Briefwechsel mit Heuss, der seine Leistung als Bundespräsident abgewertet sah. Am Ende erkannte auch Adenauer, daß er als Bundeskanzler weiterhin erheblich mehr Einfluß auf die Tagespolitik haben würde als im Amt des Bundespräsidenten, und zog seine Kandidatur zurück. Schließlich wählte die Bundesversammlung am 1. Juli 1959 Heinrich Lübke im zweiten Wahlgang mit knapper absoluter Mehrheit zum Nachfolger von Heuss. Am 12. September 1959 endete die Amtszeit von Heuss.
Karl Walter Hirche (* 13. Februar 1941 in Leipzig): Von 1969 bis 1972 leitete er das Landesbüro der Friedrich-Naumann-Stiftung in Niedersachsen und war anschließend von 1970 bis 1975 Landesgeschäftsführer der FDP Niedersachsen. Seit 2009 ist Hirche Kuratoriumsvorsitzender der Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung in Hannover. Seit 1970 ist Hirche Mitglied der FDP. Er war von 1994 bis 2006 Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP. Hirche gehörte von 1984 bis 1995 sowie von 1997 bis 1999 dem Präsidium der Bundes-FDP an. Seit März 2009 ist er Ehrenvorsitzender der niedersächsischen FDP. Walter Hirche gehörte von 1974 bis 1978, von 1982 bis 1990 sowie erneut von 2003 bis 2008 dem Niedersächsischen Landtag an. 1978 sowie von 1982 bis 1986 war er FDP-Fraktionsvorsitzender. Zwischen 1994 und 2002 war Hirche Mitglied des Deutschen Bundestages und hier von 1998 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Hirche zog stets über die Landesliste Niedersachsen in den Bundestag ein. Nach der Landtagswahl 1986 wurde Hirche als Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr in die von Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) geführte Landesregierung von Niedersachsen berufen, sein Staatssekretär wurde Frank Wien. Nachdem die CDU-FDP-Koalition bei der Landtagswahl 1990 ihre Mehrheit verloren hatte, schied Hirche aus dem Kabinett aus und wurde noch im selben Jahr in der von Manfred Stolpe (SPD) geleiteten Landesregierung von Brandenburg zum Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie ernannt. Schon vor der Landtagswahl 1994 erklärte er, nicht mehr als Minister zur Verfügung zu stehen und kandidierte auf der niedersächsischen Landesliste für den Bundestag. Am 17. November 1994 wurde er als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen und schied nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 am 26. Oktober 1998 aus dem Amt. Nachdem bei der Landtagswahl 2003 CDU und FDP die SPD-Alleinregierung unter Sigmar Gabriel ablösen konnten, wurde Hirche am 4. März 2003 in das von Christian Wulff geleitete Kabinett als Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Stellvertreter des Ministerpräsidenten berufen. Am 18. Februar 2009 trat er, wie angekündigt, von seinem Amt zurück; sein Nachfolger als Minister wurde Philipp Rösler. 2009 wurde Hirche Mitglied des "Lenkungsrats Unternehmensfinanzierung" im Wirtschaftsfonds Deutschland. Seit März 2011 ist er Mitglied der Ethikkommission für sichere Energieversorgung.
Hermann Höpker-Aschoff (* 31. Januar 1883 in Herford; † 15. Januar 1954 in Karlsruhe): Er war einer der Mitbegründer der FDP in Ostwestfalen und gehörte 1948 bis 1950 dem Bundesvorstand der Partei an. Nach Amelunxens Wunsch war er 1946 als Finanzminister als Mitglied des ersten Kabinetts von Nordrhein-Westfalen vorgesehen. Diese Ernennung scheiterte wegen seiner Tätigkeit während des Kriegs auch am Einspruch der britischen Besatzungsbehörden. Ab September 1948 war Höpker-Aschoff Mitglied des Parlamentarischen Rates. Als überzeugter Zentralist prägte er maßgeblich die Finanzverfassung des Grundgesetzes (X. Abschnitt). Insbesondere wird ihm die Schaffung der starken Bundesstellung im Finanzbereich und die Unabhängigkeit der Bundesbank von Weisungen der Politik zugeschrieben. Bei der Bundestagswahl 1949 kandidierte er für die FDP und wurde auf deren nordrhein-westfälischer Landesliste ins Parlament gewählt. Dort war er bis 1951 Vorsitzender des Finanz- und Steuerausschusses. Am 7. September 1951 wurde Höpker-Aschoff der erste Präsident des Bundesverfassungsgerichts, woraufhin er sein Bundestagsmandat niederlegte. Gleichzeitig war er Vorsitzender des ersten Senats. Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod 1954 aus. Unter seinem Vorsitz erließ der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts 1952 das Verbot der SRP. Hingegen war er ein Gegner des KPD-Verbots, so daß das Verfahren erst nach seinem Tod wirklich in Gang kam. Am 19. Januar 1954 ehrte ihn der Bundestag mit einem Staatsakt.
Birgit Homburger (* 11. April 1965 in Singen): Seit 1982 ist sie Mitglied der FDP. 1984 trat sie auch den Jungen Liberalen bei, deren Landesvorsitzende in Baden-Württemberg sie von 1988 bis 1991 war. Auf dem Vereinigungskongreß von JuLiA und JuLis im Berliner Reichstagsgebäude am 8./9. September 1990, dem ersten gesamtdeutschen Kongreß des fusionierten, gesamtdeutschen Jugendverbands der FDP, wurde Homburger zur Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt und hatte das Amt bis 1993 inne. In Homburgers Amtszeit als Vorsitzende der Jungen Liberalen fiel das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten. Auch die Jungen Liberalen wurden in dieser Zeit ein gesamtdeutscher Verband. Von 1993 bis 2013 war Homburger Mitglied im FDP-Landesvorstand von Baden-Württemberg. 1997 wurde sie zur stellvertretenden Landesvorsitzenden und 2004 als Nachfolgerin des zurückgetretenen Walter Döring zur Vorsitzenden des FDP-Landesverbands Baden-Württemberg gewählt und 2010 im Amt bestätigt. Auf Grund des historisch schlechten Landtagswahlergebnisses bei der baden-württembergischen Landtagswahl am 27. März für die FDP/DVP unter Führung von Homburger mit 5,3 Prozent der Stimmen fand am 7. Mai 2011 eine Neuwahl des Landesvorstandes statt. Homburger wurde dabei im zweiten Wahlgang mit 199 von 400 Delegierten-Stimmen knapp zur FDP-Landesvorsitzenden gewählt. Ihr Gegenkandidat, der Europaabgeordnete Michael Theurer, erhielt 192 Stimmen. Im ersten Wahlgang hatte es ein Patt gegeben, beide Kandidaten hatten 180 Stimmen erhalten. Seit 1991 gehört Homburger als Beisitzerin dem Bundesvorstand und seit 2001 auch dem Präsidium der FDP an. 2005 und 2011 wurde sie wiedergewählt. Am 10. März 2013 wurde sie auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin als stellvertretende FDP-Parteivorsitzende abgewählt. Von 1990 bis 2013 war Homburger Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1994 bis 2005 war sie umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Von Dezember 2005 bis Oktober 2009 war Homburger sicherheitspolitische Sprecherin und seit Juni 2012 technologiepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Von 2002 bis 2009 war sie eine der stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion und Sprecherin für Bürokratieabbau. Nach dem Wechsel ihres Vorgängers Guido Westerwelle in das Auswärtige Amt nach der Bundestagswahl 2009 wurde Homburger Fraktionsvorsitzende der FDP im Deutschen Bundestag. Am 10. Mai 2011 stellte sie sich bei einer Fraktionssitzung für dieses Amt nicht mehr zur Wahl, nachdem es besonders durch ihren Stellvertreter Jürgen Koppelin und den Vorsitzenden der schleswig-holsteinischen FDP-Landtagsfraktion Wolfgang Kubicki öffentliche Kritik an ihrer Amtsführung gegeben hatte. Außerdem war sie Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag. Birgit Homburger ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag eingezogen. Bei der Aufstellung der FDP-Landesliste am 17. November 2012 für die Bundestagswahl 2013 mußte Homburger auf die Spitzenkandidatur zugunsten von Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel verzichten, nachdem der Ex-Wirtschaftsminister Walter Döring ihr die Spitzenkandidatur streitig gemacht hatte. Homburger erhielt mit 65 Prozent der Delegiertenstimmen Listenplatz 2. Weil die FDP bei der Bundestagswahl 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, verlor Homburger ihr Parlamentsmandat. Sie kandidierte anschließend nicht mehr zur Wiederwahl als FDP-Landesvorsitzende.
Werner Hoyer (* 17. November 1951 in Wuppertal): Seit 1972 ist er Mitglied der FDP. Hier engagierte er sich zunächst bei den Jungen Liberalen, deren Bundesvorstand er auch von 1983 bis 1986 angehörte. Von 1984 bis 1992 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Köln. Seit 1984 gehört er dem FDP-Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen an, seit 1994 auch dem Bundesvorstand. Von 1993 bis 1994 amtierte Hoyer als Generalsekretär der FDP-Bundespartei. Aus seiner Zeit als Generalsekretär stammt die Hoyer oftmals fälschlicherweise zugeschriebene Bezeichnung der FDP als "Partei der Besserverdienenden". Tatsächlich wurde diese Formulierung ohne Hoyers Kenntnis in einem Wahlprogrammentwurf für den Bundestagswahlkampf 1994 verwandt, ohne im eigentlichen Wahlprogramm der FDP für 1994 beschlossen zu werden. Die Originalformulierung Hoyers, ein ironisches Zitat einer früheren Aussage Rudolf Scharpings (damals Kanzlerkandidat der SPD), lautete: "Wir sind die Partei der Besserverdiener, weil wir wollen, daß alle besser verdienen". Der Satz wurde in der gekürzten Fassung polemisch von der Presse aufgegriffen und Hoyer übernahm als Generalsekretär die politische Verantwortung. Seit 2000 ist Hoyer Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Köln, von 2006 bis 2009 war er zudem Mitglied des Präsidiums der FDP. Von 1997 bis 2000 war er zunächst Vizepräsident und von 2000 bis 2005 Präsident der Europäischen Liberaldemokratischen Partei (ELDR). Hoyer ist Ehrenmitglied des FDP-Stadtbezirksverbands Köln-Lindenthal (vorher Ortsverband Junkersdorf-Lövenich-Weiden-Widdersdorf), dessen Vorsitzender er in den 1980er Jahren war. Von 1987 bis 2012 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1989 bis 1993 Parlamentarischer Geschäftsführer und von 1990 bis 1994 sicherheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Von Oktober 2002 bis Oktober 2009 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises für Internationale Politik. Darüber hinaus war er während dieser Zeit außenpolitischer Sprecher der Fraktion. Hoyer ist stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen. Am 1. Januar 2012 verzichtete er auf sein Bundestagsmandat, um an die Spitze der Europäischen Investitionsbank (EIB) zu wechseln. Für ihn rückte Jörg von Polheim in den Bundestag nach. Er ist Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag, der Ludwig-Erhard-Stiftung. der Studentenverbindung AV Rheno-Colonia Köln. des Kuratoriums der Stiftung Butzweilerhof, im Kuratorium der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, des Beirats des American Jewish Committee und der Jury zur Vergabe der Walter Scheel Medaille. Nach der Bundestagswahl 1994 setzten CDU/CSU und FDP ihre Koalition fort; Bundeskanzler Kohl bildete sein fünftes (und letztes) Kabinett. Hoyer wurde am 17. November 1994 zum Staatsminister im Auswärtigen Amt ernannt. Er war dort speziell für die Europapolitik zuständig und Verhandlungsführer der deutschen Delegation bei den Regierungsverhandlungen für die Weiterentwicklung des Maastrichter Vertrags. Er schied mit dem Regierungswechsel nach der Bundestagswahl 1998 am 27. Oktober 1998 aus der Regierung aus. Ab Oktober 2009 bekleidete Hoyer das gleiche Amt im Kabinett Merkel II. Anders als in Hoyers erster Amtszeit als Staatsminister wurde unter Bundesaußenminister Guido Westerwelle bewußt auf den einschränkenden Zusatz "für Angelegenheiten der Europäischen Union" verzichtet. Hoyer hatte als Vorsitzender der Europastaatssekretäre und Mitglied im Bundeskabinett eine herausragende Rolle in der Europakoordinierung der Bundesregierung. Das Verhältnis zwischen Hoyer und Westerwelle wurde als angespannt beschrieben. Ein Wechsel Hoyers in ein neues Amt wurde daher immer wahrscheinlicher. Nach Hoyers erfolgloser Bewerbung als Botschafter in Washington wurde er durchgesetzt als deutscher Kandidat für die Position des Präsidenten der Europäischen Investitionsbank. Der Europäische Rat gab im Herbst 2011 grünes Licht für die Kandidatur Hoyers; der Gouverneursrat berief ihn zum 1. Januar 2012 zum EIB-Präsidenten. Am 27. Juli 2017 bestätigte der Rat der Gouverneure der EIB seine Wiederbestellung. 2020 wurde Hoyer zum European Banker of the Year gewählt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte in ihrer Laudatio den Beitrag der EIB-Gruppe zur wirtschaftlichen Stabilität und Entwicklung Europas sowie die Hoyers Rolle an der Spitze der EIB. Anfang September 2023 wurde bekannt, daß Hoyer nach Ende seiner zweiten sechsjährigen Amtszeit als Präsident der EIB zum Jahresende aufhören wolle. Am 8. Dezember 2023 wurde bekannt, daß die Finanzminister der 27 EU-Staaten sich auf die Spanierin Nadia Calviño als Hoyers Nachfolgerin verständigt haben, welche das Amt am 1. Januar 2024 übernahm.
Lydia Maria Hüskens (* 26. März 1964 in Geldern): Sie trat 1989 in die FDP ein. Seit 1994 gehört sie dem Kreisvorstand der FDP Magdeburg an und wurde im März 2009 zur Kreisvorsitzenden gewählt. Daneben ist Hüskens seit 2003 Mitglied des Landesvorstands der FDP Sachsen-Anhalt und wurde im April 2011 zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Seit September 2020 ist sie Mitglied im Präsidium der Bundespartei der FDP. Sie kandidierte für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni 2021 im Landtagswahlkreis 10 (Magdeburg-Nord) und war Spitzenkandidatin der FDP-Landesliste. Auf dem Bundesparteitag der FDP 2023 wurde sie als Beisitzerin in das Präsidium der Bundespartei gewählt. Hüskens ist Autorin des Diskussionspapiers "Zukunft Sachsen-Anhalt" (2004) und gehörte der Grundsatzkommission der FDP Sachsen-Anhalt an, die im April 2008 ein neues Grundsatzprogramm für den sachsen-anhaltischen Landesverband unter dem Titel "Zukunftsland Sachsen-Anhalt" vorlegte. Sie wurde 2010 in die Grundsatzkommission des FDP-Bundesverbands berufen, welche die Karlsruher Freiheitsthesen erarbeitete, die auf dem 63. Ordentlichen Bundesparteitag der FDP am 22. April 2012 in Karlsruhe verabschiedet wurden. Nachdem Frank Sitta als Landesvorsitzender der FDP Sachsen-Anhalt zurückgetreten war, leiteten Marcus Faber und Hüskens seit Ende September 2020 als amtierende Landesvorsitzende den Landesverband. Auf dem Parteitag der FDP-Sachsen-Anhalt im Juli 2021 wurde Hüskens zur alleinigen Landesvorsitzenden gewählt. Im April 2023 wurde sie mit 93 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt bestätigt. Hüskens war von 2002 bis 2011 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt. Dort war sie unter anderem Parlamentarische Geschäftsführerin sowie finanz- und sozialpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Seit den Kommunalwahlen in 2019 ist sie Stadträtin der Landeshauptstadt Magdeburg und seit Oktober 2020 Fraktionsvorsitzende der Fraktion FDP/Tierschutzpartei im Stadtrat. Sie arbeitet im Verwaltungsausschuß der Stadt und im Ausschuß für Kommunales, Rechts- und Bürgerangelegenheiten. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 erhielt sie erneut ein Mandat. Ab Beginn der Legislaturperiode bis zu ihrer Ernennung zur Ministerin war sie kurzzeitig Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag. Im Kabinett Haseloff III ist sie seit dem 16. September 2021 Ministerin für Infrastruktur und Digitales.
Peter Juling (* 1. Juli 1931 in Berlin): Er trat im Oktober 1949 der (West-)Berliner FDP bei. Nach einem Berufseinstieg als Journalist mit verschiedenen Stationen wurde er 1962 in Bonn Redakteur der FDP-Wochenzeitung "Das freie Wort". Als diese 1964 eingestellt wurde, wechselte er als politischer Redakteur zur "Braunschweiger Zeitung", um dann 1972 wieder als Pressereferent und Referent für innerdeutsche Beziehungen in die FDP-Bundesgeschäftsstelle zurückzukehren. Bundesinnenminister Werner Maihofer berief Juling Ende 1975 zum Hilfsreferenten in der Öffentlichkeitsarbeit seines Ministeriums, ehe dieser zum Jahreswechsel 1976/77 als leitender Redakteur der Zeitschrift "Das Parlament" bei der Bundeszentrale für politische Bildung eingestellt wurde. In dieser Position blieb Juling bis zum Eintritt in den Ruhestand im Herbst 1991. Politisch engagierte sich Juling vor allem in den Vorfeldorganisationen der FDP: So war er Mitglied im Liberalen Studentenbund Deutschlands, den er auch im Hochschulparlament der Freien Universität Berlin vertrat. Zudem wirkte er bei den Deutschen Jungdemokraten und vor allem im Verband Liberaler Akademiker, in dessen Präsidium er von 1961 bis 1963 und von 1969 bis 1973 saß und dem er von 1977 bis 1979 als Präses vorstand. Darüber hinaus beriet er über viele Jahre Bundesfachausschüsse der FDP sowie die Kirchenkommission der Partei. Juling gehörte von 1977 bis 1990 dem Beirat der Friedrich-Naumann-Stiftung an und war außerdem Mitglied des Kuratoriums der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung.
Michael Kauch (* 4. Mai 1967 in Dortmund): Er ist seit 1989 Mitglied der FDP. Von 1990 bis 1993 war er stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen in Dortmund und für die Liberalen Studierenden Dortmund (LSD) Mitglied des Studentenparlaments. Von 1993 bis 1995 war er stellvertretender Bundesvorsitzender für Programmatik und von 1995 bis 1999 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen. Von 1998 bis 2022 war er Kreisvorsitzender der FDP Dortmund. Nach 24 Jahren im Amt trat er 2022 nicht erneut an und schlug Nils Mehrer als seinen Nachfolger vor. Dem Kreisvorstand gehört er als Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtrat weiterhin an. Von 1995 bis 2001 gehörte er dem Bundesvorstand der Liberalen an und war Mitglied der Programmkommission zur Erarbeitung des FDP-Grundsatzprogramms "Wiesbadener Grundsätze". Seit dem Jahr 2001 leitet Kauch den Bundesfachausschuß Soziales der FDP. Von 2011 bis 2013 war er erneut Mitglied im Bundesvorstand der FDP, seit 2017 ist er dort ständiger Gast. Am 14. Juni 2003 rückte Kauch für den verstorbenen Abgeordneten Jürgen Möllemann in den Deutschen Bundestag nach, dem er dann bis 2013 angehörte. 2005 und 2009 zog er über die Landesliste Nordrhein-Westfalen der FDP in den Bundestag ein. Hier war er von 2003 bis 2005 Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für nachhaltige Entwicklung und Obmann der FDP-Fraktion in der Enquête-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin". Ab 2005 war er Sprecher der FDP-Fraktion für Umweltpolitik, von 2005 bis 2009 ebenso Sprecher für Palliativ- und Transplantationsmedizin. Am 12. November 2009 wurde Kauch in der FDP-Bundestagsfraktion zum Vorsitzenden des Arbeitskreises V mit den Politikfeldern Verkehr, Bau, Stadtentwicklung, Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gewählt. Zudem war er Obmann der FDP im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Mitglied im Parlamentarischen Beirat zu Fragen der Ethik. Durch das Scheitern seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 war er im 18. Bundestag nicht mehr vertreten. Auf dem Europaparteitag 2019 wurde er auf den Listenplatz acht der FDP für die Europawahl 2019 gewählt. Zunächst verpaßte er den Einzug ins Parlament. Am 1. Januar 2024 rückte er für Nicola Beer ins Europaparlament nach. Er übernahm die Mitgliedschaft im Ausschuß für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) sowie die stellvertretenden Mitgliedschaften in den Ausschüssen für Wirtschaft und Währung (ECON) und Auswärtige Beziehungen (AFET). Die FDP-Delegation machte ihn zu ihrem Sprecher in den vorgenannten Ausschüssen sowie in den Bereichen Recht, Kultur und LSBTI. Kauch war Schattenberichterstatter für ein Gesetzgebungsvorhaben zum erleichterten konsularischen Schutz von nicht-repräsentierten EU-Bürgern in Drittstaaten. Zur Europawahl 2024 trat er nicht wieder an und schied daher mit der konstituierenden Sitzung im Juli 2024 aus dem EU-Parlament aus. Am 17. November 2013 wurde Kauch zum Bundesvorsitzenden der Liberalen Schwulen und Lesben gewählt. Auch im Bundesvorstand der FDP ist er zuständig für die Gleichstellung von LSBTI. Bei den Verhandlungen zur Bildung einer Koalitionsregierung zwischen SPD, Grünen und FDP nach der Bundestagswahl 2021 gehörte Kauch zur Delegation seiner Partei in der Arbeitsgruppe "Gleichstellung und Vielfalt", die von Petra Köpping, Ricarda Lang und Herbert Mertin geleitet wurde. Zu den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2020 war er Kandidat der FDP für den Oberbürgermeister in Dortmund. Seit November 2020 gehört der dem Rat der Stadt Dortmund an und ist Vorsitzender der Ratsfraktion FDP/Bürgerliste.
Wolf Erich Kellner (* 18. September 1930 in Wetzlar; † 6. Juli 1964 in Marburg): Während seines Studiums war er bereits politisch engagiert. 1952 trat er dem Liberalen Studentenbund Deutschlands (LSD), den Jungdemokraten (DJD) und der FDP bei. 1956/57 amtierte er als Landesvorsitzender des Liberalen Studentenbunds Hessen und seit 1961 gehörte er dem Landesvorstand der Jungdemokraten Hessen an. Ein Jahr später wurde er zum Landesvorsitzenden gewählt und war als Beisitzer im Bundesvorstand der Jungdemokraten tätig. Außerdem war er geschäftsführender Kreisvorsitzender der FDP Marburg sowie Mitglied im Landesvorstand der FDP Hessen. Kellner war seit 1958 mit Annelott Scherer verheiratet. Er kam 1964 bei einem Autounfall ums Leben. Zum Andenken an Wolf Erich Kellner rief sein Vater Otto Kellner 1965 die Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung ins Leben. Sie wird treuhänderisch von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verwaltet und vergibt seit 1966 jährlich den Wolf-Erich-Kellner-Preis. Im gleichen Jahr 1965 errichtete Otto Kellner an der Philipps-Universität Marburg die unselbständige "Wolf-Erich-Kellner-Stiftung", weil sein Sohn 1960 an der Philipps-Universität Marburg promoviert worden war. Im Jahre 2005 hob das Präsidium der Universität diese Stiftung auf. Seither werden "unter größtmöglicher Berücksichtigung des Stifterwillens die bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen Mittel so lange für einen jährlich zu verleihenden Preis für eine ausgezeichnete Abschlußarbeit (Dissertation, Magister-, Master- oder Staatsexamensarbeit) in mittelalterlicher Geschichte verwendet, bis sie aufgebraucht sind."
Emilie Kiep-Altenloh geb. Altenloh (* 30. Juli 1888 in Voerde/Westfalen (heute zu Ennepetal): Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie Mitbegründerin der Partei Freier Demokraten (PFD), aus der die FDP Hamburg hervorging. Sie war von 1949 bis 1961 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft. In der zweiten Wahlperiode hatte sie 1951 für zwei Monate das Amt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden inne. Damit war sie die erste Frau, die in Hamburg in den Vorstand einer Bürgerschaftsfraktion gewählt wurde. Von 1953 bis 1961 war sie Senatorin: Im Senat Sieveking (Hamburg-Block, 1953 bis 1957) leitete sie die Sozial- und Jugendbehörde, in den Senaten Brauer III und Nevermann I (sozialliberale Koalition, 1957 bis 1961) die Behörde für Ernährung und Landwirtschaft sowie die Gefängnisbehörde. Anschließend saß sie von 1961 bis 1965 im Deutschen Bundestag. Die FDP Hamburg wählte sie 1972 zu ihrer Ehrenvorsitzenden. Nach ihr ist die 1979 gegründete Dr.-Emilie-Kiep-Altenloh-Stiftung benannt. Sie wird als "große alte Dame des Liberalismus" tituliert.
Klaus Kinkel (* 17. Dezember 1936 in Metzingen; † 4. März 2019 in Sankt Augustin): Er trat 1991 der FDP bei; seinen Antrag auf Aufnahme in die Partei stellte er am 16. Januar, wenige Tage nach seiner Ernennung zum Bundesminister der Justiz. Vom 11. Juni 1993 bis zum 10. Juni 1995 war er Bundesvorsitzender der FDP. In seine Amtszeit als Bundesvorsitzender fielen 14 Wahlen, bei denen die FDP erhebliche Verluste hinnehmen mußte; so verfehlte sie bei zwölf Landtagswahlen und der Europawahl den Einzug ins Parlament. Kinkel kandidierte daher nach Ablauf seiner Amtszeit als Bundesvorsitzender 1995 nicht zur Wiederwahl; sein Nachfolger wurde Wolfgang Gerhardt. Von 1994 bis 2002 war Kinkel Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1998 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Kinkel ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag eingezogen. Von 1979 bis 1982 war er Präsident des Bundesnachrichtendiensts. Im Oktober 1982 wurde er unter Hans A. Engelhard zum Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz ernannt. Nach der Bundestagswahl 1990 wurde er am 18. Januar 1991 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Nach dem Rücktritt von Hans-Dietrich Genscher wurde Kinkel am 18. Mai 1992 zum Bundesminister des Auswärtigen ernannt. Als im Januar 1993 der damalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann von seinem Amt zurücktrat, wurde Kinkel am 21. Januar 1993 zusätzlich Stellvertreter des Bundeskanzlers. Nach der Bundestagswahl 1998 und dem damit einhergehenden Regierungswechsel schied Kinkel am 26. Oktober 1998 aus der Bundesregierung aus. In seinen sechs Jahren als Außenminister hatte er auf 445 Reisen 93 Länder besucht und 687 Tage im Ausland verbracht.
Hartmut Knüppel (* 10. Oktober 1953 in Biberach): Er ist seit 1978 Mitglied der FDP. Von 1984 bis 1985 war er Persönlicher Referent der FDP-Bundesvorsitzenden, Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann. Ab Anfang 1989 verantwortete Knüppel bei der Friedrich-Naumann-Stiftung den Aufbau und die Leitung des Forschungsinstituts. Im Oktober 1992 wurde er Leiter des Instituts für Forschung und Begabtenförderung. Anfang 2000 machte er sich selbständig und gründete gemeinsam mit Christian Lindner in Köln zunächst die knüppel, lindner communications gmbh, eine Agentur für Unternehmenskommunikation, und später ein Internet-Startup. Im FAZ-Verlag publizierten beide das Buch "Die Aktie als Marke", das von der Financial Times Deutschland als Finanzbuch des Jahres ausgezeichnet wurde. Da Lindner bei der Landtagswahl 2000 in Nordrhein-Westfalen als jüngster Abgeordneter in den Landtag gewählt wurde und sich auf seine politische Arbeit konzentrieren wollte, wurde die Agentur geschlossen. Von März 1973 bis März 1975 war Knüppel an der Universität Karlsruhe Ortsvorsitzender des Sozialliberalen Hochschulverbandes (SLH). Von April 1973 bis April 1977 war er Mitglied des Studentenparlaments und des Großen Senats. Zwischen 1975 und 1976 verantwortete er als Chefredakteur die offizielle Karlsruher Studentenzeitung ventil. Von 1976 bis 1977 war Knüppel SLH-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und von Februar 1977 bis März 1978 Mitglied des Engeren Vorstands und gemeinsam mit Liane Pollert und Wolfgang Wirtz gleichberechtigter Bundesvorsitzender des SLH. Knüppel war im März 1980 Mitinitiator und Gründungsmitglied der Jungen Liberalen (JuLis), der späteren Jugendorganisation der FDP, und auf Bundesebene, Bezirksebene und Kreisebene in Bonn aktiv. Im ersten Bundesvorstand war Knüppel von 1980 bis 1981 als Stellvertretender Bundesvorsitzender für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Für den Bundesverband entwarf er die Satzung, das Grundsatzprogramm sowie das Konzept der Ökologischen Marktwirtschaft. Später fand die Ökologische Marktwirtschaft, die zum Markenzeichen der Jungen Liberalen wurde, auch Eingang in die Programmatik der FDP. Knüppel war ein langjähriger Unterstützer von Guido Westerwelle. 2006 gründete er zusammen mit Daniel Bahr, Liane Knüppel, Hans-Joachim Otto, Gisela Piltz, Joachim Stamp und Johannes Vogel den Verein Netzwerk 80 e.V., den Zusammenschlusses aller Bundesvorstandsmitglieder und Bundesgeschäftsführer der Jungen Liberalen seit 1980. Seit September 2018 ist er Mitglied des FDP-Bundesfachausschusses Wirtschaft und Energie.
Christian Koch (* 10. Mai 1878 in Hamburg; † 30. Oktober 1955 ebenda): Er wurde am 20. September 1945 Gründungsvorsitzender der Partei Freier Demokraten (PFD), die in Anlehnung an die Weimarer DDP und als Weiterführung eines Widerstands- und Nachkriegs-Bundes Freies Hamburg gegründet wurde. Aus der PFD bildete sich in der britischen Zone ein halbes Jahr später die FDP. 1946 wurde er zum 2. Bürgermeister im Senat Max Brauer gewählt. Seine Amtszeit dauerte vom 15. November 1946 bis zum 28. Februar 1950. Gleichzeitig war er Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Die FDP schloß ihn am 11. Oktober 1949 aus, so daß er für viereinhalb Monate als parteiloser Senator seine Arbeit fortsetzte. Er leitete die Gefängnisbehörde der Stadt Hamburg und setzte sich ein weiteres Mal erfolgreich für einen humanen Strafvollzug ein.
Waldemar Koch (* 25. September 1880 in Harzburg; † 15. Mai 1963 in Berlin): Im Juni 1945 war er Hauptinitiator der Gründung und ab Juli erster Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDP). Wegen innerparteilicher Streitereien insbesondere in der Frage der Bodenreform und auf Betreiben der Sowjetischen Militäradministration gab er schon im November 1945 den Vorsitz an Wilhelm Külz ab. 1948 wurde Koch aus der LDP ausgeschlossen, siedelte nach West-Berlin über und wurde Mitglied der FDP. Von 1949 bis 1953 dozierte er als Professor für Betriebswirtschaftslehre an der TH Berlin. 1956 trat er aus der FDP aus.
Hellmut Georg Richard Königshaus (* 28. Juli 1950 in Ost-Berlin): Seit 1985 ist er Mitglied der FDP. Königshaus gehörte seit 1995 dem FDP-Landesvorstand in Berlin an. Von 1996 bis 1997 war er stellvertretender Landesvorsitzender der FDP und von 1997 bis 2004 Justitiar des FDP-Landesverbands Berlin. Im Bereich der Bundespartei nahm er unterschiedliche Funktionen wahr, zuletzt als Vorsitzender des Bundesfachausschusses Außenpolitik. Nach Beginn seiner Amtszeit als Wehrbeauftragter nahm er keine Parteifunktionen mehr wahr. Von 1990 bis 1993 gehörte Königshaus der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Steglitz an. Am 20. August 2004 rückte er für den verstorbenen Abgeordneten Günter Rexrodt in den Bundestag nach. Bei der Bundestagswahl 2009 konnte er erneut über die Landesliste Berlin ein Mandat erringen. Er war 2004/2005 Mitglied des Petitionsausschusses sowie Obmann und Sprecher der FDP-Fraktion im Ausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Von 2005 bis 2009 war Königshaus Obmann und Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ab September 2009 war er ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuß. Er vertrat die FDP in drei Untersuchungsausschüssen, nämlich 2004/2005 als Obmann des sogenannten Visa-Ausschusses, ab 2005 im "BND-Ausschuß" und war bis zur Übernahme des Amts des Wehrbeauftragten als Mitglied des Verteidigungsausschusses Sprecher der FDP im Untersuchungsausschuß zur sogenannten Kundus-Affäre. Er war Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag. Am 25. März 2010 wurde Königshaus vom Deutschen Bundestag als Nachfolger des SPD-Politikers Reinhold Robbe zum Wehrbeauftragten des Bundestages gewählt. Dieses Amt trat er am 20. Mai 2010 an und schied gleichzeitig aus dem Bundestag aus. Für ihn rückte Holger Krestel nach. Königshaus’ Amtszeit endete im Mai 2015. "Wenn Königshaus […] im Mai ausscheidet, kann man ihn getrost den erfolgreichsten FDP-Bundespolitiker der letzten Jahre nennen“, schrieb Nico Fried im Januar 2015 anläßlich der Vorstellung des letzten Jahresberichts von Königshaus. "Genervt hat ja so mancher Liberale, aber bei Königshaus hat es wenigstens etwas bewirkt." Sein Nachfolger wurde Hans-Peter Bartels, der am 18. Dezember 2014 vom Deutschen Bundestag dafür gewählt wurde. 1990 bis 2004 nahm Königshaus verschiedene Funktionen in unterschiedlichen Selbstverwaltungsorganisationen der Wirtschaft wahr. Er war über viele Jahre Mitglied, über 10 Jahre Vorsitzender des Umweltausschusses der Industrie- und Handelskammer Berlin und Mitglied des Umweltausschusses des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sowie des Energieausschusses des BDI und von 2002 bis 2004 Vorsitzender der "Task-Force Daseinsvorsorge" des Europäischen Industrie-Dachverbands UNICE. Von 2003 bis 2007 war Königshaus zudem Vorsitzender der "Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem" in Berlin. Von 2004 bis 2010 gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Kuratorium der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" an. Zwischen 2006 und 2010 war er Mitglied im Kuratorium der "Georg Kraus Stiftung", Mitglied im Kuratorium von "InWelt" sowie Mitglied im Aufsichtsrat des "Zentrums für Internationale Friedenseinsätze" (ZIF). Er ist derzeit Mitglied im Vorstand der Oberst Schöttler Versehrten-Stiftung, die sich um Verwundete und Hinterbliebene von Gefallenen kümmert, und Mitglied der Freien Demokratischen Wohlfahrt (FDW), einem Sozialverband. Am 15. November 2015 wählte ihn die Hauptversammlung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nach dem Rücktritt von Reinhold Robbe zu ihrem Präsidenten.
Moritz Heimo Körner (* 3. August 1990 in Wiesbaden): Im Jahr 2008 trat er der FDP sowie den Jungen Liberalen (JuLis) bei. Bei den JuLis war er von 2008 bis 2011 Kreisvorsitzender in Mettmann. Außerdem ist er seit 2009 stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP im Kreis Mettmann und war Mitglied der FDP-Kreistagsfraktion. In seiner Heimatstadt Langenfeld (Rheinland) ist Körner Vorsitzender der FDP. Von 2010 bis 2018 war Körner Mitglied des Landesvorstands der JuLis in Nordrhein-Westfalen und amtierte seit 2013 als Landesvorsitzender. Seit 2014 ist er gewähltes Mitglied im Landesvorstand der FDP in Nordrhein-Westfalen. Zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 kandidierte Körner im Wahlkreis Mettmann I und als Spitzenkandidat der JuLis NRW auf Platz 16 der Landesliste der FDP Nordrhein-Westfalen. Nach der Wahl zog er über die Liste in das Düsseldorfer Parlament ein und war dabei der jüngste Abgeordnete des Landtags zu Beginn der 17. Legislaturperiode. Innerhalb der Landtagsfraktion war er hochschulpolitischer Sprecher sowie Sprecher im Untersuchungsausschuß zum Fall Amri. Im November 2018 wählte der Landesverband der FDP in Nordrhein-Westfalen Körner zu seinem Spitzenkandidaten für die Europawahl 2019. Auf dem Europaparteitag 2019 der FDP wurde er schließlich auf den aussichtsreichen Listenplatz vier seiner Partei aufgestellt. Er wurde am 26. Mai 2019 erfolgreich in das Europäische Parlament gewählt. Für ihn rückte am 27. Juni 2019 Daniela Beihl in den Landtag nach. Bei der Europawahl 2024 wurde Körner erneut ins Europäische Parlament gewählt. Körner gehört dem Haushaltsausschuß und dem Ausschuß für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des Europäischen Parlaments an. Darüber hinaus ist er für Renew Europe Mitglied in der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China und stellvertretendes Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu Indien. Zudem ist er Mitglied der interfraktionelle Arbeitsgruppen des EU-Parlaments in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Digitalisierung, SEARICA (Meere, Flüsse, Inseln und Küstengebiete), Sozialwirtschaft, LGTBI, Wohlergehen und Erhaltung von Tieren, Städtisches Umfeld, Korruptionsbekämpfung sowie Wein, Spirituosen und Lebensmittel. Am 10. Januar 2022 schlug der NRW-Landesvorsitzende Joachim Stamp Körner als Generalsekretär der FDP Nordrhein-Westfalen vor. Körner wurde am 2. April 2022 auf dem 75. ordentlichen Landesparteitag der FDP NRW mit 79,8 Prozent zum Generalsekretär gewählt, als Nachfolger von Johannes Vogel, der nicht mehr antrat.
Karl-Hans Laermann (* 26. Dezember 1929 in Kaulhausen, Kreis Erkelenz; † 26. Juni 2024 in Mönchengladbach): Seit 1968 war er Mitglied der FDP. Von 1981 bis 1994 war er Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Forschung und Technologie der FDP. Von 1974 bis 1998 war Laermann Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1977 bis 1994 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung. Am 4. Februar 1994 wurde Laermann als Nachfolger des zurückgetretenen Rainer Ortleb zum Bundesminister für Bildung und Wissenschaft ernannt. Nach der Bundestagswahl 1994, bei der die FDP an Stimmen verlor, wurde "sein" Ministerium Teil des neu gegründeten "Zukunftsministeriums" für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie unter der Leitung von Jürgen Rüttgers, so daß Laermann schon am 17. November 1994 wieder aus der Bundesregierung ausschied. Von 1984 bis 2011 war er Mitglied, zeitweise stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Dabei war er von 1997 bis 2011 Vorsitzender des Programmausschusses des Kuratoriums. Zudem war er Mitglied des Kuratoriums der Wolfgang-Döring-Stiftung.
Alexander Sebastian Léonce von der Wenge Graf Lambsdorff (* 5. November 1966 in Köln): Für die Friedrich-Naumann-Stiftung arbeitete er 1994/1995 an einem Projekt zur kommunalen Selbstverwaltung in Tallinn, Estland. Ab 1995 absolvierte er eine Attachéausbildung im Auswärtigen Amt und war ab 1997 im Planungsstab des Auswärtigen Amts tätig. 1998/1999 war er Büroleiter bei Klaus Kinkel im Deutschen Bundestag. Von 2000 bis 2003 arbeitete Lambsdorff im Pressereferat in der Deutschen Botschaft Washington, D.C. Ab Sommer 2003 war er in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes tätig und Länderreferent für Rußland. Neben seiner beruflichen Tätigkeit bekleidete Lambsdorff verschiedene Parteiämter der FDP auf Orts-, Kreis- und Bezirksebene. Im Mai 2000 kandidierte er erfolglos für die Bonner FDP für den Landtag Nordrhein-Westfalen. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit Guido Westerwelle den Internet-Landesverband der FDP (fdp-lv-net), dessen Vorsitzender er bis 2005 war. Zudem wurde er stellvertretender Vorsitzender des Bundesfachausschusses Internationale Politik und als Leiter des Europaausschusses im BFA für die europapolitische Programmatik der FDP verantwortlich. 2001 wurde er Mitglied im FDP-Bundesvorstand. 2006 war er Initiator und Gründungsmitglied der German European Security Association. Bei der Europawahl 2004 wurde Lambsdorff in das Europäische Parlament gewählt und gab daraufhin seine Stelle im Auswärtigen Amt auf. Im Parlament schloß er sich wie alle FDP-Mitglieder der neu gegründeten Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) an. Zudem wurde er Stellvertretender Vorsitzender im Ausschuß für Binnenmarkt und Verbraucherschutz und stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten sowie in dessen Unterausschuß für Sicherheit und Verteidigung. Außerdem war er Mitglied der Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und stellvertretendes Mitglied in der Delegation für die Beziehungen zu Japan sowie stellvertretender Vorsitzender der FDP-Delegation im Europäischen Parlament. Lambsdorff leitete die EU-Wahlbeobachtungsmissionen 2007 in Kenia, 2008 in Bangladesch und 2010 in Guinea. Bei der Europawahl in Deutschland 2009 wurde er auf Platz 2 der FDP-Liste hinter Silvana Koch-Mehrin wiedergewählt. Er wurde daraufhin erster Stellvertretender Vorsitzender der ALDE-Fraktion sowie Mitglied im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten und stellvertretendes Mitglied im Unterausschuß für Sicherheit und Verteidigung. Außerdem gehört er der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China an und ist Stellvertreter in den Delegationen im Gemischten Parlamentarischen Ausschuß (GPA) EU-Türkei und in der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung AKP-EU. Nach dem Rücktritt von Silvana Koch-Mehrin von ihren Ämtern als FDP-Delegationsleiterin und als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments kündigte Lambsdorff an, als ihr Nachfolger in diesen Ämtern zu kandidieren. Tatsächlich wurde er zum neuen Delegationsleiter gewählt, allerdings im Rahmen einer Vereinbarung, dieses Amt 2012 an Alexander Alvaro weiterzugeben. Im Rahmen der Kritik am Verhalten von Außenminister Westerwelle im Libyen-Konflikt wurde Lambsdorff als dessen Nachfolger gehandelt. Lambsdorff ist Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Europäisches Parlament. Im Januar 2014 wurde er auf dem Europaparteitag zum Spitzenkandidaten der FDP für die Europawahl in Deutschland 2014 gewählt. Im Dezember 2014 forderte Lambsdorff, neben Deutsch die englische Sprache als Verwaltungs- und später als Amtssprache in Deutschland zuzulassen, um die Bedingungen für qualifizierte Einwanderer zu verbessern, den Fachkräftemangel abzuwenden und Investitionen zu erleichtern. Im November 2015 forderte Lambsdorff, die Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei mit der Europäischen Union zu beenden. "Wir sollten uns ehrlich machen und den Beitrittsprozeß beenden", äußerte er in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Für die Bundestagswahl 2017 kandidierte Lambsdorff auf Platz 3 der Landesliste der FDP für Nordrhein-Westfalen und im Bundestagswahlkreis Bonn. Durch den Wiedereinzug der Partei in das deutsche Parlament wurde Lambsdorff Mitglied im 19. Deutschen Bundestag. Damit verlor er gleichzeitig sein Mandat im Europaparlament. Von der FDP-Fraktion wurde er im Bundestag zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden mit der Zuständigkeit Außenpolitik gewählt. Im 19. Deutschen Bundestag war Lambsdorff stellvertretendes Mitglied im Gemeinsamen Ausschuß, im Verteidigungsausschuß, im Auswärtigen Ausschuß, im Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie im Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Bei der Bundestagswahl 2021 konnte Lambsdorff sein Mandat über die Landesliste verteidigen. Am 7. Dezember 2021 wurde er erneut zum stellvertretenden Vorsitzenden seiner Fraktion und am 24. März 2022 zum Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes gewählt. Lambsdorff forderte eine stärkere militärische Unterstützung für die Ukraine nach der Eskalation des russischen Angriffs auf das Land im Februar 2022. Er kritisierte Ostermarschierer, die forderten, die Ukraine lediglich "gewaltfrei zu unterstützen". Nach seinen Worten "spucken sie den Verteidigern Kiews und Charkiws ins Gesicht". Am 7. August 2023 legte Lambsdorff sein Bundestagsmandat nieder, um sein Amt als deutscher Botschafter in Moskau anzutreten. Für ihn rückte Katharina Willkomm in den Bundestag nach. Er übergab am 4. Dezember 2023 Präsident Wladimir Putin sein Beglaubigungsschreiben. Lambsdorff ist Gründungsmitglied der Deutsch-Türkischen Stiftung (DTS) in Hamburg und der Atlantischen Initiative, eines Mitgliedsvereins des Verbands der Deutsch-Amerikanischen Clubs (VDAC). Außerdem ist er Vorsitzender des Exekutivkomitees des Europäischen Demokratiefonds (EED), Mitglied der Atlantik-Brücke, Mitglied der Europa-Union Deutschland und des Transatlantic Policy Network. Er gehört seit 2009 dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an und seit 2022 dem Kuratorium der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Während seines Studiums renoncierte er beim Corps Palatia Bonn. Er ist als Alter Herr Mitglied dieser Studentenverbindung.
Ralph Lange (* 1967 in Lüdenscheid): Er wurde im März 1993 auf dem 7. Bundeskongreß der JuLis in Essen zum Bundesvorsitzenden und damit zum Nachfolger Birgit Homburgers gewählt. Mit Lange an der Spitze verschärfte sich die Kritik und Distanz zur Mutterpartei FDP erheblich, zumal Lange nicht wie Homburger Mitglied der Bundestagsfraktion und damit anderen Loyalitäten verpflichtet war. Die JuLis kritisierten medienwirksam die "Umfaller" der FDP bei der Pflegeversicherung und die Versuche eines Großteils der Bundestagsfraktion um den Rechtspolitiker Detlef Kleinert, die FDP auf den "Großen Lauschangriff" vorzubereiten. Auch gegen nationalliberale Tendenzen in der FDP ging Lange massiv vor, insbesondere gegen Alexander von Stahl und den hessischen Landtagsabgeordneten Heiner Kappel. Gegen den Widerstand Otto Graf Lambsdorffs, aber mit Unterstützung Hans-Dietrich Genschers faßte der FDP-Bundesvorstand auf Antrag Langes den Beschluß, den Ausschluß der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs aus der Liberalen Internationale zu unterstützen. Feierten Langes JuLis anfangs noch die Wahl Klaus Kinkels zum Bundesvorsitzenden der FDP, so rückten sie ihn bald immer stärker ins Zentrum ihrer Kritik, auch in der Menschenrechtspolitik. Als 1994 der damalige chinesische Ministerpräsident auf Staatsbesuch in Deutschland war, demonstrierten die JuLis, angeführt von Lange und der JuLi-Pressesprecherin Silvana Koch-Mehrin mit einer Freiheitsstatue am Tegernsee. Daraufhin ließ der Ministerpräsident diesen Teil des Staatsbesuchs ausfallen. Die Staatsanwaltschaft in München sah die Aktion als nicht angemeldete öffentliche Versammlung an und verhängte ein Bußgeld. Vor der Bundestagswahl 1994 nahm innerhalb der Jugendorganisation die Kritik an der FDP-Führung zwar nicht ab, der Wunsch nach einem geschlossenen Auftreten gegenüber dem politischen Gegner aber zu. Die Öffentlichkeit nahm in dieser Zeit weniger seinen Einsatz im Bundestagswahlkampf als seine Kritik an Kinkel zur Kenntnis. Wenige Tage vor der Wahl formulierte Lange in einer Pressekonferenz eine Art Sechs-Prozent-Hürde: Wenn Kinkel diese verfehle, müsse er als FDP-Chef zurücktreten. Nach der Bundestagswahl verstärkte Langes Rede auf dem FDP-Bundesparteitag in Gera Kinkels Demontage, da sie die Stimmung der Delegierten traf. Wolfgang Gerhardt stand schon als Nachfolger bereit. Kinkel gewann nach Intervention von großen Teilen der Parteiführung und auch der Parteilinken (sog. Freiburger Kreis) die Vertrauensabstimmung knapp und blieb noch ein halbes Jahr im Amt. Auf dem 10. Bundeskongreß in Bad Salzuflen wählten die Jungen Liberalen Michael Kauch zum Bundesvorsitzenden, der einen diplomatischeren Ton anschlug. Lange war außerdem Listenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 1990 und Weseler Kommunalpolitiker - u. a. als FDP-Kreisvorsitzender. Ralph Lange lebt heute als freiberuflicher Programmierer in Frankfurt am Main und war dort stellvertretender Ortsvorsitzender der FDP bis 2020. Im November 2023 gehörte Lange zu den Erstunterzeichnern eines bundesweiten Aufrufes von FDP-Mitgliedern für den Verbleib in der Koalition aus SPD, Grüne und FDP. Ralph Lange wurde 2023 von der Stadtverordnetenversammlung der mittelhessischen Stadt Laubach zu einem der beiden Radwegebeauftragten ernannt und 2024 wieder entbunden.
Ulrich Lechte (* 26. August 1977 in Sinsheim): Er trat 1998 den Jungen Liberalen (JuLis), der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) und der FDP bei. Im Jahr 2000 wurde er zum Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen Bayern gewählt, denen er bis 2004 vorstand. Zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden der FDP Regensburg-Stadt wurde er 2002 gewählt und verblieb in dieser Position bis 2013, als er zum Vorsitzenden des Kreisverbands Regensburg-Stadt gewählt wurde. Lechte ist Gründungsmitglied der LiSL 2010. 2016 wurde Lechte Ehrenmitglied der JuLis Regensburg 2016. Seit 2005 war er Bezirksschriftführer für die FDP in der Oberpfalz. 2018 wurde Lechte zum Bezirksvorsitzenden der FDP Oberpfalz. Lechte war von 2015 bis 2019 Schatzmeister der FDP Bayern. Beim Landesparteitag der FDP Bayern im November 2019 wurde er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt, 2021 wiedergewählt und im November 2023 bestätigt. Lechte ist Gründungsmitglied der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern (LiSL) und war von 2020 bis Ende 2022 im Vorstand tätig. Zur Bundestagswahl am 24. September 2017 zog Lechte über die Landesliste der FDP Bayern in den 19. Deutschen Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2021 wurde Lechte erneut in den Bundestag gewählt. Er zog über die Landesliste der FDP Bayern in den 20. Bundestag ein. Er ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuß des Deutschen Bundestages, in dem er als Obmann der FDP-Bundestagsfraktion fungiert. Im Februar 2022 wurde Lechte zum Sprecher für Außenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Lechte ist außerdem seit 2019 Schriftführer im Deutschen Bundestag und Delegationsmitglied der Interparlamentarischen Union (IPU) des Deutschen Bundestages. Er gehört zudem dem Unterausschuß Vereinte Nationen, internationale Organisationen und zivile Krisenprävention sowie dem Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe als stellvertretendes Mitglied an. Bei der IPU-Versammlung in Doha im April 2019 wurde er von der geopolitischen Gruppe der 12+ in den Vorstand der Jungen Parlamentarier gewählt. Seit April 2023 ist er der hauptamtliche Vertreter der FDP-Bundestagsfraktion bei der IPU. Lechte ist darüber hinaus stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Ägyptischen Parlamentariergruppe sowie Mitglied der Parlamentariergruppe Parlamentarischer Freundeskreis Berlin-Taipeh und der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages. Zur vorgezogenen Neuwahl des Bundestages tritt Lechte auf dem Listenplatz 11 der FDP-Bayern an.
Heinrich-Ludwig Alexander Karl Robert Freiherr von Lersner (* 14. Juli 1930 in Stuttgart; † 26. August 2014 in Berlin): Er war zunächst bei verschiedenen Landratsämtern tätig und wurde dann als FDP-Mitglied an das Bundesinnenministerium in Bonn abgeordnet. Dort übernahm er Anfang der 1970er Jahre die Leitung der Unterabteilung Wasser/Abfall. 1972 beauftragte ihn das Bundeskabinett mit der Gründung des Umweltbundesamts, das in Berlin angesiedelt wurde. Von 1974 bis 1995 war er Präsident des Umweltbundesamts.
Markus Löning (* 2. Juli 1960 in Meppen): Seit 1989 ist er Mitglied der FDP und gehörte seit 1995 dem Landesvorstand der FDP in Berlin an. Er wurde 2000 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden und 2004 schließlich zum Landesvorsitzenden der FDP Berlin gewählt. Von 2001 bis 2011 gehörte er außerdem dem FDP-Bundesvorstand an. Nachdem er 2009 die Wahl um die Spitzenkandidatur in Berlin verloren hatte, teilte Löning am 25. Januar 2010 seinem Landesverband mit, auf dem Parteitag im März 2010 nicht mehr für den Landesvorstand zu kandidieren. Sein Nachfolger als Vorsitzender des FDP-Landesverbandes Berlin wurde Christoph Meyer. Von 2005 bis 2011 war Löning Vizepräsident der Europäischen Liberaldemokratischen Partei (ELDR). 2012 wurde er als Vizepräsident in den Vorstand der Liberalen Internationale gewählt. Er ist außerdem Vorsitzender des globalen Human Rights Committee der Liberalen Internationale. 2017 wurde Löning erneut zum Vizepräsidenten der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE, ehemals ELDR) gewählt. Von 2002 bis 2009 war Löning Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war als Mitglied des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union europapolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Vorsitzender der Deutsch-belgisch-luxemburgischen Parlamentariergruppe. Auf der Landesvertreterversammlung am 28. März 2009 kandidierte Löning erneut für die Spitzenkandidatur der Berliner FDP, also Landeslistenplatz 1, für den Deutschen Bundestag, unterlag dabei jedoch Martin Lindner mit 133 zu 214 Stimmen und trat danach nicht mehr an. Von April 2010 bis Januar 2014 war Löning Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. Löning vertrat die deutsche Menschenrechtspolitik gegenüber Regierungsmitgliedern und Parlamentariern weltweit. Markus Löning bereiste über 70 Länder in Europa, Afrika, Asien und die USA und besuchte auch diverse Gefängnisse, Flüchtlingslager und Katastrophengebiete. Volker Beck lobte im November 2011 Lönings Amtsführung als "beherzt", "engagiert" und "couragiert. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist dies schon eine gewaltige Verbesserung". Unter anderem hat er sich dafür eingesetzt, daß die Asylverfahren für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge vereinfacht werden soll. Im September 2013 In Hannover ist ein Flugzeug mit den ersten 107 von insgesamt 5000 Syrern gelandet, die Deutschland in einer Sonderaktion aufnimmt.
Marie-Elisabeth Lüders (* 25. Juni 1878 in Berlin; † 23. März 1966 in West-Berlin): 1918 war sie Gründungsmitglied der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), deren Vorstand sie auf Reichsebene angehörte. Im Herbst 1919 rückte sie für den im August verstorbenen Friedrich Naumann als Abgeordnete der DDP in den Reichstag nach, dem sie von 1919 bis 1921 und von 1924 bis 1930 angehörte. Sie setzte sich dort insbesondere für sozial-, gesundheits- und wohnungspolitische Belange ein, oft in Zusammenarbeit mit ihrer sozialdemokratischen Kollegin Louise Schroeder. 1930 kandidierte Lüders nicht erneut für den Reichstag. Grund dafür war vermutlich ihre scharfe Kritik am Zusammenschluß der DDP mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei (DStP), worauf ihr in der Folge kein aussichtsreicher Listenplatz mehr angeboten worden war. Bis 1933 schrieb sie noch Zeitungsartikel und hielt Vorträge, die sich unter anderem kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzten. Mit der Groß-Berliner Wahl von 1948 wurde Lüders für die Liberal-Demokratische Partei (LDP) in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, welche zu diesem Zeitpunkt im sowjetischen Sektor nicht mehr anerkannt wurde. Die LDP der Westsektoren wurde Anfang 1949 zum FDP-Landesverband Berlin. 1949 beteiligte sie sich an der Wiedergründung des Akademikerinnenbunds. 1949 bis 1951 bekleidete sie das Amt einer Stadträtin für Sozialwesen in West-Berlin. Von 1949 bis 1955 gehörte Lüders als erste Frau überhaupt dem Hauptdeputationsausschuß des Deutschen Juristentags an. Lüders war außerdem Mitglied des Deutschen Juristinnenbunds. Von 1950 bis zu ihrem Tod war sie Mitglied im FDP-Bundesvorstand, ab 1957 als Ehrenpräsidentin. Von 1953 bis 1961 gehörte Lüders dem Deutschen Bundestag an. Sowohl 1953 als auch 1957 fungierte sie, obwohl nur zweitälteste Abgeordnete, als Alterspräsidentin des Parlaments, da Bundeskanzler Konrad Adenauer auf dieses Privileg verzichtete. Im Bundestag sorgte sie für eine gesetzliche Regelung, die die Rechtsstellung deutscher Frauen sichert, die mit Ausländern verheiratet sind (sog. "Lex Lüders"). Lüders nahm an der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1954 zwar nicht als Kandidatin teil, aber sie erhielt dennoch eine Stimme und war damit die erste Frau, die hier passiv in Erscheinung trat. 1952 zeichnete Bundespräsident Theodor Heuss Lüders mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland aus. Am 25. Juni 1958 wurde ihr die Ehrenbürgerwürde Berlins verliehen. Nach ihr sind das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestags sowie eine Straße und die Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule in Berlin-Schöneberg benannt. Lüders wurde 1969 und 1997 auf deutschen Briefmarken abgebildet. Seit 2009 verleiht der Deutsche Juristinnenbund den Marie-Elisabeth-Lüders-Wissenschaftspreis für rechts- oder wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten zum Bereich Recht und Geschlecht und dem Thema Gleichstellung von Frau und Mann.
Anita Maaß (* 8. Juli 1976 in Oschatz): Bei ihrem Amtsantritt 2005 als hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Lommatzsch war sie die jüngste Bürgermeisterin einer Stadt in Sachsen. Sie wurde 2012 mit 79,89 Prozent der Stimmen in ihrem Amt bestätigt. Am 1. September 2019 wurde sie mit 93,0 Prozent der Stimmen erneut in ihrem Amt bestätigt - bei einer Wahlbeteiligung von rund 65 Prozent. Maaß ist stellvertretende Kreisvorsitzende des FDP-Kreisverbands Meißen. Bei der Kommunalwahl 2009 wurde sie in den Kreistag Meißen gewählt. Nach der Wahl 2014 war sie bis 2019 Fraktionsvorsitzende der FDP/FW-Fraktion. Sie ist seitdem Schatzmeisterin der Kreistagsfraktion. Von 2009 bis 2014 war sie Mitglied im Landesvorstand der FDP Sachsen. Seit 2021 ist sie die Vorsitzende des Landesverbands. Für die Bundestagswahl 2025 tritt Maaß auf Platz fünf der Landesliste der FDP Sachsen an. Seit Oktober 2013 ist Maaß Mitglied im Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Seit 2014 ist sie Mitglied im Programmausschuß des Kuratoriums mit dem Schwerpunkt auf die Bildungsarbeit für die neuen Länder.
Reinhold Otto Maier (* 16. Oktober 1889 in Schorndorf; † 19. August 1971 in Stuttgart): 1945 beteiligte er sich an der Gründung der Demokratischen Volkspartei (DVP), die nicht mit der unter gleicher Abkürzung bekannten Deutschen Volkspartei der Weimarer Republik verwechselt werden darf. Die DVP schloß sich 1948 der FDP an, deren Fraktion im Stuttgarter Landtag bis heute FDP/DVP als Bezeichnung führt. Nach der Bildung der Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE unter seiner Führung in Baden-Württemberg 1952 beantragte der hessische FDP-Landesverband den Parteiausschluß von Maier und des Landesvorsitzenden Wolfgang Haußmann sowie die Trennung der FDP von der DVP, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Lediglich zu einer Mißbilligung der Koalition im Südweststaat konnte sich der Bundeshauptausschuß der FDP durchringen. Von 1957 bis 1960 war Maier Bundesvorsitzender der FDP, anschließend bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender. Von 1958 bis 1971 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Maier war von 1932 bis 1933 Reichstagsabgeordneter für die Deutsche Staatspartei. Gleichzeitig gehörte er von 1932 bis 1933 dem württembergischen Landtag an. Am 23. März 1933 stimmte er zusammen mit den anderen vier liberalen Reichstagsabgeordneten Hermann Dietrich, Theodor Heuss, Heinrich Landahl und Ernst Lemmer für das Ermächtigungsgesetz. Er begründete dies in einer Rede, die mit dem Satz endete: "Im Interesse von Volk und Vaterland und in der Erwartung einer gesetzmäßigen Entwicklung werden wir unsere ernsten Bedenken zurückstellen und dem Ermächtigungsgesetz zustimmen." Nach den Angaben von Theodor Heuss in seinen Erinnerungen waren die fünf liberalen Reichstagsabgeordneten zunächst in Bezug auf das so genannte Ermächtigungsgesetz uneins gewesen. Die Ausschußsitzung der Staatspartei hatte ihnen die Entscheidung überlassen, jedoch mit der Bitte, einheitlich abzustimmen. Heuss hatte zwei Erklärungen formuliert, eine für Ablehnung, eine für Enthaltung. An seiner Seite stand jedoch nur Hermann Dietrich; Heinrich Landahl, Ernst Lemmer und Maier votierten innerhalb der Reichstagsgruppe für die Zustimmung. Heuss und Dietrich wurden überstimmt, so daß dann alle liberalen Abgeordneten für das Ermächtigungsgesetz stimmten. Die Ablehnungserklärung von Heuss ist nicht überliefert. Die Enthaltungserklärung befindet sich im Original im Theodor-Heuss-Archiv, Stuttgart. Maier lehnte sich dann im Text der Zustimmungserklärung, die er am 23. März 1933 verlas, teilweise an diesen Entwurf an. Von 1945 bis 1949 war Maier Mitglied im Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebiets und später auch dem der Bizone. Von 1946 bis 1952 war er Mitglied des Landtags von Württemberg-Baden. Von 1952 bis 1964 gehörte Maier dem Landtag von Baden-Württemberg an. Von 1953 bis zum 14. Mai 1956 und von 1957 bis zum 30. September 1959 war Maier Bundestagsabgeordneter. Von 1930 bis 1933 war Maier Wirtschaftsminister in Württemberg, im Kabinett des Staatspräsidenten Eugen Bolz. Nach Kriegsende wurde Maier zunächst kurzzeitig Assistent des Landrats von Schwäbisch Gmünd Konrad Burkhardt, bevor er noch 1945 von der amerikanischen Militärregierung das Amt des Ministerpräsidenten von Württemberg-Baden übertragen bekam, das er bis zur Auflösung des Landes 1952 innehatte. Am 23. Mai 1949 unterzeichnete Maier als Ministerpräsident des Landes Württemberg-Baden mit anderen die Urschrift des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Am 25. April 1952 wurde Maier (FDP/DVP) von der Verfassunggebenden Landesversammlung zum Ministerpräsidenten des neu gebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg gewählt. Überraschend bildete Maier nach seiner Wahl eine Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE und schickte die CDU als stärkste Partei in die Opposition. Vom 7. September 1952 bis zum 6. September 1953 war er Präsident des Bundesrates. 1953 war Maier kurzzeitig auch baden-württembergischer Justizminister. Als die CDU bei der Bundestagswahl vom 6. September 1953 in Baden-Württemberg die absolute Mehrheit erzielte, trat Maier vom Amt des Ministerpräsidenten zurück, sein Nachfolger wurde am 7. Oktober 1953 Gebhard Müller. Maier ging nach Bonn, um sein Bundestagsmandat wahrzunehmen. Maier war fast 70 Jahre lang der einzige FDP-Politiker, der Regierungschef eines noch heute existierenden deutschen Bundeslandes war. Erst 2020 wurde mit Thomas Kemmerich wieder ein Mitglied der FDP Ministerpräsident. Dieser war mit 27 Tagen Amtszeit in Thüringen der Regierungschef eines deutschen Landes mit der kürzesten Regierungszeit.
Bruno Menzel (* 25. Februar 1932 in Dessau; † 14. September 1996 ebenda): Politisch wurde er im Verlauf der Wende in der DDR aktiv. Im Januar 1990 gehörte er zu den Mitbegründern der DDR-FDP, deren Vorsitz er im folgenden Monat übernahm. Der Partei gelang es jedoch nicht, größere Bedeutung als die ehemalige liberale Blockpartei LDPD zu gewinnen, weshalb diese als erster Ansprechpartner für die West-FDP galt. Wenig später schloß sich die DDR-FDP mit der LDPD und der Deutschen Forumpartei für die Volkskammerwahl am 18. März zum Bund Freier Demokraten zusammen. Menzel wurde auch in die Volkskammer gewählt, gab jedoch sein Mandat zurück, um sich verstärkt der Parteiarbeit widmen zu können. Nach dem Zusammengehen mit den West-Liberalen zur gesamtdeutschen FDP wurde Bruno Menzel deren stellvertretender Vorsitzender, was er bis 1991 blieb. Bei der Bundestagswahl im Dezember 1990 wurde er über die Landesliste Sachsen-Anhalt ins Parlament gewählt. Dort fungierte er als stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion. Auf dem Vereinigungsparteitag im August 1990 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des FDP-Bundesvorstands gewählt. Diese Funktion übte er bis 1992 aus. Auf den Parteitagen 1993 und 1995 wurde er als Beisitzer in den Bundesvorstand gewählt. 1994 schied er aus dem Bundestag aus. Im selben Jahr wurde er Landesvorsitzender der FDP in Sachsen-Anhalt; 1995 gab er diesen Posten ab. Von 1990 bis 1994 war Menzel auch Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats und in der Versammlung der Westeuropäischen Union.
Friedrich Adolf Wolfgang Mischnick (* 29. September 1921 in Dresden; † 6. Oktober 2002 in Bad Soden am Taunus): Nach Kriegsende gehörte er zu den Mitbegründern der LDP in Dresden. Er wurde LDP-Jugendreferent für Sachsen und gehörte ab 1946 dem geschäftsführenden Zentralvorstand der LDP für die Sowjetische Besatzungszone an. Er wandte sich gegen den politischen Monopolanspruch der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und die Vereinnahmung von Kindern in der Pionierorganisation Ernst Thälmann. Im Jahre 1947 wurde er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der LDP Sachsen gewählt. Die Wahl wurde jedoch von der sowjetischen Besatzungsmacht annulliert. Nach seiner Flucht nach Westdeutschland wurde Mischnick Mitglied der FDP in Hessen. Von 1954 bis 1957 war er Bundesvorsitzender der FDP-Jugendorganisation, der Deutschen Jungdemokraten. Zwischen 1954 und 1991 saß er auch im FDP-Bundesvorstand, davon in den Jahren 1964 bis 1988 als Stellvertretender Bundesvorsitzender. Zudem war er in den 1950er Jahren Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Frankfurt am Main. Von 1954 bis 1967 war Mischnick daneben auch Stellvertretender Landesvorsitzender der FDP in Hessen, von 1967 bis 1977 amtierte er dann als deren Landesvorsitzender. Am 31. Mai 1973 nahm Mischnick zusammen mit Herbert Wehner (SPD) an einem Treffen mit dem Ersten Sekretär des ZK der SED, Erich Honecker, in der DDR teil. Im Jagdhaus Hubertusstock in der Schorfheide wurden humanitäre Fragen der deutsch-deutschen Beziehungen erörtert. Von 1987 bis 1995 war Mischnick Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Er war zeitweilig Mitglied im Kuratorium der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung. Von 1987 bis 1995 war er als Mitherausgeber der von der Stiftung herausgegebenen Zeitschrift "liberal" tätig. 1946 wurde Mischnick in die Stadtverordnetenversammlung von Dresden gewählt. Von 1954 bis 1957 war er Mitglied des Hessischen Landtags. Hier fungierte er als Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion. Von 1956 bis 1961 sowie von 1964 bis 1972 war er Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt am Main. Er bekleidete zwischen 1956 und 1961 sowie 1964 und 1968 das Amt des Fraktionsvorsitzenden. Von 1957 bis 1994 war Mischnick Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1959 bis 1961 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion. Nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung wurde er 1963 zum Stellvertretenden Vorsitzenden und 1968 schließlich zum Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Als solcher fungierte er bis zum Amtsantritt der Regierung Brandt am 21. Oktober 1969 als Oppositionsführer gegen die Regierung Kiesinger. Von 1969 bis 1972 und 1976 bis 1983 war er zudem stellvertretender Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses gemäß Artikel 53a des Grundgesetzes und von 1972 bis zum 8. Dezember 1982 stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses. Erst 1991 schied Mischnick auf eigenen Wunsch aus dem Amt des Fraktionsvorsitzenden aus, das er länger innehatte als jeder andere Fraktionsvorsitzende in der Geschichte des Bundestages, und wurde daraufhin zum Ehrenvorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Berühmt ist Mischnicks Rede vor dem Deutschen Bundestag anläßlich des Mißtrauensvotums gegen Helmut Schmidt am 1. Oktober 1982. Wolfgang Mischnick zog 1990 über die Landesliste Sachsen und davor stets über die Landesliste Hessen in den Bundestag ein. Nach der Bundestagswahl 1961 wurde Mischnick als damals jüngster Minister am 14. November 1961 zum Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte in der von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführten Bundesregierung ernannt. Im Zuge der Spiegel-Affäre trat er am 19. November 1962 gemeinsam mit den anderen FDP-Bundesministern zwar zurück, wurde aber am 13. Dezember 1962 erneut in dieses Amt berufen. Mit dem Rücktritt von Konrad Adenauer schied auch Mischnick am 11. Oktober 1963 aus der Bundesregierung aus. Mischnick verdankte einen Teil seiner Popularität seinem sportpolitischen Engagement. Dem Sportausschuß des Deutschen Bundestages gehörte er seit dessen Gründung 1969 bis 1994 an und war zeitweise dessen Stellvertretender Vorsitzender. Er war Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Sporthilfe, Stifter des Wolfgang-Mischnick-Pokals für Geher und bis 1990 über 15 Jahre Verwaltungsratsmitglied bei Eintracht Frankfurt. Er arbeitete auch in der Sepp-Herberger-Stiftung mit. Regelmäßig wurde bei der FDP ein Tennisturnier um einen Wolfgang-Mischnick-Pokal ausgetragen. Gegenüber dem Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan war er skeptisch und trat für die Unabhängigkeit des Sports ein. Letztendlich trug er den Boykott jedoch mit, weil er ihn als "Gebot der Solidarität mit den USA" betrachtete. Mischnick war Großoffizier der französischen Ehrenlegion. Er wurde 1968 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband und 1973 mit dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Ferner wurden ihm das Große Goldene Ehrenzeichen mit Stern der Republik Österreich, der Bannerorden der Ungarischen Republik, der Verdienstorden des Freistaates Sachsen, der Hessische Verdienstorden, die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die Freiherr-vom-Stein-Plakette, die Römerplakette der Stadt Frankfurt am Main, die Reinhold-Maier-Medaille und die Wolfgang-Döring-Medaille verliehen.
Jürgen Wilhelm Möllemann (* 15. Juli 1945 in Augsburg; † 5. Juni 2003 in Marl-Loemühle): Von 1962 bis 1969 war er Mitglied der CDU. Von 1970 bis zu seinem Austritt am 17. März 2003 gehörte er der FDP an, war Vorsitzender des Bezirksverbands Westfalen-Nord und ab 1975 Mitglied im Landesvorstand der FDP Nordrhein-Westfalen - von 1982 bis 1983 als stellvertretender und seit 1983 als Landesvorsitzender. 1994 trat er von diesem Amt wegen Differenzen mit dem damaligen FDP-Bundesvorsitzenden und Außenminister Klaus Kinkel zurück; von April 1996 bis Oktober 2002 hatte er dieses Amt erneut inne. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2000 gelang der FDP unter seiner Führung nach fünf Jahren Abwesenheit mit einem Ergebnis von 9,8 Prozent der Stimmen der Wiedereinzug in den Landtag von NRW. Im März 2003 schied er aus der FDP-Landtagsfraktion aus. Möllemann war von 1972 bis 2000 und von 2002 bis 2003 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Februar 2003 wurde er als Mitglied des Bundesvorstands aus der FDP-Bundestagsfraktion ausgeschlossen. Von 1981 bis 1997 sowie von Mai 1999 bis März 2002 war er Mitglied im FDP-Bundespräsidium. Von Mai 2001 bis September 2002 war er stellvertretender Bundesvorsitzender. Bis 1982 gehörte Möllemann dem Auswärtigen und Verteidigungs-Ausschuß des Deutschen Bundestages an. Nach dem Regierungswechsel im Oktober 1982 wurde er zum Staatsminister im von Hans-Dietrich Genscher geleiteten Auswärtigen Amt ernannt. Nach der Bundestagswahl 1987 wurde er am 12. März 1987 als Bundesminister für Bildung und Wissenschaft in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung (Kabinett Kohl III) berufen. Nach der Bundestagswahl 1990 übernahm er das Amt des Wirtschaftsministers im Kabinett Kohl IV. Durch die deutsche Wiedervereinigung war das Haushaltsdefizit auf den höchsten Stand seit 1975 gestiegen. Zur Konsolidierung forderte Möllemann den Abbau von staatlichen Subventionen in Höhe von 10 Milliarden DM jährlich im Haushalt und drohte, bei Nichterreichen dieses Ziels als Minister zurückzutreten. Die CDU/CSU/FDP-Koalition beschloß den Abbau, wobei jedoch schon früher beschlossene Subventionskürzungen eingerechnet wurden. Nach Genschers Rücktritt wurde er am 18. Mai 1992 zum Stellvertreter des Bundeskanzlers ernannt. Nach der sogenannten Briefbogenaffäre schied er am 21. Januar 1993 aus dem Kabinett aus. Vom 2. Juni 2000 bis zu seinem Tod war er Abgeordneter im Landtag Nordrhein-Westfalen (13. Wahlperiode). Neben zahlreichen Erfolgen und Anerkennungen, beispielsweise als Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, gab es einige politische Skandale. Vom Amt des Bundesministers für Wirtschaft mußte er im Januar 1993 zurücktreten, da er dessen offizielles Briefpapier verwendet hatte, um in einem Brief für eine Geschäftsidee eines Vetters seiner Ehefrau zu werben. Dies wurde als Briefbogenaffäre bekannt. 1994 sprach Möllemann von einem Comeback als Minister, worauf Kinkel öffentlich nicht reagierte. Jedoch trat im Oktober des Jahres der komplette NRW-Landesvorstand der FDP zurück, um auch den Vorsitzenden Möllemann zum Rücktritt zu zwingen. Bereits zwei Jahre später war er wieder im Amt des NRW-Landesvorsitzenden und führte die Landespartei im Wahlkampf 2000 zu einem ungewöhnlichen Erfolg: Die FDP, die fünf Jahre nicht im Düsseldorfer Landtag vertreten war, wurde dank seiner Wahlkampfstrategie mit 9,8 Prozent Stimmenanteil in den Landtag NRW zurückgewählt. Möllemann war gemeinsam mit dem früheren FDP-Bundesgeschäftsführer Fritz Goergen Initiator der Strategie 18, die von der Bundespartei im Mai 2001 angenommen wurde. Im Januar 2000 stellte Möllemann ein Wahlplakat zum Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen vor, auf dem mit der Abbildung von Adolf Hitler, Bhagwan und Freddy Krueger geworben wurde. Unter dem Motto "NRW braucht Tempo. Möllemann." sollte das Plakat für mehr Tempo bei der Bildung werben. Nach zahlreichen negativen Reaktionen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft wurde auf die Verwendung schließlich verzichtet. Möllemann war von 1981 bis 1991 sowie 1993 und erneut seit 1995 Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. In dieser Eigenschaft äußerte er sich öfter zum Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten. Im Frühjahr 2002 übte Möllemann scharfe Kritik am Vorgehen Israels gegenüber den Palästinensern und äußerte Verständnis für Selbstmordattentate, die er als Form des Widerstands gegen eine völkerrechtswidrige Besetzung ansah. Damit stellte er sich hinter Jamal Karsli, der damals für die Partei "Bündnis 90/Die Grünen" Landtagsabgeordneter war. Karsli hatte von einem "Vernichtungskrieg" des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gegen die Palästinenser, von "Nazi-Methoden" Israels und von einer "zionistischen Lobby" in Deutschland gesprochen, die eine kritische Diskussion über Israels Politik verhindere. Nachdem der Bundesvorstand der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" sich von diesen Aussagen distanziert hatte, trat Karsli aus der Partei aus. Er wurde auf Initiative Möllemanns in die FDP-Fraktion Nordrhein-Westfalens aufgenommen. Dagegen protestierten der Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) und einige prominente FDP-Mitglieder wie Hildegard Hamm-Brücher, die Karslis Wortwahl tendenziell als antisemitisch bewerteten. Auf entsprechende Kritik von Michel Friedman, dem damaligen ZdJ-Vizepräsidenten, reagierte Möllemann am 16. Mai 2002 im heute journal wie folgt: "Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, daß kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muß in Deutschland Kritik an der Politik Scharons üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden." ZdJ-Präsident Paul Spiegel warf Möllemann daraufhin vor, er bestätige damit "jahrhundertealte antisemitische Klischees", und zwar "die Ansicht von Antisemiten, dass Juden, durch ihre bloße Existenz oder Äußerungen selbst für den Antisemitismus verantwortlich sind". Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte die FDP dazu auf, sich von den Angriffen Möllemanns gegen die israelische Regierung zu distanzieren. Auch weitere Politiker von SPD und der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" kritisierten Möllemanns Aussagen. Am 31. Mai bedauerte der FDP-Bundesvorstand in einer Berliner Erklärung, "daß durch Äußerungen von Jürgen W. Möllemann Anlaß für Mißverständnisse entstanden ist", und wies den "Vorwurf des Antisemitismus gegen die FDP als ganzes oder gegen einzelne Führungsmitglieder der FDP" als "ehrverletzend und unberechtigt" zurück. Nach weiteren Antisemitismus-Vorwürfen gegen Karsli forderte der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle Möllemann ultimativ auf, Karslis Mitgliedschaft in der FDP-Fraktion zu beenden. Am 6. Juni 2002 gab Möllemann im Düsseldorfer Landtag den Austritt Karslis aus der FDP-Landtagsfraktion bekannt und erklärte: "Sollte ich die Empfindungen jüdischer Menschen verletzt haben, möchte ich mich entschuldigen." Daraufhin solidarisierte sich Westerwelle demonstrativ mit Möllemann. Kurz danach nahm dieser jedoch Friedman ausdrücklich von seiner Entschuldigung aus. Am 17. September 2002, fünf Tage vor der anstehenden Bundestagswahl, ließ Möllemann ohne Rücksprache mit dem Parteivorstand ein Faltblatt in einer Auflage von über acht Millionen Stück drucken und an alle Haushalte in Nordrhein-Westfalen verteilen. Unter der Überschrift "Klartext" stellte es Ariel Scharon und Michel Friedman mit Porträtfotos dar und griff sie im Begleittext an. Diese Aktion Möllemanns und die Aussagen des Faltblatts wurden von Angehörigen aller im Bundestag vertretenen Parteien abgelehnt. Auch die meisten FDP-Landesverbände distanzierten sich von seinem Flugblatt und betonten, dies sei kein offizielles Werbematerial der Partei gewesen. Laut den Sozialwissenschaftlern Samuel Salzborn und Marc Schwietring wurde durch die von Möllemann ausgelöste Debatte "Antisemitismus offen artikuliert, strategisch genutzt, bagatellisiert, ignoriert und damit normalisiert […] als Teil öffentlicher Politik in Deutschlands gesellschaftlicher Mitte". Überdies wurde antisemitischem Denken eine "Diskursfähigkeit verschafft, die jenseits von zivilisatorischen Motiven agierte". Möllemann selbst berief sich auf 35.000 zustimmende Reaktionen. In einer Forsa-Umfrage zum zeitlichen Höhepunkt der Debatte stimmten 35 Prozent der befragten Personen Möllemanns Aussage zu, Friedman verstärke durch sein Auftreten und Verhalten den Antisemitismus; nur 24 Prozent waren der Ansicht, Möllemann verstärke ihn. Die Zahl der antisemitischen Straftaten stieg von 127 im ersten Quartal des Jahres 2002 auf 319 im zweiten Quartal an. Auch der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) setzte diesen sprunghaften Anstieg mit der Antisemitismus-Debatte um Möllemann in Verbindung und äußerte Zweifel daran, daß dies nur Zufall sei. Auch wenn die FDP in Nordrhein-Westfalen 9,3 Prozent der Zweitstimmen (ein Plus von 2,1 Prozentpunkten zur Bundestagswahl 1998) erhielt und Möllemann in seinem Wahlkreis Warendorf überdurchschnittlich viele Stimmen hinzugewann, lastete der FDP-Bundesvorstand das schwache bundesweite Wahlergebnis der FDP (7,4 Prozent) Möllemann an und forderte ihn noch am Wahlabend zum Rücktritt vom stellvertretenden Parteivorsitz auf. Am Folgetag trat er mit der Begründung zurück, er wolle der FDP eine "Zerreißprobe" ersparen. Einen für den 10. Oktober 2002 angesetzten Sonderparteitag seines Landesverbands, der auch die Finanzierung seines Faltblatts behandeln sollte, ließ er mit der Begründung verschieben, er habe einen Schwächeanfall erlitten. Der FDP-Bundesvorstand beauftragte Günther Rexrodt, die Finanzierung zu prüfen; dieser fand Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Verstöße Möllemanns gegen das Parteiengesetz. Daraufhin rückte auch der NRW-Landesverband von ihm ab und wollte ihn zur "Aufgabe aller politischen Ämter" auffordern. Dem kam Möllemann zuvor, indem er am 20. Oktober 2002 seinen Rücktritt vom Vorsitz der Landespartei und Landtagsfraktion erklärte. Im Rahmen der "Flugblatt-" bzw. "Faltblatt-Affäre" war bis dahin bekannt geworden, daß Möllemann am 12. September der Post 838.000 Euro für die Postwurfsendung des Faltblatts von einem Konto seiner Firma WebTec aus überwiesen hatte. Dann aber hatte er die Post gebeten, das Geld zurückzuüberweisen und später von einem anderen Konto abzubuchen. Am 20. September hatte er ein Sonderkonto des FDP-Landesverbands eingerichtet und ließ Hans-Joachim Kuhl die Summe gestückelt und verschleiert einzahlen. Auf dem Konto gingen bis zum 11. Oktober 145 Einzelspenden zwischen 1000 und 8000 Euro, insgesamt 840.000 Euro, aus verschiedenen Orten Deutschlands ein. Die kurzfristige Neueröffnung und nachträglichen Spendeneingänge erregten den Verdacht einer Straftat: Das Zerlegen von Spenden in Teilbeträge und deren Verbuchung, um die Herkunft zu verschleiern, war seit Juli 2002 mit bis zu drei Jahren Gefängnis strafbar. Der FDP-Bundesvorstand stellte Möllemann, der sich auf Gran Canaria aufhielt, ein Ultimatum, die Herkunft der Spenden zu nennen. Nachdem der Vorstand rechtliche Schritte eingeleitet hatte, um diese Auskunft zu erzwingen, teilte Möllemann am 20. November mit, er habe Druck und Vertriebskosten des Faltblatts in Höhe von 980.000 Euro aus eigenen Mitteln bezahlt und die Summen dafür gestückelt, um nicht als Großspender in Erscheinung zu treten. Weitere Prüfungen Rexrodts vom 28. Oktober bis 27. November 2002 ergaben, daß der Landesverband NRW unter Möllemann die Herkunft weiterer erheblicher Summen über Jahre hinweg mittels Schwarzkonten, gefälschter Quittungen, Dankesschreiben und fehlerhafter Rechenschaftsberichte verschleiert hatte. Seit November ermittelten zudem mehrere Staatsanwaltschaften gegen "Unbekannt" wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Parteiengesetz, Untreue und Betrugs. Dies nahm der FDP-Bundesvorstand zum Anlaß, Möllemann zum Austritt bis 2. Dezember 2002 aufzufordern, und drohte ihm andernfalls ein Parteiausschlußverfahren an. FDP-Chef Guido Westerwelle warf ihm vor, er habe sie in eine rechtspopulistische Partei verwandeln wollen. Daraufhin drohte Möllemann in einem Interview mit der Neugründung einer Partei, die den "Tod der FDP" bedeuten würde. Er ließ das Ultimatum verstreichen und meldete sich vor zwei Anhörungen des Bundesvorstands kurzfristig krank. Ein Antrag vom 4. Februar 2003 in der NRW-FDP, Möllemann aus dem Landesverband auszuschließen, erhielt keine Mehrheit. Eine Rückgabe seines Bundestagsmandats kündigte er am 8. Februar erstmals an. Am 11. Februar beschloß die Bundestagsfraktion der FDP mit 39 von 45 Stimmen, ihn auszuschließen. Im März erschien Möllemanns Buch "Klartext", das Westerwelle und andere FDP-Prominente als Selbstdarsteller und Karrieristen darstellte. Am 17. März verließ er von sich aus die Partei, behielt aber entgegen mehrfacher Ankündigung sein Bundestagsmandat. Damit verlor er die restlichen Sympathien in der FDP. Am 5. Juni 2003 vormittags hob der Bundestag Möllemanns Immunität wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sowie des Verstoßes gegen das Parteiengesetz auf. Daraufhin durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft im Rahmen von Ermittlungen gegen ihn Liegenschaften und Geschäftsräume in verschiedenen Bundesländern, darunter auch sein Privathaus. Möllemann war Fallschirmspringer und setzte seine Sprünge häufig auch für Wahlkampfauftritte in Szene. Weniger als 30 Minuten nach Aufhebung seiner Immunität sprang er am 5. Juni 2003 bei Marl mit dem Fallschirm ab. Er öffnete nach der Freifallphase den Hauptschirm, trennte ihn dann aber. Den Reserveschirm öffnete er nicht, was zum ungebremsten Aufschlag auf einem Feld nahe dem Flugplatz Marl-Loemühle führte. Er starb an den schweren Aufprallverletzungen. Wie spätere Untersuchungen ergaben, war der mitgeführte Öffnungsautomat, der den Reservefallschirm automatisch ausgelöst hätte, nicht eingeschaltet. Die mit Möllemann in derselben Absetzmaschine gestarteten Springer bezeugten, sie hätten ihn gefragt, ob er sich an einer Freifallformation, einem sogenannten "Sechser-Stern", beteiligen würde. Er habe erklärt, er wolle einen "Einzelstern" (scherzhaft für Solosprung) springen. An der sonst üblichen gegenseitigen Kontrolle des Öffnungsautomaten habe er sich nicht beteiligt, weil er ein Glas Wasser holen wollte. Die Ermittlungen im Strafverfahren gegen ihn wurden eingestellt. Er wurde auf dem Zentralfriedhof im westfälischen Münster beigesetzt. Möllemanns Tod wurde von der Staatsanwaltschaft Essen untersucht. In einigen Internetforen wurde spekuliert, er sei möglicherweise ermordet worden. 2007 veröffentlichte die Staatsanwaltschaft private Filmaufnahmen eines Fallschirmspringers, die Möllemanns letzten Sprung zeigten und 2003 bei den Ermittlungen untersucht worden waren. Ihr am 9. Juli 2007 vorgelegter Abschlußbericht schloß Fremdverschulden als Todesursache aus. Es konnte aber nicht abschließend geklärt werden, ob es sich um einen Unfall oder um Suizid gehandelt hatte. Möllemann hatte seinem Parteifreund Wolfgang Kubicki im April 2003 einen Brief übergeben, den Kubicki nur öffnen sollte, falls ihm "etwas passiert" sei. Nach Kubickis Angaben enthielt der Brief keine Angaben zu den Motiven des Todessprungs. Im Juli 2009 setzte Wolfgang Thierse, der Vizepräsident des deutschen Bundestages, gegen die FDP Sanktionen und Rückzahlungsverpflichtungen wegen Verstößen gegen das Parteiengesetz fest. Diese waren im Landesverband der FDP unter Möllemann begangen worden und beliefen sich auf insgesamt 3.463.148,79 Euro. Hierin waren bereits 873.500 Euro berücksichtigt, welche die FDP im Jahr 2002 vorsorglich bei der Bundestagsverwaltung hinterlegt hatte. Das Verwaltungsgericht Berlin und das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigten diese Entscheidung am 8. Dezember 2009 bzw. im November 2011. Ende April 2013 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Fälligkeit von mindestens zwei Millionen Euro. Über den Rest (ca. 1,4 Millionen Euro) wurde die Angelegenheit mangels ausreichender Tatsachenfeststellungen an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zurückverwiesen. Medienberichte, die Möllemanns Firma WebTec mit Waffengeschäften im arabischen Raum in Verbindung brachten, wurden vom damaligen Leiter des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen als nicht nachvollziehbare Gerüchte eingestuft. Im Dezember 2004 wurde ein Nachlaßinsolvenzverfahren eröffnet, das vier Jahre später mit offenen Verbindlichkeiten in Höhe von etwa drei Millionen Euro abgeschlossen wurde. Durch die Steuerschulden aufgrund nicht ordentlich gemeldeter Parteispenden gilt der Fiskus als Hauptgläubiger.
Jürgen Morlok (* 30. September 1945 in Karlsruhe): Im Jahre 1964 wurde er Mitglied der FDP. 1972 gewann er erstmals ein Mandat für den Landtag von Baden-Württemberg, dem er von der 6. Wahlperiode bis zum Ende der 9. Wahlperiode 1988 angehörte. Von 1973 bis 1976 war er Mitglied und stellvertretender Verbandsvorsitzender des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. 1973 wurde er Mitglied des Vorstands des FDP/DVP-Landesverbands in Baden-Württemberg. Von 1976 bis 1984 übernahm er den Vorsitz der FDP/DVP-Fraktion des Landtags. Von 1978 bis 1985 war er als Nachfolger von Martin Bangemann auch Vorsitzender des FDP/DVP-Landesverbands. In dieser Zeit nahm Morlok weitere Funktionen in der FDP wahr. So war er von 1978 bis 1985 Mitglied des Bundesvorstands der FDP, von 1982 bis 1985 stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und kurzzeitig auch Mitglied des Exekutivkomitees der Liberalen Internationale (1984 bis 1985). Nach Morloks Rückzug aus der Politik wurde Walter Döring Nachfolger als Landesvorsitzender des FDP/DVP-Landesverbands. Im Jahre 1996 wurde Morlok Ehrenvorsitzender der FDP Baden-Württemberg. Morlok war von 1996 bis 2020 Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und ist seit 2021 dessen Ehrenvorsitzender. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Villa Lessing - Liberale Stiftung Saar. Von 1981 bis 1987 war er als Mitherausgeber der Zeitschrift "liberal" tätig.
Hans-Joachim Otto (* 30. Oktober 1952 in Heidelberg): Er wurde 1977 Mitglied der FDP. Er zählt zu den Mitbegründern der Jungen Liberalen und wurde auf deren 1. Bundeskongreß am 1. und 2. November 1980 in Bad Godesberg zum ersten Bundesvorsitzenden gewählt. Otto war JuLi-Bundesvorsitzender bis 1983, als die Jungen Liberalen auch offiziell als neue Jugendorganisation der FDP anstelle der Jungdemokraten anerkannt wurden. Er gehörte von 1982 bis 1988, von 1990 bis 1995 und gehört erneut seit 2005 dem FDP-Bundesvorstand an. Auf dem Bundesparteitag 1988 hätte er zum Generalsekretär der FDP gewählt werden sollen, wenn Irmgard Adam-Schwaetzer zur Bundesvorsitzenden gewählt worden wäre. Von 1987 bis 2013 gehörte er dem FDP-Landesvorstand in Hessen an. Seit 1992 ist er Vorsitzender der Bundesmedienkommission bzw. des Bundesfachausschusses Medien, Internet und digitale Agenda der FDP. Von 1986 bis 1990 war er Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung. 2006 gründete er zusammen mit Liane Knüppel, Hartmut Knüppel, Daniel Bahr, Gisela Piltz, Joachim Stamp und Johannes Vogel den Verein Netzwerk 80 e. V. als Zusammenschlusses aller Bundesvorstandsmitglieder und Bundesgeschäftsführer der Jungen Liberalen seit 1980. Otto, der im Wahlkreis Frankfurt am Main III kandidiert hatte, aber über die FDP-Landesliste gewählt worden war, war von 1983 bis 1987 Mitglied des Hessischen Landtags und gehörte von 1997 bis 1998 der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt am Main an. Otto war erstmals von 1990 bis 1994 und erneut von 1998 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1998 bis 2005 Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien. Von November 2005 bis 2009 war er Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages. Von 2009 bis Dezember 2013 war er Maritimer Koordinator; sein Nachfolger wurde Uwe Beckmeyer (SPD). Er zog stets über die Landesliste Hessen in den Bundestag ein. Otto engagierte sich mit weiteren Bundestagsabgeordneten, wie Heinrich Kolb, Peter Danckert, Friedrich Merz, gegen die Offenlegung der Höhe der Nebeneinkünfte der Parlamentsabgeordneten. Er klagte im Oktober 2006 beim Bundesverfassungsgericht gegen die Veröffentlichung der Höhe seiner Nebeneinkünfte mit Hinweis auf seine Tätigkeit als Rechtsanwalt und Notar, da er gegenüber seinen Mandanten an die Schweigepflicht gebunden sei. Unter den Klägern befinden sich mehrheitlich freiberuflich als Rechtsanwalt tätige Abgeordnete, die in der Offenlegung der Höhe der Nebeneinkünfte einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Konkurrenten aus der freien Wirtschaft sehen. Die Klage wurde am 4. Juli 2007 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Kritiker der Klage sehen darin eine Stärkung der Intransparenz politischer Mandatsträger. Zur Bundestagswahl 2009 bewarb sich Otto als "Anwalt der Tüchtigen" (Plakat-Slogan). Zur Bundestagswahl 2013 unterlag er in der Abstimmung um Platz 3 der hessischen Landesliste dem Parteikollegen Björn Sänger.
Karl Georg Pfleiderer (* 10. Mai 1899 in Stuttgart; † 8. Oktober 1957 in Bonn): Von 1948 bis 1950 war er Landrat des Landkreises Waiblingen. Bei der Bundestagswahl 1949 kandidierte er im Bundestagswahlkreis Waiblingen, erhielt 40,3 Prozent der Stimmen und zog in den 1. Bundestag ein. Zur ersten Bundestagswahl (August 1949) wurde er von der DVP aufgestellt, obwohl er damals noch nicht DVP-Mitglied war. Er schloß sich direkt nach der Wahl der DVP-Fraktion und kurze Zeit später auch der DVP an. Pfleiderer vertrat im 1. Bundestag (1949 bis 1953) und von der 1953 bis 1955 als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis Waiblingen im Bundestag. Bei der Bundestagswahl 1953 erhielt er dort 32,9 Prozent der Wählerstimmen. Am 2. September 1952 forderte Pfleiderer in einer Denkschrift ein gesamteuropäisches Sicherheitssystem unter Berücksichtigung der Interessen der Sowjetunion mit einem hierin integrierten vereinigten Deutschland ohne die Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Grenze. Am 8. April 1954 (gut ein Jahr nach Stalins Tod) forderte er die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion, was zu einer schweren Koalitionskrise mit der CDU/CSU führte, die beinahe den Bruch der Koalition zur Folge gehabt hätte. Seine Gedanken nahmen die später von der FDP mitkonzipierte neue Ostpolitik der sozialliberalen Bundesregierung vorweg. Gottlob Kamm, ehemaliger Landesminister von der SPD, galt 1953 als Pfleiderers einziger aussichtsreicher Gegenkandidat unter den Direktkandidaten. Pfleiderer wurde auch 1953 - mit 32,9 Prozent der Stimmen - direkt gewählt. Am 1. April 1951 gründeten Pfleiderer, Gerhard Lütkens (SPD), Paul Bausch (CDU) und Josef-Ernst Fürst Fugger von Glött (CSU) die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft; Pfleiderer war 1951 bis 1954 ihr erster Vorsitzender. Er legte das Bundestagsmandat am 20. September 1955 nieder, um wieder in den Diplomatischen Dienst eintreten zu können. Pfleiderer wurde bald darauf Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Jugoslawien; 1957 starb er unerwartet während eines dienstlichen Aufenthalts in Bonn. Zehn Tage nach Pfleiderers Tod brach die Bundesrepublik Deutschland gemäß der Hallstein-Doktrin die diplomatischen Kontakte zu Jugoslawien ab, weil dieses die DDR völkerrechtlich anerkannt hatte. Pfleiderer hatte sich stets gegen die Hallstein-Doktrin ausgesprochen.
Cornelia Pieper, geb. Richter (* 4. Februar 1959 in Halle (Saale)): Von 1995 bis 1996 war sie Geschäftsführerin des Humanistischen Verbands e. V. in Berlin. Im August 2014 wurde sie Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig. Pieper war Mitglied der DDR-Blockpartei LDPD und in deren Bezirksverband Halle von 1987 bis 1990 Mitarbeiterin für Kultur und Bildung. Seit 1990 ist sie Mitglied der FDP und gehört seitdem auch dem Landesvorstand der FDP in Sachsen-Anhalt an. Ab 1993 war sie Mitglied des FDP-Bundesvorstands, von 1997 bis 2001 als stellvertretende Bundesvorsitzende und anschließend bis Mai 2005 als Generalsekretärin der FDP. 2003 forderte der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki Pieper zum Rücktritt von ihrem Posten als Generalsekretärin auf, nachdem die Polizei eine offenbar von ihrem Sohn angepflanzte Hanfpflanze auf Piepers Grundstück in Halle gefunden hatte. Am 5. Mai 2005 wurde Pieper mit 60,6 Prozent der Stimmen erneut zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Liberalen gewählt. Daneben war sie von 1995 bis zum 9. April 2011 Landesvorsitzende der FDP Sachsen-Anhalt. Auf dem Bundesparteitag 2011 in Rostock kandidierte sie nicht mehr als stellvertretende Bundesvorsitzende, sondern als Beisitzerin. Dabei wurde sie (wie auch Wolfgang Kubicki) erst im zweiten Wahlgang gewählt. Von 1990 bis 1994 war Pieper Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und in dieser Zeit auch Vizepräsidentin des Landtags. Im Jahr 1998 wurde sie erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort war sie dann von 1998 bis 2001 stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion. Nachdem die FDP mit ihr als Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl 2002 13,3 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht hatte, wurde Pieper erneut Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und hier auch Vorsitzende der FDP-Fraktion. Sie schied daher am 31. Mai 2002 aus dem Bundestag aus, für den sie bei der Bundestagswahl im September 2002 jedoch erneut kandidierte. Sie war seitdem bis 2013 wieder Mitglied des Deutschen Bundestages und gab ihr Landtagsmandat und den Fraktionsvorsitz auf. Von Februar bis Oktober 2005 war sie Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Ab November 2005 war sie stellvertretende Vorsitzende dieses Ausschusses und Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Forschung. Sie zog stets über die Landesliste Sachsen-Anhalt in den Deutschen Bundestag ein. Ihr Bundestagswahlkreis ist der Wahlkreis 73 (Halle). Sie war von Oktober 2009 bis Dezember 2013 Staatsministerin im Auswärtigen Amt und zugleich Koordinatorin für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit. Zur Bundestagswahl 2013 setzte die FDP Sachsen-Anhalt Pieper wie auch 2009 auf den Platz 1 der Landesliste. Da die FDP an der Fünf-Prozent-Klausel scheiterte, endete ihre Zeit als Bundestagsabgeordnete mit dem Zusammentritt des 18. Bundestages. Vor der Bundestagswahl 2009 bezeichnete Pieper höhere Investitionen in Bildung als größte Herausforderung. Außerdem bezeichnete sie das Zugangserschwerungsgesetz als "untauglich": "Kein pädophil veranlagter Mensch wird dadurch sein Verhalten ändern." Im November 2012 kündigte Pieper an, entgegen einem Koalitionsbeschluß nicht für das Betreuungsgeld zu stimmen. Dieses sei eine Rückkehr zum alten Familienmodell "Kinder, Küche, Kirche".
Hans Reif (* 19. Januar 1899 in Leipzig; † 11. November 1984 in West-Berlin): 1945 gründete er die LDPD in Leipzig mit. Nach seinem Wechsel nach Berlin wurde er 1946 Mitglied der dortigen LDP, deren West-Berliner Teil sich der FDP anschloß. 1958 und 1959 war er Berliner FDP-Vorsitzender. Ab 1964 war Reif Vizepräsident (seit 1971 Patron) der Deutschen Gruppe der Liberalen Internationale, deren Mitbegründer er 1954 war. Reif war Mitglied in der Internationalen Liga für Menschenrechte, der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft, der Deutsch-Englischen Gesellschaft, der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem, des Kuratoriums Unteilbares Deutschland und des Königsteiner Kreises. Von 1959 bis zu seinem Tod war Reif Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Von 1946 bis zum 17. September 1951 war Reif Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung Groß-Berlins bzw. des Abgeordnetenhauses West-Berlins. 1948 und 1949 war er Berliner Abgeordneter im Parlamentarischen Rat und gehörte dort dem Ausschuß zur Regelung der Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern an. Er gehörte dem Deutschen Bundestag seit dessen erster Wahl 1949 bis 1957 als aus Berlin delegierter Abgeordneter an. Seit 1951 war er Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarats in Straßburg. Von 1963 bis 1971 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und dessen Vizepräsident. Nach dem plötzlichen Tod des Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers 1954 sorgte Reif für eine bislang einmalige Situation im Bundestag. Gegen den offiziellen CDU/CSU-Kandidaten Eugen Gerstenmaier, der vielen Abgeordneten auch der Regierungskoalition zu "kirchennah" war, schlug Reif am 16. November 1954 den Berliner CDU-Abgeordneten Ernst Lemmer vor, mit dem er in der Weimarer Republik in der DDP zusammengearbeitet hatte. Lemmer verlor erst im dritten Wahlgang mit lediglich 14 Stimmen Unterschied (Gerstenmaier: 204, Lemmer: 190, Enthaltungen: 15). Es war das einzige Mal in der Bundestagsgeschichte, daß zwei Fraktionskollegen gegeneinander um das Amt des Bundestagspräsidenten konkurrierten. Reif wurde am 20. Oktober 1971 die Ehrenbürgerwürde von Berlin verliehen.
Christian Renatus (* 8. Juni 1947 in Marienberg): Er wurde 1971 Mitglied der LDPD und später Vorsitzender des LDPD-Kreisverbands Marienberg. Im Januar 1982 wurde er hauptamtlicher stellvertretender Vorsitzender und im November 1985 Vorsitzender der Bezirksverbands Karl-Marx-Stadt der LDPD. Von 1986 bis 1990 war er Abgeordneter des Bezirkstags Karl-Marx-Stadt. Am 21. Dezember 1987 wurde er auf der 3. Sitzung des Zentralvorstands der LDPD zum Mitglied des Politischen Ausschusses und zum Sekretär des Zentralvorstands gewählt. Nach der Wende in der DDR trat Renatus über die Zwischenstation Bund Freier Demokraten (BFD) zur FDP über. Er wurde Generalbevollmächtigter der FDP-nahen Liberal Verlag GmbH und wirkte von 1999 bis 2009 zugleich als deren Geschäftsführer. Als solcher war er unter anderem für die organisatorische Umsetzung aller Werbe- und PR-Maßnahmen der FDP bei der Bundestagswahl 2009 zuständig. Zwischen 2009 und 2014 gehörte er dem Vorstand der FDP-nahen Universum Kommunikation und Medien AG an. Auch bei der Bundestagswahl 2013 war er als FDP-Beauftragter mit der Wahlkampfkoordination betraut. Seit 2014 ist er als freiberuflicher PR-Berater tätig und verantwortete unter anderem die Landtagswahlkämpfe der FDP in Hamburg 2015, Bremen 2015, Sachsen-Anhalt 2016, Berlin 2016, Schleswig-Holstein 2017, Bremen 2019, Brandenburg 2019, Hamburg 2020, Rheinland-Pfalz 2021, Sachsen-Anhalt 2021, Berlin 2021, Schleswig-Holstein 2022, Bremen 2023, Brandenburg 2024 und Hamburg 2025.
Rudolf Rentschler (* 20. September 1940 in Nagold): Er trat 1969 in die FDP ein. Fünf Jahre später war er 1974 Gründungsmitglied des Ortsverbands Nagold, dem er anschließend für zehn Jahre vorstand. Gegenwärtig (Stand: August 2023) ist er dessen stellvertretender Vorsitzender. Darüber hinaus ist er seit 1982 Mitglied im Vorstand des FDP-Bezirksverbands Nordschwarzwald - zeitweise als stellvertretender Vorsitzender. Von 1982 bis zum 2. November 2013 übte Rentschler innerhalb seines Landesverbands das Amt des Landesrechnungsprüfers aus. Der Geschäftsbericht der FDP Baden-Württemberg für den Zeitraum vom 1. Juli 2006 bis 30. Juni 2008 wies ihn zudem als Mitglied des Landesfachausschusses Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik sowie als stellvertretenden Vorsitzenden des Landesfachausschusses Europapolitik aus. Am 2. November 2013 wurde er auf dem 110. Landesparteitag in Filderstadt im zweiten Wahlgang mit 40,95 Prozent der abgegebenen Stimmen in den Vorstand des Landesverbands gewählt. Rentschler war dort bis 2017 Beisitzer der Abteilung II; seitdem ist er kooptiertes Mitglied. Bundespolitisch machte Rentschler auf sich aufmerksam, als er am 6. November 1982 auf dem 33. Bundesparteitag in Berlin vergeblich gegen Otto Graf Lambsdorff um den Posten als Beisitzer im Parteipräsidium kandidierte. 1992 wählten ihn die Delegierten des 43. Bundesparteitages in Bremen entgegen einem Vorschlag des Bundesvorstandes zum Bundesrechnungsprüfer. Dieses Amt hat Rentschler seitdem inne (Stand: Mai 2021). Am 15. Mai 2015 kandidierte er auf dem 66. Bundesparteitag gegen Holger Zastrow - abermals als Beisitzer im Präsidium. Er erhielt jedoch lediglich 98 von 572 Stimmen. Rudolf Rentschler ist auch außerhalb der Landesebene europapolitisch aktiv und kandidierte beispielsweise zweimal für das Europäische Parlament. Am 26. März 1976 gehörte er in Stuttgart zu den Gründungsmitgliedern der Föderation der Liberalen und Demokratischen Parteien in der Europäischen Gemeinschaft (der heutigen Europapartei ALDE) und nimmt seit 1978 regelmäßig als Delegierter beziehungsweise Ersatzdelegierter der FDP an deren Jahreskongressen teil. Seit Mai 2008 ist er Delegierter des FDP-Landesverbands Baden-Württemberg im Council der ALDE. Darüber hinaus ist Rentschler seit 1994 ehrenamtlich Sekretär der liberalen Fraktion in der parlamentarischen Versammlung der OSZE.
Günter Rexrodt (* 12. September 1941 in Berlin; † 19. August 2004 ebenda): Seit 1980 war er Mitglied der FDP. Von 1983 bis 1987 sowie von 1989 bis 1994 war er stellvertretender Landesvorsitzender und von 1994 bis 1995 sowie von 2000 bis 2004 Landesvorsitzender der FDP Berlin. Seit 1990 war er Mitglied im FDP-Bundesvorstand, seit 1993 auch des Präsidiums der FDP. Seit 2001 war er Bundesschatzmeister der FDP. In diesem Amt war er unter anderem mit der Aufgabe betraut, die finanziellen Verstrickungen von Jürgen Möllemann im Rahmen der so genannten Flugblatt-Affäre aufzuklären. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 1995 war er erstmals Spitzenkandidat seiner Partei. Unter seiner Führung sackte die FDP von 7,1 auf 2,5 Prozent der Stimmen ab und war nicht mehr im Parlament vertreten. Hiernach erklärte Rexrodt seinen Rücktritt als Landesvorsitzender. Nach langen parteiinternen Querelen, welche unter anderem ein erneutes Scheitern seiner Partei in Berlin im Jahr 1999 mit sich brachten (2,2 % der Stimmen), kehrte er im Jahr 2000 in sein früheres Amt zurück und war bei der Neuwahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2001 erneuter Spitzenkandidat der FDP. Unter seiner Führung kehrte die FDP nach sechs Jahren Abwesenheit mit einem Ergebnis von 9,9 Prozent der Stimmen in das Abgeordnetenhaus zurück. Von 1994 bis zu seinem Tod war Rexrodt Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war stets über die Landesliste Berlin in den Deutschen Bundestag eingezogen. Das 2001 errungene Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus nahm er zwar an, legte es jedoch bereits am 31. Januar 2002 nieder. Von 1982 bis 1985 war er Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft und von 1985 bis 1989 Senator für Finanzen des Landes Berlin in dem vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen geführten Berliner Senat. Am 21. Januar 1993 wurde er als Bundesminister für Wirtschaft in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geleitete Bundesregierung berufen. Auch nach der Bundestagswahl 1994 war er im Kabinett vertreten. Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus der Bundesregierung aus. Rexrodts Vater Wilhelm Rexrodt war Reichsgeschäftsführer der Deutschen Demokratischen Partei bis 1931 und zählte nach 1945 in Sachsen-Anhalt und Halle zu den Mitbegründern der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDP). An der Trauerfeier für Günter Rexrodt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin nahmen am 29. August 2004 rund 800 Personen teil, darunter Bundespräsident Horst Köhler sowie die Vorsitzenden von CDU und FDP, Angela Merkel und Guido Westerwelle. Gedenkreden hielten Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff und der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel. Im Anschluß an die Feier erfolgte die Beisetzung auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend (Grablage: 16-A-40/41).
Hermann Rind (* 5. Januar 1939 in Schweinfurt): Er trat 1965 in die FDP ein und gehörte ab 1967 dem Kreisvorstand in Schweinfurt an. Von 1972 bis 1979 führte er dessen Vorsitz. Ab 1968 war er Mitglied des Bezirksvorstands Unterfranken, wobei er 1972 dort stellvertretender Vorsitzender sowie 1975 schließlich Vorsitzender wurde; diese Position behielt er bis 1995. Seitdem ist er Ehrenvorsitzender des Bezirksverbands Unterfranken. Außerdem rückte er 1976 in den Landesvorstand Bayern auf, wo er von 1979 bis 1995 die Position eines stellvertretenden Vorsitzenden innehatte. Überdies saß er zwischen 1986 und 1990 im FDP-Bundesvorstand. Zwischen 1974 und 1982 war Rind Mitglied des Bezirkstags Unterfranken. Von 1987 bis 1994 übte er sein Mandat im Deutschen Bundestag aus; er wurde zweimal über die Landesliste Bayern ins Parlament gewählt und war dort einer der vier Stellvertreter von Fraktionschef Hermann Otto Solms und ordentliches Mitglied im Finanzausschuß des Deutschen Bundestages. 1994 bis 1995 war Rind Vorsitzender des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages. Rind blieb auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag politisch aktiv und war Vorsitzender des Bundesfachausschusses Finanzen und Steuern bis 2010. Rind beteiligte sich in dieser Funktion maßgeblich an dem Konzept einer aus seiner Sicht einfachen und gerechten Einkommensteuer (Berliner Entwurf der FDP 2003). Er ist Ehrenvorsitzender der Vereinigung für Liberale Mittelstandspolitik und war Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung bis 2010. Seit vielen Jahren übt er das Amt eines von zwei Rechnungsprüfern der FDP-Bundespartei aus. Von 1997 bis 2016 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Rind war bis 2016 Mitglied im Finanzausschuß der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
Hermann Rudolf Schäfer (* 6. April 1892 in Remscheid; † 26. Mai 1966 in Bad Godesberg): Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich im September 1945 an der Gründung der Partei Freier Demokraten, die zum Landesverband Hamburg der FDP werden sollte. 1946 wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden des FDP-Landesverbands Hamburg gewählt. 1947 erfolgte die Wahl zum Stellvertretenden Vorsitzenden der FDP in der Britischen Besatzungszone. Von 1950 bis 1955 war er Stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP; dem FDP-Bundesvorstand gehörte er von 1949 bis 1955 an. Obwohl er als Exponent des linken Flügels galt, trat er am 23. Februar 1956 mit der sog. Euler-Gruppe, die ansonsten eher dem rechten Parteiflügel zugerechnet wurde, aus der FDP aus und wurde Mitbegründer der FVP, die sich bereits nach einem Jahr mit der DP vereinigte. 1961 kehrte er zur FDP zurück. Ab 1947 war er Mitglied des Zonenbeirats für die Britische Besatzungszone und 1948/49 des Parlamentarischen Rats und dessen Vizepräsident. In dieser Eigenschaft fertigte er am 23. Mai 1949 zusammen mit Konrad Adenauer und Adolph Schönfelder das Grundgesetz aus; die Verfassungsurkunde trägt also seine Unterschrift. Schäfer leitete die Kommission des Parlamentarischen Rats, die prüfen sollte, welche der vier Bewerberstädte (Bonn, Frankfurt am Main, Kassel oder Stuttgart) den vorläufigen Sitz der Bundesorgane erhalten sollte. Die Kommission schlug dem Parlamentarischen Rat vor, sich zwischen Bonn und Frankfurt zu entscheiden, Kassel und Stuttgart wurden für ungeeignet befunden. Von 1949 bis 1957 war Schäfer Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1949 bis 1953 dessen Vizepräsident. Darüber hinaus war Schäfer von 1950 bis 1953 auch Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Außerdem war er vom 12. September 1949 bis 10. Januar 1951 sowie vom 6. Mai 1952 bis 1953 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, in der Zwischenzeit deren stellvertretender Vorsitzender. Am 23. Februar 1956 verließ Schäfer gemeinsam mit der so genannten "Euler-Gruppe" die FDP-Bundestagsfraktion und gehörte dem Bundestag zunächst als fraktionsloser Abgeordneter an. Am 15. März 1956 wurde er Mitglied der von der Euler-Gruppe gebildeten "Demokratischen Arbeitsgemeinschaft", die sich am 26. Juni 1956 in "FVP-Bundestagsfraktion" umbenannte und am 14. März 1957 schließlich mit der DP die DP/FVP-Fraktion bildete. Hermann Schäfer ist 1949 über die Landesliste Hamburg und 1953 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Hamburg IV in den Bundestag eingezogen. Vom 20. Oktober 1953 bis zum 16. Oktober 1956 amtierte Schäfer in der von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführten Bundesregierung als Bundesminister für besondere Aufgaben und zuständig für den deutschen Mittelstand. 1957 wurde Schäfer zum Bundesbeauftragten für Fragen der Angestellten und freien Berufe ernannt. Von 1962 bis 1967 war er Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung. Schäfer war von 1964 bis 1966 Vorsitzender der Gesellschaft für die Freiheit - Freunde und Förderer der Friedrich-Naumann-Stiftung.
Walter Scheel (* 8. Juli 1919 in Höhscheid, Landkreis Solingen; † 24. August 2016 in Bad Krozingen): Seit 1946 war er Mitglied der FDP. Von 1954 bis 1974 saß er im FDP-Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen, davon etliche Jahre als Landesschatzmeister. 1956 wurde er erstmals in den FDP-Bundesvorstand gewählt, in dem er ebenfalls bis 1974, teilweise kraft seines Amts als Bundesminister, verblieb. Im selben Jahr (1956) gehörte er (u. a. mit Willi Weyer, Hans Wolfgang Rubin und Wolfgang Döring) zu den sogenannten Jungtürken, die den Koalitionswechsel der FDP in Nordrhein-Westfalen von der CDU zur SPD einleiteten und damit die Abspaltung der Euler-Gruppe und die Gründung der kurzlebigen Freien Volkspartei (FVP) veranlaßten. 1968 wurde er als Nachfolger von Erich Mende zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt. 1970/71 gehörte er mit Werner Maihofer und Karl-Hermann Flach zu den Autoren der Freiburger Thesen, des neuen Grundsatzprogramms der FDP. Laut Helge Matthiesen führte Scheel die FDP aus der nationalkonservativen Verengung, öffnete sie für neue Koalitionen und machte damit die SPD zur regierungsfähigen Partei. Mit seiner Wahl zum Bundespräsidenten 1974 legte er alle Parteiämter nieder. Nach dem Ende seiner Amtszeit als Bundespräsident wurde er 1980 zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt. Von 1968 bis 1974 war er Vizepräsident der "Liberalen Weltunion" (Vorgänger der Liberalen Internationale). Walter Scheel war über seine Laufbahn verteilt als Parlamentarier auf allen vier Ebenen aktiv: auf kommunaler, als Abgeordneter im Landtag von NRW und im Deutschen Bundestag sowie im Vorläufer des Europaparlaments. Von 1948 bis 1950 war Scheel Stadtrat in seiner Heimatstadt Solingen. Von 1950 bis 1954 war er Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Remscheid. 1953 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er bis zum 27. Juni 1974 angehörte, da er sein Bundestagsmandat nach seiner im Mai erfolgten Wahl zum Bundespräsidenten vier Tage vor Amtsantritt niederlegte. Von 1967 bis 1969 war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Vom 1. Juli 1956 bis 20. November 1961 war er außerdem Mitglied des Europäischen Parlaments. Hier arbeitete er von 1959 bis 1962 als Vorsitzender des Ausschusses für Fragen der Assoziierung der überseeischen Länder und Gebiete und wirkte seit 1958 als stellvertretender Vorsitzender der liberalen Fraktion. Nach der Bundestagswahl 1961 wurde Scheel am 14. November 1961 im Kabinett Adenauer IV zum ersten Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ernannt. Am 19. November 1962 trat er anläßlich der Spiegel-Affäre zusammen mit den anderen FDP-Bundesministern aus Protest zurück. Dem daraufhin am 13. Dezember 1962 ohne den umstrittenen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß gebildeten Kabinett gehörte er dann aber mit gleicher Funktion wieder an. Er behielt dieses Amt auch in der von Bundeskanzler Ludwig Erhard geführten Bundesregierung. Wegen eines Streits über den Bundeshaushalt trat er am 28. Oktober 1966 gemeinsam mit den anderen FDP-Bundesministern von seinem Amt zurück. Nach der Bundestagswahl 1969 wirkte er maßgeblich auf die Bildung einer sozialliberalen Bundesregierung hin und wurde im Kabinett von Willy Brandt am 22. Oktober 1969 zum Vizekanzler und zum Bundesminister des Auswärtigen ernannt. 1970 besuchte Walter Scheel als erster deutscher Außenminister Israel, das 1965 diplomatisch anerkannt worden war. Scheel gilt gemeinsam mit Willy Brandt als "Vater der Entspannungspolitik" und der neuen Deutschlandpolitik, die zunächst von den Unionsparteien scharf bekämpft wurde und auch zu Fraktionsaustritten bei den Regierungsparteien SPD und FDP führte, so daß diesen zeitweilig die Mehrheit im Deutschen Bundestag verloren ging. Die Neuwahlen 1972 stärkten sowohl die SPD als auch die Positionen Walters Scheels in der FDP und bewiesen die hohe Akzeptanz der sozialliberalen Politik. Sehr große Bekanntheit erlangte Walter Scheel 1973, indem er zugunsten der Behindertenhilfsorganisation Aktion Sorgenkind das deutsche Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" auf Schallplatte sang. Allein bis zum Frühjahr 1974 wurde die Platte über 300.000 Mal verkauft. Auch noch während seiner später folgenden Amtszeit als Bundespräsident erlangte er mit dieser Art der ungewöhnlichen und gemeinnützigen Spendenwerbung hohe Popularität. Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Brandt am 7. Mai 1974 nahm Scheel auf Ersuchen des Bundespräsidenten gemäß Art. 69 Abs. 3 Grundgesetz die Amtsgeschäfte des Bundeskanzlers übergangsweise wahr, bis Helmut Schmidt am 16. Mai 1974 zum neuen Bundeskanzler gewählt wurde. Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1974 am 15. Mai 1974 wurde er mit 530 Stimmen von SPD und FDP in der Bundesversammlung in der Beethovenhalle in Bonn gegen Richard von Weizsäcker (CDU, 498 Stimmen) zum vierten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt und trat am 1. Juli 1974 sein neues Amt an. Als Bundespräsident verweigerte er 1976 einem Gesetz zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Kriegsdienstverweigerern seine Unterschrift, da er die Zustimmung des Bundesrates für notwendig erachtete. Für die Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1979 stellte er sich angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung nicht erneut zur Verfügung und schied am 30. Juni 1979 aus dem Amt. Scheel überschrieb seine Präsidentschaft mit der Leitidee: "Miteinander, nicht gegeneinander". Im Kontext der Terrorgruppe RAF rief er im Oktober 1977 zur "kritische[n] Sympathie des Bürgers mit dem demokratischen Staat" auf und sagte: "Eine Demokratie ist immer auf dem Wege zu sich selbst. Sie ist nie fertig. Nur Staaten, in denen die Freiheit nicht viel gilt, behaupten von sich, sie hätten das Klassenziel erreicht. Nur Menschen, die von Freiheit nichts wissen, behaupten, sie hätten ein Rezept, wie der 'ideale Staat' zu verwirklichen sei. Freiheit und unvollkommener Staat, das gehört zusammen - ebenso wie der 'ideale' Staat mit Unfreiheit und Unmenschlichkeit zusammen geht. Die Demokratie ist nicht zuletzt deshalb die beste Staatsform, weil sie sich ihre eigenen Mängel eingesteht." Bei der Trauerfeier für Hanns Martin Schleyer bat er in seiner Rolle als Bundespräsident die Angehörigen um Vergebung und sprach zur Dialektik von Verantwortung und Schuld des Staates. Scheel wird im Buch "Walter Scheel: Unerhörte Reden" als herausragender Rhetoriker beschrieben, dessen Reden, obwohl sie nach wie vor aktuell seien, weitgehend in Vergessenheit geraten sind. So bezeichnete Scheel 1975 als erster Bundespräsident den 8. Mai 1945 als Befreiung. Lange vor der bekannten Weizsäcker-Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes sagte Scheel: "Wir wurden von einem furchtbaren Joch befreit, von Krieg, Mord, Knechtschaft und Barbarei. […] Aber wir vergessen nicht, dass diese Befreiung von außen kam." Bundespräsident Joachim Gauck faßte 2016 auf dem Staatsakt für den verstorbenen Walter Scheel dessen politische Biographie so zusammen. "Sein Leben steht beispielhaft für den erfolgreichen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg und zugleich für die Neuorientierung der Bundesrepublik Ende der 1960er Jahre. Zu beidem hat er Wichtiges beigetragen, so viel wie nur wenige Deutsche seiner Generation." Seine Amtszeit als Bundespräsident wird rückblickend ambivalent beurteilt. Man warf ihm vor, daß er keinen großen Entwurf parat gehabt habe, wie er das Amt auszufüllen gedenke. Sein feinerer Lebensstil und eine prachtvollere Ausstattung von Dienstsitz und Zeremoniell unterschieden sich deutlich von dem seiner puristischeren Vorgänger und wurden daher - insbesondere zu Beginn seiner Amtszeit - teilweise kritisiert. Lob bekam Scheel für seine offene und optimistische Art. Andere Darstellungen weisen darauf hin, daß Walter Scheel zu Unrecht das Image eines politischen Leichtgewichts angehaftet habe, und porträtierten ihn in der Wochenzeitung "Die Zeit" und bezeichnen ihn als "Der Verkannte". Sein Büro unterhielt der ehemalige Bundespräsident bis 2014 im Rathaus seines Wohnortes Bad Krozingen. Das Büro wurde zum 1. August 2014 geschlossen, auch der Leasingvertrag seines Dienstwagens wurde vom Bundespräsidialamt nicht verlängert. Scheels Büroleiter leitete die Geschäfte seither vom Bundespräsidialamt in Berlin aus. Von 1967 bis 1974 war Scheel stellvertretender Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, 1979 wurde er deren Kuratoriumsvorsitzender; seit 1991 war er Ehrenvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung. Im Jahre 1978 wurde Scheel Vorsitzender des Kuratoriums der Hermann Kunst-Stiftung zur Förderung der neutestamentlichen Textforschung, das die Arbeit des Instituts für Neutestamentliche Textforschung in Münster fördert. 1979 wurde er Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung; dies nahm Thomas Bernhard zum Anlaß, aus dieser auszutreten. Von 1980 bis 1985 war er Vorsitzender der Bilderberg-Konferenz und von 1980 bis 1989 Präsident der Europa-Union. Von 1980 bis 1985 war Walter Scheel Präsident des Deutschen Rats der Europäischen Bewegung, dessen Ehrenpräsident er bis zu seinem Tod war. In Nachfolge von Theodor Heuss und Carlo Schmid war Scheel seit 1980 Ehrenpräsident des Deutschen Künstlerbunds. Von 1995 bis 2000 war er 1. Kuratoriumsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, einer Bundesstiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin. Von 2011 bis zu seinem Tode war Walter Scheel Schirmherr des gemeinnützigen Vereins "ProBeethovenhalle e. V." in Bonn. Scheel war Ehrenvorsitzender des Kuratoriums von Plan International und Ehrenpräsident der Deutsch-Britischen Gesellschaft. Er war Schirmherr der Darul-Aman Stiftung, die den Wiederaufbau des Darul-Aman-Palasts als zukünftiges Parlamentsgebäude von Afghanistan fördert. Außerdem unterstützte er in seiner Geburtsstadt Solingen als Schirmherr der Stiftung Botanischer Garten Solingen e. V. den Förderverein des Botanischen Garten Solingen rund 13 Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahr 2016 bei Spendenaufrufen oder mit Grußworten zu offiziellen Veranstaltungen. Sehr bekannt wurde Walter Scheels musikalischer Auftritt mit dem Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen", das er zusammen mit zwei Düsseldorfer Männergesangvereinen aufnahm. Dies wurde am 6. Dezember 1973 in der Fernsehshow "Drei mal Neun" aufgeführt; im Januar 1974 belegte das Lied Platz fünf der deutschen Singlecharts. Zu einem Besuch Scheels in Mali in den 1970ern wurde das Lied an Stelle der deutschen Hymne aus Versehen eingespielt. Scheel war der letzte noch lebende Bundesminister der Kabinette von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Mit 97 Jahren, 1 Monat und 16 Tagen ist Scheel der am ältesten gewordene aller regierenden Bundespräsidenten und Bundeskanzler. Bis Juli 2024 war er auch viele Jahre der am ältesten gewordene Bundesminister der Bundesrepublik Deutschland, bis er von Oscar Schneider überrundet wurde.
Wieland Albert Wilhelm Schinnenburg (* 12. November 1958 in Norden): Er trat 1981 in die FDP ein. Von 1981 bis 1983 war er Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Liberalen und von 1987 bis 1989 Mitglied im Landesvorstand der Hamburger FDP. Von 2001 bis 2004 gehörte Schinnenburg der Hamburgischen Bürgerschaft an und war dort stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion. Von 2006 bis 2007 war er als Nachfolger von Leif Schrader Landesvorsitzender der Hamburger FDP. 2007 wählte ihn die Hamburger FDP zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl 2008, Schinnenburg legte aber einen Monat später alle Ämter nieder. Als Begründung gab er "mangelnde Unterstützung in der Führungsebene" an. Sein Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Landesvorstands wurde Hinnerk Fock. Als die FDP nach der Bürgerschaftswahl 2011 erstmals seit 2004 wieder in das Parlament einziehen konnte, wurde Schinnenburg Vizepräsident. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 erlangte Schinnenburg erneut ein Mandat. Bei der Bundestagswahl 2017 wurde Schinnenburg neben Katja Suding über die Hamburger Landesliste der FDP in den 19. Deutschen Bundestag gewählt und legte sein Bürgerschaftsmandat nieder; für ihn rückte Ewald Aukes nach. Im Bundestag trug er das Amt eines Schriftführers und war ordentliches Mitglied im Ausschuß für Gesundheit, stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuß, Wahlausschuß, Unterausschuß Europarecht und stellvertretender Vorsitzender der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe. Für die FDP-Fraktion war er der Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik sowie zuständig für Psychotherapie, Heil- und Hilfsmittel, Prävention, Verhütungsmittel, HIV und Europarecht. Bei seinem Versuch, erneut einen aussichtsreichen Listenplatz auf der Hamburger Landesliste für die Bundestagswahl 2021 zu erreichen, scheiterte er an Michael Kruse (Platz 1) und Ria Schröder (Platz 2). Seinen letzten Redebeitrag vor dem Deutschen Bundestag leistete er am 24. Juni 2021 um 22.20 Uhr in einer Stellungnahme über die umstrittene Gesetzesänderung zum Stiftungsrecht, die wenige Tage zuvor um eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes erweitert wurde. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag rückte er im Oktober 2021 in die Bezirksversammlung Hamburg-Nord nach. 2024 kandidierte er nicht erneut und schied aus der Bezirksversammlung aus.
Edzard Schmidt-Jortzig (* 8. Oktober 1941 in Berlin als Edzard Schmidt): Seit 1982 Mitglied der FDP, zog er bei der Bundestagswahl 1994 über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Deutschen Bundestag ein. Bis zu seiner Berufung in die Bundesregierung leitete er in der 14. Wahlperiode den Arbeitskreis Innen- und Rechtspolitik der FDP-Bundestagsfraktion. 1987 bis 1990 saß er in der Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt. 1989/90 beriet er die Mitglieder der Verfassungsgebenden Versammlung Namibias. 1991 bis 1993 nahm er an den Verfassungsberatungen in Polen und Estland teil. 1991 bis 1994 saß er in der Enquête-Kommission "Verfassungsreform" Rheinland-Pfalz und in der Verfassungskommission Thüringen. Am 17. Januar 1996 wurde er als Bundesminister der Justiz in das Kabinett Kohl V berufen. Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus der Regierung aus. Von 1998 bis 2002 war er Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission und der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin". Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2002 arbeitete er von 2003 bis 2004 in der Föderalismuskommission. Von 1997 bis 2004 war Schmidt-Jortzig Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Von 2008 bis 2012 war er Vorsitzender des neuen Deutschen Ethikrates; von 2012 bis 2016 war er einfaches Mitglied.
Ria Irmtraut Claudia Schröder (* 7. März 1992 in Boppard): Sie ist seit 2014 Mitglied im Landesvorstand der FDP Hamburg, seit 2015 Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Liberalen und wurde am 27. April 2018 Bundesvorsitzende des FDP-nahen Jugendverbands. Sie setzte sich auf dem 56. Bundeskongreß der Jungen Liberalen in Gütersloh mit 58,08 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen einen Gegenkandidaten durch. Schröder folgte auf Konstantin Kuhle, der nach seiner Wahl in den Deutschen Bundestag nicht mehr als Vorsitzender antrat. Zuvor war sie von 2014 bis 2016 stellvertretende Landesvorsitzende für Organisation der Jungen Liberalen Hamburg sowie zunächst Beisitzerin und später stellvertretende Bundesvorsitzende für Organisation im Bundesvorstand. Auf dem Bundeskongreß 2019 wurde sie mit 56,6 Prozent ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Nachdem Schröder ankündigte, nach zwei Jahren als Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen nicht erneut anzutreten, wurde auf dem Bundeskongreß im August 2020 in Bielefeld Jens Teutrine als ihr Nachfolger gewählt. Zur Bundestagswahl 2017 trat Schröder für die FDP auf Platz 4 der von Katja Suding angeführten Landesliste in Hamburg an. Zudem setzte sie sich innerparteilich mit ihrer Bewerbung um die Direktkandidatur für die FDP im Wahlkreis Hamburg-Eimsbüttel gegen Burkhardt Müller-Sönksen durch, der bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages gewesen war. Sie verfehlte jedoch den Einzug in den Bundestag. Für die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft 2020 wurde Schröder auf Platz 7 der Landesliste der FDP Hamburg gewählt. Den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft verpaßte sie jedoch, da ihre Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Zur Bundestagswahl 2021 bewarb sich Schröder auf Platz 1 der Hamburger Landesliste der FDP. Sie konnte sich dabei gegen insgesamt drei andere Kandidaten nicht durchsetzen und wurde anschließend auf Listenplatz 2 gewählt. Sie schaffte den Einzug in den Bundestag. Im 20. Deutschen Bundestag ist Schröder die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion der Freien Demokraten. Sie ist Mitglied im Ausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Schröder gehörte zu der Gruppe von Bundestagsabgeordneten um Kristine Lütke, die im Vorfeld der Abschaffung des § 219a StGB in einem Video tanzend die Kopf-ab-Geste in die Kamera machte. Das Video stieß auf Kritik. Medien und Politik sprachen von Geschmacklosigkeit angesichts des Themas, es renne keine Frau tanzend und singend zur Abtreibung so Dorothee Bär. Das Video wurde danach von Lütke gelöscht. Lütke sprach von einem Mißverständnis, während Schröder die Aktion verteidigte.
Marina Schuster (* 23. September 1975 in Eichstätt): Sie ist seit Februar 1997 Mitglied der FDP und der Jungen Liberalen. Im April 1997 wurde sie stellvertretende Kreisvorsitzende. Seit 2000 ist sie Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Roth und gehört dem Landesvorstand der FDP Bayern sowie der Liberalen Frauen Bayern an. Seit 2002 gehört Schuster dem Kreistag des Landkreises Roth an. Zwischen 2005 und 2013 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie zog stets über die Landesliste Bayern in den Bundestag ein. Ihr Wahlkreis war Roth. Im Oktober 2012 wurde Schuster erneut als Spitzenkandidatin der FDP Mittelfranken für die Bundestagswahl 2013 nominiert, bei der die Partei den Einzug in den Bundestag verpaßte; insgesamt votierten 42 der Delegierten für Schuster, die aber auch acht Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen hinnehmen mußte. In der 17. Wahlperiode war Schuster Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Bereits seit 2005 gehörte sie als ordentliches Mitglied dem Auswärtigen Ausschuß an. Seit 2009 war sie Obfrau im Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und gehört dem Unterausschuß "Vereinte Nationen, internationale Organisationen und Globalisierung" an. In der Deutsch-Ägyptischen Parlamentariergruppe engagierte sie sich als stellvertretende Vorsitzende. Zwischen Februar 2006 und September 2009 war Schuster außerdem Mitglied im Unterausschuß "Globalisierung und Außenwirtschaft" und die Sprecherin des Unterausschusses für die FDP-Fraktion. Außerdem gehörte sie zwischen 2005 und 2009 dem Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dem Unterausschuß "Vereinte Nationen" sowie dem Innenausschuß als stellvertretendes Mitglied an. Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit sind die Durchsetzung von Menschenrechten verfolgter Minderheiten sowie die Weiterentwicklung des Völkerstrafrechts. So bezeichnete sie die Ermordung des ugandischen Schwulenaktivisten David Kato im Januar 2011 als "Folge der homophoben Stimmung in der ugandischen Gesellschaft." Gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer (SPD) und Ute Granold (CDU) reiste Schuster im Februar 2012 nach Kambodscha, um sich über die Arbeit des Rote-Khmer-Tribunal zu informieren, zu dessen Hauptsponsoren Deutschland gehört. Seitdem unterstützt sie den Kampf gegen den Einsatz von Landminen. Mit Parlamentariern aus aller Welt machte sie sich seit 2012 im Rahmen der Kampagne Control Arms für eine Einigung auf einen Vertrag über den Waffenhandel stark. Schuster nahm außerdem als Beobachterin am Prozeß gegen Michail Chodorkowski teil und hielt angesichts des von Menschenrechtlern ebenfalls als unfair kritisierten Verfahrens um Sergei Magnitski "ein Einreiseverbot [für die Verantwortlichen] für ein mögliches Mittel, um den Druck auf die russische Seite zu erhöhen". Als Afrikaexpertin der FDP-Fraktion begleitete Schuster außerdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Bundesminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Guido Westerwelle (FDP) und Dirk Niebel (FDP) auf Reisen auf den Kontinent. Sie gilt als Kritikerin einer auf Entwicklungshilfe fokussierten Afrikapolitik Deutschlands. 2009 unterstützte sie den Vorschlag, zur Effizienzsteigerung der deutschen Afrikapolitik das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in das Auswärtige Amt zu integrieren. Angesichts der Unruhen in Kenia 2007/2008, bei denen mehrere Oppositionspolitiker ermordet wurden, kritisierte sie im Spiegel, Steinmeier zeige eine "defensive Haltung", die "allein auf humanitäre Hilfe" für Kenia setze. Das sei "völlig unverständlich". Mit Blick auf die Situation in Somalia forderte sie ein gemeinsames Handeln von Europäischer Union und Vereinigten Staaten zur Herstellung funktionierender staatlicher Strukturen; anderenfalls bleibe das Land "das Sicherheitsrisiko in der Region". Im Rahmen der Initiative "Parlamentarier schützen Parlamentarier" des Deutschen Bundestages bemüht sich Schuster um die verfolgten simbabwischen Menschenrechtsaktivisten Jestina Mukoko, Jenni Williams und Farai Maguwu. Als Nachfolgerin von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wurde Schuster 2010 Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Dort ist sie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Rechtsfragen und Menschenrechte sowie Mitglied im Ausschuß für die Einhaltung der von den Mitgliedstaaten des Europarates eingegangenen Verpflichtungen. Regionale Schwerpunkte ihrer Arbeit bilden hier Rußland und die Türkei. Vor dem Hintergrund der "fehlenden Rechtsstaatlichkeit" in Rußland, sei es wichtig, "das Augenmerk ganz besonders auf die Defizite zu legen und Rußland an den eigenen Reformversprechungen zu messen". Sollte die Aufklärung der Verbrechen wie die Ermordung von Sergei Magnitski weiter ausbleiben, findet Schuster gezielte Reisesanktionen gegen nachweisbar verantwortliche Beamte "durchaus hilfreich". Im Oktober 2012 kritisierte sie im Europarat das Hafturteil für Mitglieder der Polit-Punkband Pussy Riot als "völlig unangemessen" und forderte die sofortige Freilassung der Sängerinnen. Seit 2013 ist Schuster Berichterstatterin für die Abschaffung der Todesstrafe. Seit 2010 ist Schuster Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Außerdem gehört sie dem Vorstand der Deutschen Afrika-Stiftung, der Deutschen Stiftung Friedensforschung, dem Kuratorium der Hirschfeld-Eddy-Stiftung sowie dem Beirat des Deutschen Evaluierungsinstituts der Entwicklungszusammenarbeit an.
Irmgard Schwaetzer (* 5. April 1942 in Münster, Ehename 1974 bis 1991 Adam-Schwaetzer): Seit 1975 ist sie Mitglied der FDP. 1980 wurde sie Bezirksvorsitzende in Aachen, von 1982 bis 1984 war sie als Nachfolgerin des zur SPD übergewechselten Günter Verheugen Generalsekretärin der FDP. Von 1984 bis 1987 amtierte sie als Bundesschatzmeisterin. Von 1988 bis 1994 war sie zudem stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende, nachdem sie bei einer Kampfabstimmung um den FDP-Vorsitz Otto Graf Lambsdorff unterlegen gewesen war. Nachdem sie schon in den 1980er Jahren Aachener Bezirksvorsitzende gewesen war, übte sie dieses Amt erneut von 1997 bis 2002 aus. Noch heute ist sie u. a. im Bereich der Frauenpolitik als Ehrenvorsitzende der Bundesvereinigung Liberaler Frauen aktiv. Von 1980 bis 2002 war Irmgard Schwaetzer Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1998 bis 2002 war sie die Vorsitzende des Arbeitskreises für Arbeits- und Sozialpolitik, Gesundheitspolitik, Familien-, Frauen- und Jugendpolitik der FDP-Bundestagsfraktion. Sie war jeweils über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen. Nach der Bundestagswahl 1987 wurde sie am 12. März 1987 als Staatsministerin im Auswärtigen Amt in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Nachdem die FDP bei der Bundestagswahl 1990 Stimmengewinne hatte verbuchen können und ein zusätzliches Ressort für sich beansprucht hatte, wurde Irmgard Schwaetzer am 18. Januar 1991 zur Bundesministerin für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau ernannt. Im Mai 1992 war sie nach dem Rücktritt von Hans-Dietrich Genscher Kandidatin des FDP-Parteivorstands für das Amt des Bundesaußenministers. Gegen diesen Vorschlag legte jedoch die Bundestagsfraktion der FDP ihr Veto ein, woraufhin Justizminister Klaus Kinkel an ihrer Stelle nominiert wurde. Sie schied am 17. November 1994 aus der Bundesregierung aus. Von 2003 bis 2014 war sie Mitglied des Kuratoriums der parteinahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Außerdem war sie von 2003 bis 2014 Mitglied des Vorstands der Stiftung. Von 2003 bis 2015 war sie Vorsitzende des Auswahlausschusses der Begabtenförderung der Stiftung. Sie war Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Am 10. November 2013 wurde sie überraschend zur Präses (Vorsitzenden) der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt, nachdem der CSU-Politiker und bisherige Vizepräses Günther Beckstein und die pensionierte Bremer Richterin Brigitte Boehme zuvor in zwei Wahlgängen ohne klares Ergebnis gegeneinander angetreten waren. Die als Kompromißkandidatin ad hoc ins Rennen gebrachte Schwaetzer wurde gewählt, nachdem die beiden ursprünglichen Kandidaten ihre Kandidaturen sukzessive zurückgezogen hatten.
Matthias Seestern-Pauly (* 28. Februar 1984 in Osnabrück): Den Jungen Liberalen trat er 2002 bei. Ein Jahr später folgte der Eintritt in die FDP, deren Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Bad Iburg er von 2006 bis 2021 war. Des Weiteren ist er seit 2011 Vorsitzender der FDP/CDW-Gruppe im Kreistag des Landkreises Osnabrück und seit 2016 Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Osnabrück-Land. Seit 2010 gehört Seestern-Pauly dem Landesvorstand der FDP Niedersachsen an. Bei der Bundestagswahl 2017 zog Seestern-Pauly über die Landesliste für die FDP Niedersachsen in den 19. Deutschen Bundestag ein. Auch für die Bundestagswahl 2021 nominierte ihn die FDP Niedersachsen auf ihrer Landesliste. Bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 holte die FDP in Niedersachsen 10,5 Prozent der Zweitstimmen, wodurch Seestern-Pauly in den 20. Deutschen Bundestag gewählt wurde. In seinem Wahlkreis Osnabrück-Land holten die Freien Demokraten dabei 11,1 Prozent der Zweitstimmen. Im 19. Deutschen Bundestag war Seestern-Pauly ordentliches Mitglied im Ausschuß für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dort Obmann der Fraktion der Freien Demokraten. Vom 1. Februar 2020 bis zum 31. Juli 2020 war er Vorsitzender der Kinderkommission und gehört darüber hinaus dem Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung an. Zudem war er stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Innerhalb seiner Fraktion war er kinder- und jugendpolitischer Sprecher. In dieser Funktion hat er dabei unter anderem deutliche Kritik am sogenannten "Gute-Kita-Gesetz" der Bundesregierung geübt. So habe die damalige SPD-Familienministerin Franziska Giffey anstelle echter Qualitätsverbesserungen in der Kindertagesbetreuung vielmehr die Umsetzung des Wahlversprechens der pauschalen Beitragsfreiheit verfolgt. Zudem erarbeitete die FDP-Bundestagsfraktion unter seiner Federführung ein Positionspapier, in dem flächendeckende, bundesweit einheitliche und verbindliche Qualitätsstandards in der Frühkindlichen Bildung gefordert werden. Ein weiterer Themenschwerpunkt Seestern-Paulys war der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Bundesregierung wiederholt dafür, den Gesetzentwurf zu spät eingebracht zu haben. Zudem sei die ohnehin angespannte Personalsituation in der Frühkindlichen Bildung vollkommen außer Acht gelassen worden. Im März 2020 waren Seestern-Pauly und sein Fraktionskollege Jens Beeck die einzigen Abgeordneten der FDP-Fraktion, die einen Antrag der Fraktion "Bündnis 90/Die Grünen" für ein humanitäres Aufnahmeprogramm für besonders schutzbedürftige Asylsuchende aus Griechenland nicht ablehnten. Im 20. Deutschen Bundestag vertritt Seestern-Pauly die Freien Demokraten erneut im Familienausschuß. Er wurde zudem von seiner Fraktion zum familienpolitischen Sprecher ernannt und zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend gewählt. Bei der Bundestagswahl 2025 kandidiert Seestern-Pauly nicht erneut.
Ursula Seiler-Albring geb. Albring (* 19. Juli 1943 in Saarbrücken): Seit 1969 ist sie Mitglied der FDP. Sie gehörte lange Jahre dem FDP-Bundesvorstand an. Von 1986 bis 1990 war sie Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung. Von 1970 bis 1974 gehörte Seiler-Albring als sachkundige Bürgerin der FDP-Ratsfraktion im Stadtrat von Düsseldorf an. Von 1983 bis 1994 war Seiler-Albring Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war sie von April 1988 bis Dezember 1990 Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion. Seiler-Albring ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag eingezogen. Am 24. Januar 1991 wurde Seiler-Albring als Staatsministerin im Auswärtigen Amt in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 1994 schied sie am 17. November 1994 aus dem Amt. Nach ihrem Ausscheiden aus der Politik war sie von 1995 bis 1999 Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Österreich und von 1999 bis 2003 in Bulgarien. Von 2003 bis 2006 war sie Deutsche Botschafterin in Ungarn.
Frank Sitta (* 30. Juni 1978 in Sangerhausen): Er schloß sich 1993 den Jungen Liberalen an, deren Fördermitglied er bis heute ist. Im Jahr 2001 trat er der FDP bei. Am 25. April 2015 wurde Sitta auf dem 25. Landesparteitag der FDP Sachsen-Anhalt in Peißen zum Landesvorsitzenden seiner Partei gewählt. Am 29. August 2015 nominierte ihn eine Delegiertenversammlung in Magdeburg als FDP-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2016, bei der die FDP knapp den Einzug ins Parlament verfehlte. Weiterhin engagiert er sich in der Liberalen Initiative Mittelstand Sachsen-Anhalt. Auf dem FDP-Bundesparteitag 2017 wurde er am 29. April 2017 in das Präsidium gewählt. Er war zudem Kreisvorsitzender seiner Partei in Halle (Saale). Bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 kandidierte Sitta auf Platz 1 der Landesliste der FDP Sachsen-Anhalt, die landesweit ein Ergebnis von 7,8 Prozent der Zweitstimmen erzielte. Er wurde so Mitglied des 19. Deutschen Bundestages, der sich am 24. Oktober 2017 konstituierte. Von der Bundestagsfraktion der Freien Demokraten wurde Sitta mit 94,81 Prozent als stellvertretender Vorsitzender in den Fraktionsvorstand gewählt. Sitta verantwortete im Fraktionsvorstand die Themen Digitalisierung; Verkehr und digitale Infrastruktur; Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen; Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit; Landwirtschaft und Ernährung. Er war stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Verkehr und digitale Infrastruktur, im Ausschuß für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, im Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, im Ausschuß für Ernährung und Landwirtschaft sowie im Ausschuß Digitale Agenda. Sitta zog sich im Herbst 2020 aus der Politik zurück und stellte den Landesvorsitz zur Verfügung.
Max Josef Stadler (* 23. März 1949 in Passau; † 12. Mai 2013 in Thyrnau): Er war seit 1972 Mitglied der FDP. Von 1991 bis 1998 war Stadler als Nachfolger von Josef Grünbeck Landesvorsitzender der FDP Bayern. Aufgrund der erneut verlorenen Landtagswahl sowie einer parteiinternen Finanzaffäre traten Stadler und der gesamte Landesvorstand im Oktober 1998 zurück. In der Finanzaffäre, die die bayerische FDP in erhebliche finanzielle Bedrängnis brachte und zu massiven Kürzungen im Personal- und Sachhaushalt führten, wurden Stadler fehlende Kontrollen vorgeworfen. Im Zuge der Aufarbeitung leistete er einen erheblichen Eigenanteil, um die bayerische FDP finanziell wieder handlungsfähig zu machen. Nachfolger wurde Hermann Stützer. In seiner Eigenschaft als Landesvorsitzender gehörte Stadler auch dem FDP-Bundesvorstand an. Seit 1984 gehörte Stadler dem Stadtrat der Stadt Passau an und war dort seit 1990 Vorsitzender der FDP-Fraktion. Seit 1994 war Stadler Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1994 bis 1998 Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für Medienpolitik sowie für Post und Telekommunikation und Obmann der FDP-Fraktion in der Enquete-Kommission "Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft - Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft". In der 13. Legislaturperiode (1994 bis 1998) war Stadler Obmann der FDP-Fraktion im Plutonium-Untersuchungsausschuß und in der 14. Legislaturperiode (1998 bis 2002) im Parteispenden-Untersuchungsausschuß. Von Januar 1998 bis März 2000 war er Mitglied im Verwaltungsrat des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds. Stadler engagierte sich auch bei der Lösung der Frage der Zwangsarbeiterentschädigung und gehörte seit August 2000 dem Kuratorium der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" an. Von September 1999 bis zum Ende der 16. Wahlperiode 2009 war Stadler außerdem Mitglied in der G10-Kommission. Von 2001 bis November 2005 war er innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Seit November 2005 war Stadler Vorsitzender des Arbeitskreises IV der FDP-Bundestagsfraktion und Fraktionssprecher für Öffentliches Dienstrecht. Daneben war er stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages. Am 14. Dezember 2005 wurde Stadler zum stellvertretenden Vorsitzenden des Parlamentarischen Kontrollgremiums gewählt, 2007 wurde er dessen Vorsitzender. Dieses Amt übte er bis zum Ende des Jahres 2007 aus. Vom 1. Januar 2008 bis Ende der 16. Wahlperiode war er erneut stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums. Stadler war seit Ende Oktober 2009 Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Justiz. Stadler war stets über die Landesliste Bayern in den Bundestag eingezogen. Sein Wahlkreis war Passau. Er war Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag. Sein Nachfolger als Abgeordneter wurde Gerhard Drexler. In der 15. Wahlperiode des Deutschen Bundestages (2005–2009) war Stadler ordentliches Mitglied der G 10-Kommission. Max Stadler war Vorstandsmitglied der Vereinigung Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V. Stadler war seit November 2010 Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung.
Maja Stadler-Euler (* 13. August 1941 in Berlin): 1970 trat sie der FDP bei, wurde bald Vorsitzende des Kreisverbands Eppendorf-Groß Borstel und - protegiert durch den Landesvorsitzenden Hermann F. Arning - Landesgeschäftsführerin. "Damals", so Stadler-Euler, "hatten Frauen ohnehin nur eine Chance in Führungsposten zu kommen, wenn man von Männern gefördert wurde". Von 1972 bis 1974 übte sie dieses Amt der Geschäftsführerin des Hamburger Landesverbands der FDP aus. Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 1974 zog sie als Abgeordnete in die Hamburgische Bürgerschaft ein und wurde sofort zur Stellvertreterin des Fraktionsvorsitzenden Gerhard Moritz Meyer gewählt. 1977 wurde dieser zum Justizsenator, Stadler-Euler wurde von ihren Parteifreunden - als erste Frau in einem deutschen Landesparlament - zur Fraktionsvorsitzenden der FDP Hamburg gewählt. "Ich habe sehr bewußt im Parlament eine Distanz zwischen den Männern und mir hergestellt. Und das geht auch über Kleidung. Wir trugen die damals modischen Hosenanzüge. Damit haben wir uns im Grunde sehr vermännlicht". Ihr politischer Schwerpunkt in der Bürgerschaft lag im interfraktionellen Haushaltsausschuß sowie im Bauausschuß. Mit der Niederlage der FDP bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 1978 endete ihre parlamentarische Karriere. Von November 1991 bis November 1996 amtierte sie als Richterin am Hamburgischen Verfassungsgericht. Sie war beteiligt an dem Urteil, das die Hamburg-Wahlen 1991 wegen unzureichender Kandidatenaufstellung der CDU für unzulässig erklärte. Bundesweit bekannt wurde Maja Stadler-Euler 1983, als sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Gisela Wild durch eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht die bundesweite Volkszählung blockierte. Die Juristinnen waren davon überzeugt, daß das geplante Verfahren wegen der Vermischung von statistischen Zwecken und Verwaltungsvollzug verfassungswidrig sei. Anfangs kam beträchtlicher Gegenwind gegen das Vorhaben aus Juristenkreisen, da viele der Meinung waren, sie hätten nichts zu verbergen und die Volkszählung daher in ihren Augen kein verfassungswidriger Eingriff. Das Gericht gab jedoch den beiden Frauen recht, die Volkszählung mußte verschoben und die diesbezüglichen Fragen an die Bevölkerung geändert werden. In diesem Urteil etablierte das Bundesverfassungsgericht erstmals das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das bis in die Gegenwart den Ausgangspunkt für zahlreiche Verfassungsbeschwerden und Reformen im Bereich Datenschutz bildet. Ihr Vater August-Martin Euler, Jurist und FDP-Politiker, war für die Europäische Gemeinschaft tätig.
Wolfgang Stammberger (* 14. Juli 1920 in Coburg; † 1. Mai 1982 ebenda): Von 1946 bis 1964 war er Mitglied der FDP. Hier engagierte er sich zunächst bei den Jungdemokraten, deren Landesvorsitzender in Bayern er von 1946 bis 1948 war. Am 3. Juni 1964, gut 18 Monate nach seinem Rücktritt als Bundesminister, trat er aus der FDP aus und wurde Mitglied der SPD. Diesen Schritt begründete er vor allem mit der schwindenden Bedeutung der FDP, da die SPD auf dem Weg zu einer liberalen Volkspartei sei. Nachdem er sich mit der Stadtratsfraktion der SPD überworfen hatte und 1978 nicht erneut zur Oberbürgermeisterwahl in Coburg aufgestellt wurde, verließ er die SPD noch im selben Jahr. Von 1953 bis 1969 gehörte Stammberger dem Deutschen Bundestag an. Er zog 1953 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Coburg und danach stets über die Landesliste Bayern in den Bundestag ein. Dort war er von 1957 bis 1961 Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheitswesen; er war damals der jüngste amtierende Ausschußvorsitzende. Am 3. Juni 1964 wechselte er in die SPD-Bundestagsfraktion. Nach der Bundestagswahl 1961 wurde er am 14. November 1961 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. In seine Amtszeit fielen die Affäre um die Berufung von Wolfgang Fränkel zum Generalbundesanwalt und die Spiegel-Affäre, in der er rechtswidrig von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß übergangen wurde und in deren Gefolge er am 19. November 1962 gemeinsam mit den anderen FDP-Bundesministern von seinem Amt zurücktrat. Von 1970 bis 1978 war er Oberbürgermeister von Coburg. Seine Nichte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger folgte ihm nach 30 Jahren im Amt nach.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (* 10. März 1958 in Düsseldorf als Marie-Agnes Jahn): Sie ist seit 1990 Mitglied der FDP und war von 2014 bis 2024 Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Düsseldorf. Zuvor war sie bereits stellvertretende Kreisvorsitzende. Von 2013 bis 2019 war sie stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundespartei. Als solche war sie für die Themen Kommunales, Soziales und Gesundheit verantwortlich. Seit 2019 ist sie auf Vorschlag des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner Beisitzerin im Bundesvorstand der FDP. Seit März 2022 ist sie gewählte Beisitzerin im Bezirksvorstand des FDP-Bezirksverbands Düsseldorf. In ihrer Funktion als Mitglied des FDP-Bundesvorstands ist Strack-Zimmermann kraft ihres Amtes kooptiertes Mitglied im Landesvorstand der FDP Nordrhein-Westfalen. Seit September 2023 ist Strack-Zimmermann in ihrer Funktion als Spitzenkandidatin der FDP zur Europawahl 2024 Gast im FDP-Präsidium. Sie wurde auf dem Europaparteitag der FDP am 28. Januar 2024 in Berlin offiziell zur Spitzenkandidatin gewählt. Von 1999 bis 2004 war sie Bezirksvertreterin in der Bezirksversammlung im Stadtbezirk 7 (Düsseldorf). Von der Kommunalwahl 2004 bis 2023 war sie Mitglied im Rat der Stadt Düsseldorf. Von 2005 bis 2009 war sie Vorsitzende der Ratsfraktion der dortigen FDP, von 2009 bis 2014 stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Von 2008 bis 2014 war sie Erste Bürgermeisterin und Stellvertreterin des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Düsseldorf. Vom 26. Mai 2014 bis zum 25. September 2017 war sie wieder Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion. Ebenso war sie von 2009 bis 2014 stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland. Von 2014 bis 2018 war sie dort stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion. Am 1. Juni 2018 gab sie aufgrund ihres Bundestagsmandats ihr Mandat in der Landschaftsversammlung Rheinland ab. Strack-Zimmermann gehört der FDP-Fraktion in der Landschaftsversammlung Rheinland und dem Fraktionsvorstand weiter als sachkundige Bürgerin und stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuß, im Krankenhausausschuß 2 und im Ausschuß für Personal und allgemeine Verwaltung an. Bei den Kommunalwahlen 2020 kandidierte sie als Oberbürgermeisterkandidatin für die FDP in Düsseldorf. Hierbei erzielte die FDP in Düsseldorf bei der Ratswahl mit 9,2 Prozent der Stimmen das zweitbeste Ergebnis seit 1964 und das beste Ergebnis aller kreisfreien Städte in NRW. Strack-Zimmermann selbst erzielte bei der Oberbürgermeisterwahl ein Ergebnis von 12,52 Prozent der Stimmen. Mit Wirkung zum 1. Februar 2023 legte sie ihr Ratsmandat nieder. Bei der Bundestagswahl 2017 war Strack-Zimmermann Direktkandidatin im Wahlkreis Düsseldorf I. In ihrem Wahlkreis erzielte die FDP mit 19,7 Prozent der Zweitstimmen das deutschlandweit beste Zweitstimmenergebnis für die Freien Demokraten. Strack-Zimmermann zog über Listenplatz 2 der Landesliste der FDP Nordrhein-Westfalen in den 19. Deutschen Bundestag ein. Im 19. Deutschen Bundestag (2017 bis 2021) war Strack-Zimmermann ordentliches Mitglied des Verteidigungsausschusses, ordentliches Mitglied des Ausschusses für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen sowie stellvertretendes Mitglied des Innenausschusses. Für die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag war Strack-Zimmermann verteidigungspolitische Sprecherin und Sprecherin für Kommunalpolitik. Ebenso war sie Vorsitzende der Arbeitsgruppe (AG) Verteidigung und der AG Kommunalpolitik der Fraktion sowie Mitglied der AG Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen. Strack-Zimmermann war außerdem seit Januar 2019 Mitglied im ersten Untersuchungsausschuß des Verteidigungsministeriums, der auf Antrag von FDP und der Parteien "Bündnis 90/Die Grünen" und "Die Linke" zur Aufklärung der sogenannten Berateraffäre im Bundesverteidigungsministerium eingesetzt wurde. Strack-Zimmermann ist des Weiteren Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO. Für die Bundestagswahl 2021 wurde sie von der FDP Düsseldorf im Wahlkreis Düsseldorf I (106) erneut als Direktkandidatin nominiert. Dabei erreichte sie als Viertplatzierte 13,9 Prozent der Erststimmen und verfehlte ein Direktmandat. Auch kandidierte sie wieder für die FDP Nordrhein-Westfalen auf Platz 2 der Landesliste. Über diese zog sie zum zweiten Mal in den Bundestag ein. Entgegen dem Bundestrend konnte die FDP in Strack-Zimmermanns Wahlkreis das Zweitstimmenergebnis jedoch nicht steigern; sie büßte im Vergleich zur Wahl 2017 3,8 Prozentpunkte ein. Insgesamt verlor die FDP in NRW bei den Zweitstimmen im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 jedoch ebenso 1,7 Prozentpunkte. Das Zweitstimmenergebnis der FDP im Wahlkreis von Strack-Zimmermann war NRW-weit das beste Zweitstimmenergebnis für die FDP. Im 20. Deutschen Bundestag war Strack-Zimmermann ordentliches Mitglied des Verteidigungsausschusses und stellvertretendes Mitglied des Innenausschusses. Sie wurde am 15. Dezember 2021 in der konstituierenden Sitzung des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages auf Vorschlag der FDP-Bundestagsfraktion mit 94,74 Prozent der abgegebenen Stimmen aller ordentlichen Mitglieder zur Ausschußvorsitzenden gewählt. Aufgrund ihrer Wahl in das Europäische Parlament legte sie ihren Vorsitz mit Wirkung zum 12. Juni 2024 nieder. Ihr folgte Marcus Faber nach. Sie reiste am 12. April 2022, zu einem frühen Zeitpunkt nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, gemeinsam mit Michael Roth (SPD), dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, und Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), dem Vorsitzenden des EU-Ausschusses, als erste hochrangige Vertreter des Bundestages nach Lwiw (Lemberg) in die Westukraine. Sie führten dort Gespräche mit mehreren hochrangigen Vertretern des ukrainischen Parlaments, besuchten ein Krankenhaus mit Verwundeten des Krieges und eine von Rußland zerstörte Raffinerie. Nach dem Einzug ins Europaparlament legte sie zum 15. Juli 2024 ihr Bundestagsmandat nieder, Nachrücker war Fabian Griewel. Bei den schlußendlich gescheiterten Sondierungsgesprächen nach der Bundestagswahl 2017 zwischen CDU, CSU, FDP und der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" über eine Jamaikakoalition gehörte Strack-Zimmermann als stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende zum Kernverhandlungsteam. Sie kritisierte im Anschluß an die Gespräche, daß Bundeskanzlerin Merkel die FDP bei den Sondierungsgesprächen nicht ernst genommen habe und dies einer von vielen Gründen gewesen sei, daß die FDP die Gespräche abgebrochen habe. Bei den Verhandlungen zur Ampelkoalition zwischen SPD, der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" und FDP nach der Bundestagswahl 2021 leitete Strack-Zimmermann von Seiten der FDP die Arbeitsgruppe "Gute Lebensverhältnisse in Stadt und Land" und war als Verteidigungspolitikerin Teil der Arbeitsgruppe "Außen, Sicherheit, Verteidigung, Entwicklung, Menschenrechte". Im April 2023 sprachen sich die Landesvorsitzenden der FDP einstimmig für Strack-Zimmermann als Spitzenkandidatin der Freien Demokraten für die Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2024 aus. Am 20. April 2023 nominierte der FDP-Bundesvorstand sie einstimmig als Spitzenkandidatin. Auf dem FDP-Bundesparteitag 2023 betonte Strack-Zimmermann in ihrer Rede, daß mit dieser Nominierung für sie ein persönlicher Wunsch in Erfüllung gehe. Laut eigener Aussage schlug Strack-Zimmermann die Kandidatur dem Parteivorsitzenden Christian Lindner selbst vor. Auf dem Europaparteitag der FDP in Berlin am 28. Januar votierten 553 Delegierte bei 50 Gegenstimmen und 10 Enthaltungen, d. h. über 90 Prozent der Delegierten, für ihre Nominierung als Spitzenkandidatin. Am 20. März 2024 wurde sie zudem zur Spitzenkandidatin der Europapartei Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa gewählt, der die FDP angehört. Bei der Europawahl 2024 am 9. Juni 2024 erhielt die FDP 5,2 Prozent der Stimmen in Deutschland, was einem leichten Minus von 0,2 Prozentpunkten entsprach. Aufgrund der gestiegenen Wahlbeteiligung erhielt die FDP jedoch insgesamt 31.863 Stimmen mehr als 2019. Die FDP konnte ihre fünf Mandate im Europäischen Parlament halten, Strack-Zimmermann errang als Spitzenkandidatin eines dieser Mandate und gehört seit dem 16. Juli erstmals dem Europäischen Parlament an. In ihrer Heimatstadt Düsseldorf erhielt die FDP mit 11,2 Prozent das deutschlandweit beste regionale Ergebnis.
Jens Teutrine (* 22. Oktober 1993 in Gütersloh): Er ist seit 2009 Mitglied der Jungen Liberalen. 2014 begann er sich in der Liberalen Hochschulgruppe der Universität Bielefeld zu engagieren. 2015 wurde Teutrine zum Bezirksvorsitzenden der Jungen Liberalen in Ostwestfalen-Lippe gewählt, außerdem ist er seitdem Beisitzer im Bezirksvorstand der FDP Ostwestfalen-Lippe. 2017 wurde er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden, 2018 zum Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen Nordrhein-Westfalen gewählt. Am 29. August 2020 wurde er mit 91 Prozent der Stimmen ohne Gegenkandidaten zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt. Seine Vorgängerin Ria Schröder hatte nicht mehr kandidiert. Seit April 2021 ist Teutrine Mitglied des Landesvorstands der FDP Nordrhein-Westfalen, seit Mai 2021 Mitglied des FDP-Bundesvorstands. Zur Bundestagswahl 2021 trat Teutrine im Wahlkreis Herford - Minden-Lübbecke II als Direktkandidat an und erreichte über Platz 18 auf der Landesliste der FDP Nordrhein-Westfalen den Einzug in den 20. Deutschen Bundestag. Im Anschluß war er Teilnehmer an den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" und FDP in den Arbeitsgruppen "Arbeit und Weiterbildung" sowie "Kinder, Jugend, Familie und Senioren" und wurde zum Vorsitzenden der Jungen Gruppe der FDP-Fraktion gewählt. Als Mitglied des Bundestages besetzt er den Ausschuß für Arbeit und Soziales.
Dieter Thomae (* 23. Juni 1940 in Dahlem bei Bitburg; † 14. März 2020 in Sinzig): 1972 trat er in die FDP ein. Ab 1974 gehörte er dem Stadtrat von Ahrweiler und später dem Kreistag von Bad Neuenahr-Ahrweiler an. Von 1980 bis 1998 war er Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Koblenz und gehörte dem FDP-Vorstand in Rheinland-Pfalz an. Nach der Bundestagswahl 1987 zog er über die Landesliste Rheinland-Pfalz erstmals in den Bundestag ein, dem er fünf Wahlperioden lang angehörte. Von 1987 bis 1991 war er Obmann im Ausschuß für Arbeit und Sozialordnung, von 1991 bis 1998 Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages. Nach der Bundestagswahl 1998 übernahm er von Jürgen Möllemann das Amt des gesundheitspolitischen Sprechers der FDP-Fraktion. Zur Bundestagswahl 2005 trat er nicht erneut an. Dieter Thomae gilt als der Initiator des Konzepts "Gesundheitsregion Kreis Ahrweiler". Nach Aussage seines Parteifreunds Daniel Bahr hat er besonders in der Zeit der von Union und SPD dominierten Gesundheitsreformen nach dem ersten Krankenversicherungs-Kostendämpfungsgesetz von 1977 liberale gesundheitspolitische Akzente im Sinne seiner Partei durchsetzen können. Er ist der Erfinder der in der gesetzlichen Krankenversicherung angewandten Bonus-Regelung beim Zahnersatz. Thomae gehörte seit den 1990er Jahren dem Aufsichtsrat des in München ansässigen Pflegeheimbetreibers Curanum AG an, den er von Oktober 2007 bis Anfang Juni 2012 als Vorsitzender leitete und dessen stellvertretenden Vorsitz er auch danach behielt. Unter seiner Führung bestellte der Aufsichtsrat im Herbst 2010 Walther Wever zum Vorstandsvorsitzenden, der die Aktiengesellschaft bis zu ihrer Verschmelzung mit dem französischen Korian-Konzern 2014 führte. Für seinen Einsatz in der Gesundheitspolitik und für das Gemeinwohl erhielt er im Jahr 2000 die "Hartmann-Thieding-Medaille" des Hartmannbunds. Zuletzt war er Ehrenvorsitzender des FDP-Bezirksverbands Koblenz.
Johannes Vogel (* 29. April 1982 in Wermelskirchen): Als Jugendlicher war er zunächst Mitglied der Grünen Jugend. 1998 wurde er Mitglied der Jungen Liberalen, zuvor engagierte er sich kurzzeitig in der Partei "Bündnis 90/Die Grünen". Seit 1999 ist er Mitglied der FDP. Er war von 2003 bis 2004 Chefredakteur des Mitgliedermagazins "jung+liberal", das der Bundesverband der FDP-Jugendorganisation herausgibt. 2004 wurde er in den Bundesvorstand der Jungen Liberalen gewählt; 2005 wurde er vom Bundeskongreß der Jungen Liberalen in Magdeburg zum JuLi-Bundesvorsitzenden gewählt. Nach fünf Jahren an der Spitze des Verbandes kandidierte Vogel 2010 nicht erneut, um sich auf seine neue Aufgabe als Bundestagsabgeordneter zu konzentrieren. 2006 gründete er zusammen mit Liane Knüppel, Hartmut Knüppel, Daniel Bahr, Gisela Piltz, Joachim Stamp und Hans-Joachim Otto den Verein Netzwerk 80 e. V. als Zusammenschluß aller Bundesvorstandsmitglieder und Bundesgeschäftsführer der Jungen Liberalen seit 1980. Bei der nordrhein-westfälischen Kommunalwahl 2004 kandidierte er im Wahlkreis Wermelskirchen I erfolgreich für den Kreistag des Rheinisch-Bergischen Kreises. Die FDP erhielt 9,9 Prozent der Stimmen und Vogel gehörte dem Kreistag bis Oktober 2009 als jüngstes Mitglied an. Von 2014 bis 2022 war er Generalsekretär der FDP NRW. Er leitete den Wahlkampf bei der NRW-Landtagswahl im Mai 2017, bei dem die FDP NRW das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielen konnte. Die Kampagne wurde dabei als erste politische Kampagne überhaupt mit dem effie-Award in Gold ausgezeichnet. Das Ergebnis der Landtagswahl führte zu einem Regierungswechsel (Kabinett Kraft II → Kabinett Laschet) in Nordrhein-Westfalen. Vogel gehörte dem engeren Verhandlungsteam der FDP NRW um Christian Lindner an und wirkte an der Regierungsbildung mit. Auf dem Landesparteitag Anfang 2022 trat er nicht erneut als NRW-Generalsekretär an, um sich auf seine Aufgaben als Stellvertretender Bundesvorsitzender und Erster Parlamentarischer Geschäftsführer zu konzentrieren. Auf dem Bundesparteitag 2021 wurde Vogel mit 79 Prozent Zustimmung zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP gewählt. Bei den Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen zwischen FDP, der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" und SPD nach der Bundestagswahl 2021 verantwortete er für die Liberalen die Themen Arbeit und Sozialstaat. Vogel kandidierte bei der Bundestagswahl 2009 im Wahlkreis Olpe - Märkischer Kreis I (WK 149) und zog über Platz 16 der nordrhein-westfälischen Landesliste in den Deutschen Bundestag ein, dem er bis 2013 angehörte. Er war ab 2009 arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sowie Vorsitzender der Jungen Gruppe der FDP-Fraktion. Nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde 2013 war er im 18. Bundestag nicht vertreten. Bei der Bundestagswahl 2017 stand Vogel auf Platz 5 der Landesliste der FDP NRW und zog in den 19. Deutschen Bundestag ein. In der 19. Wahlperiode war er ordentliches Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales und stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuß. Zudem war er Vorsitzender der AG Arbeit und Soziales der FDP-Bundestagsfraktion und Sprecher für Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Bei der Bundestagswahl 2021 erhielt er erneut über Platz 5 der Landesliste Nordrhein-Westfalen ein Mandat. Am 7. Dezember 2021 wurde er mit 93 Prozent der Stimmen als Nachfolger von Marco Buschmann zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion gewählt.
Ruth Wagner (* 18. Oktober 1940 in Wolfskehlen): Seit 1971 ist sie Mitglied der FDP. Von 1977 bis 1990 war sie Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Darmstadt. Seit 1977 gehört sie dem FDP-Landesvorstand in Hessen und von 1986 bis 2008 auch dem FDP-Bundesvorstand an. Von 1987 bis 1995 war sie stellvertretende Landesvorsitzende und von 1995 bis 2005 Landesvorsitzende der FDP in Hessen. Im Februar 2000 nahm sie ein Zerwürfnis mit der Bundespartei in Kauf, als sich die hessische FDP für den Verbleib in der von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) geführten Koalitionsregierung aussprach. Auf dem FDP-Landesparteitag am 21. November 2009 in Wetzlar wurde Wagner zur Ehrenvorsitzenden ihrer Partei gewählt. Wagner war Mitglied der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung von 1978 bis 1980, 1989 bis 1995 und erneut von 2006 bis 2011. Wagner war von 1978 bis 1999 sowie nochmals von 2003 bis 2008 Mitglied des Hessischen Landtags. Sie kandidierte im Wahlkreis Darmstadt-Stadt I, wurde aber stets über die FDP-Landesliste gewählt. Hier war sie von 1994 bis 1999 Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion und daneben von 1997 bis 1999 stellvertretende Vorsitzende der Enquête-Kommission "Künftige Aufgaben des Hessischen Landtags an der Wende zum 21. Jahrhundert". Von 1987 bis 1991 und von 2003 bis 2008 war Wagner Vizepräsidentin des Landtags. Mit dem Ende der Legislaturperiode am 4. April 2008 und der Konstituierung des neuen Hessischen Landtags am 5. April 2008 schied sie als Abgeordnete aus dem Parlament aus. Wagner war 1984, 1999 und 2003 Mitglied der Bundesversammlung. Nach der Landtagswahl 1999 wurde sie am 7. April 1999 hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst und Stellvertreterin des Ministerpräsidenten in der von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) geführten Landesregierung. Nachdem die CDU bei der Landtagswahl 2003 eine absolute Mehrheit erreichen konnte, schied sie am 5. April 2003 aus dem Amt. 1993 bis 2020 war Wagner Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Von 2005 bis 2021 war Wagner Vorsitzende der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen.
Rüdiger Freiherr von Wechmar (* 15. November 1923 in Berlin; † 17. Oktober 2007 in München): In Bonn war er 1950 einer der Mitbegründer der Bundespressekonferenz. 1958 trat er als Pressereferent am Generalkonsulat in New York in den Auswärtigen Dienst ein. In New York war er auch Mitarbeiter bei der ständigen Beobachtermission bei den Vereinten Nationen. Durch die Unterstützung seines Freundes Walter Cronkite konnte er in den USA das Fernsehgeschäft bei CBS Evening News kennenlernen. 1963 schied er aus dem diplomatischen Dienst zunächst aus, um in Wien Auslandskorrespondent für Osteuropa des neu gegründeten Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) zu werden. 1968 wurde er wieder Beamter, zunächst als Direktor des German Information Center in New York, dann 1969 unter Conrad Ahlers stellvertretender Regierungssprecher. 1973 wurde von Wechmar zum Regierungssprecher im Range eines beamteten Staatssekretärs ernannt und blieb bis zum Ende der Amtszeit von Bundeskanzler Willy Brandt dessen Regierungssprecher, bis er 1974 ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen wurde. Er vertrat die Bundesrepublik 1977 und 1978 im UN-Sicherheitsrat, zwei Monate lang auch als dessen Präsident. 1980/1981 war er Vorsitzender der UN-Generalversammlung. 1981 bis 1983 war er Botschafter in Rom, 1983 bis 1988 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in London. 1988 wurde er für die FDP als "Zugpferd" in das Europäische Parlament gewählt. Nach fünf Jahren Abstinenz konnten die Freien Demokraten somit 1989 wieder für eine Legislaturperiode ins Europäische Parlament einziehen. Von 1971 bis 1973 und von 1982 bis 1990 war er Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung. Von 1989 bis 1994 war von Wechmar Mitglied des Europaparlaments für die FDP und Vorsitzender der Deutschen Gruppe in der Liberalen Fraktion (ELDE). Bei der Wahl zum Präsidenten des Europäischen Parlaments erhielt er in der Sitzung vom 25. Juli 1989 von sechs Kandidaten mit 93 Stimmen das zweitbeste Ergebnis, mußte sich aber dem Sozialdemokraten Enrique Barón Crespo geschlagen geben.
Guido Westerwelle (* 27. Dezember 1961 in Bad Honnef; † 18. März 2016 in Köln): Er war ab 1980 Mitglied der FDP. Hier zählte er zu den Mitbegründern der Jungen Liberalen, die nach dem Koalitionswechsel der FDP 1982 die Jungdemokraten als offizielle Jugendorganisation der Partei ablösten. 1983 wurde er in einer Stichwahl gegen Andreas Reichel als Nachfolger von Hans-Joachim Otto deren Bundesvorsitzender: ein Amt, das er bis 1988 behielt. Ab 1988 gehörte er dem FDP-Bundesvorstand an. Als sein wichtigstes Vorbild bezeichnete er Hans-Dietrich Genscher. Von 1994 bis 2001 war Westerwelle unter den Parteivorsitzenden Klaus Kinkel und Wolfgang Gerhardt Generalsekretär der FDP. In dieser Funktion hatte er maßgeblichen Anteil an der Neuformulierung des aktuellen Parteiprogramms, den Wiesbadener Grundsätzen, und leitete die Kommission, die das Programm ausarbeitete. Am 4. Mai 2001 wurde er auf dem FDP-Bundesparteitag in Düsseldorf mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Wolfgang Gerhardt als Bundesvorsitzender gewählt. Im Alter von 39 Jahren war er damit der bis dahin jüngste Bundesvorsitzende der FDP. Westerwelle positionierte die Partei vor allem in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Sein angestrebter Kurs war der einer "unabhängigen Alternative zu CDU/CSU und Rot-Grün" und die Schaffung einer Äquidistanz zu den beiden Volksparteien. Bei der Bundestagswahl 2002 trat er als erster Kanzlerkandidat in der Geschichte der FDP an. Die Partei zog auf Initiative von ihm und Jürgen Möllemann zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf. Der Stimmenanteil der FDP verbesserte sich von 6,2 Prozent, die sie bei der Bundestagswahl 1998 erreicht hatte, auf 7,4 Prozent. Ursprünglich geplant war ein "Projekt 18" getauftes Wahlziel von 18 Prozent Stimmenanteil, für das Westerwelle im Wahlkampf 2002 mit dem sogenannten Guidomobil um Stimmen kämpfte. Die Art, wie er seine Kampagne bestritt, trug ihm und der Partei den Vorwurf ein, zu viel "Spaßwahlkampf" zu führen. 2003 wurde er als Parteivorsitzender mit 79,8 Prozent der Stimmen der Delegierten wiedergewählt und 2005 auf dem Bundesparteitag in Köln mit 80,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Der FDP-Bundesparteitag 2007 in Stuttgart wählte ihn mit dem bis dahin besten Ergebnis von 87,6 Prozent erneut wieder. Vor der Landtagswahl 2005 in Nordrhein-Westfalen forderte Westerwelle als einziger Spitzenpolitiker eine Bundestags-Neuwahl für den Fall eines Regierungswechsels in Nordrhein-Westfalen. Tatsächlich kündigte Bundeskanzler Gerhard Schröder am 22. Mai 2005 nach der verlorenen NRW-Wahl an, eine vorgezogene Bundestagswahl anzustreben. Die FDP nominierte Westerwelle am Tag darauf zum Spitzenkandidaten der FDP für die Bundestagswahl 2005. Am 15. Mai 2009 wurde Westerwelle mit 95,8 Prozent auf dem FDP-Bundesparteitag in Hannover als Parteivorsitzender im Amt bestätigt. Im selben Jahr erreichte die FDP mit 14,6 Prozent der Stimmen ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Während der Koalitionsverhandlungen mit der CDU sahen viele Medienvertreter Westerwelle wegen der stark finanz- und wirtschaftspolitischen Ausrichtung seiner Partei als künftigen Bundesfinanzminister; tatsächlich wurde er jedoch Bundesaußenminister. Zu den parteiinternen Kritikern Westerwelles gehörte der Schaumburger Kreis, ein marktliberal ausgerichteter innerparteilicher Zirkel. Im Dezember 2010 wurde bekannt, daß ein Mitglied Interna aus Gesprächen des Schaumburger Kreises über eine etwaige Ablösung von Westerwelle als Parteivorsitzendem und Außenminister an die Presse weitergegeben hatte. 2011 geriet Westerwelle als Vorsitzender unter Druck, als die FDP in den Landtagswahlen von Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg massiv Stimmen verlor und nur in Baden-Württemberg den Wiedereinzug ins Parlament schaffte. Hinzu kam die Enthaltung Deutschlands bei der Abstimmung über Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrats, der Westerwelle aufgrund der militärischen Beteiligung nicht zustimmen wollte. Diese Entscheidung versprach Resonanz bei der Bevölkerung; in der Presse stieß sie auf Kritik. Beim Bundesparteitag der FDP am 13. Mai 2011 kandidierte er nicht erneut und gab somit sein Amt als Parteivorsitzender auf. Neuer Vorsitzender wurde der bisherige Gesundheitsminister Philipp Rösler. Im November 2015 erklärte Westerwelle, er fühle sich in seiner Politik der militärischen Zurückhaltung auch im Rückblick bestätigt und sehe sie als nicht mehr ernsthaft bestritten an, seitdem auch sein Nachfolger als Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, zu dieser Politik gefunden habe. Am 8. Februar 1996 rückte Westerwelle für den ausgeschiedenen Abgeordneten Heinz Lanfermann in den Deutschen Bundestag nach. Am 2. Juli 2005 wurde Westerwelle mit 48 von 49 abgegebenen Stimmen zum FDP-Kandidaten des Wahlkreises Bonn gewählt, in dem er bei der Bundestagswahl 2002 rund 14 Prozent der Erststimmen erhielt. Am 10. Juli 2005 wählte die nordrhein-westfälische Landeswahlversammlung in Gütersloh Westerwelle mit 93,1 Prozent der Stimmen auf Platz 1 der Landesliste. Bei der Bundestagswahl 2005 erhielt er im Wahlkreis Bonn 8,7 Prozent der Erststimmen, bei der Bundestagswahl 2009 im gleichen Wahlkreis 19,1 Prozent der Erststimmen. Nach der Bundestagswahl 2005 vereinbarte er mit Wolfgang Gerhardt, diesem im Mai 2006 als Vorsitzender der Bundestagsfraktion nachzufolgen. Diese Entscheidung wurde von der Fraktion in einer "Vorratswahl" bestätigt, Westerwelle bekam dabei allerdings ein deutlich schlechteres Ergebnis als Wolfgang Gerhardt bei dessen Wiederwahl zum Fraktionsvorsitzenden. Am 1. Mai 2006 trat Westerwelle das Amt an und gab es am 26. Oktober 2009 im Zuge seines Wechsels ins Auswärtige Amt an Birgit Homburger ab. Westerwelle hat in der Legislaturperiode 2005 bis 2009 gemäß den veröffentlichungspflichtigen Angaben zu den Nebeneinkünften auf der Website des Deutschen Bundestages rund 30 Vorträge gehalten, bei denen er Vergütungen zwischen 7.000 Euro und 15.000 Euro erhielt. Zwischen 7.000 Euro und 15.000 Euro im Jahr bezog er auch jeweils als Mitglied des Aufsichtsrates des Versicherungskonzerns ARAG sowie als Mitglied der Beiräte der Deutschen Vermögensberatung AG, der Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG und der Unternehmensberatung TellSell Consulting GmbH. Durch das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde schied er mit der konstituierenden Sitzung des 18. Deutschen Bundestages am 22. Oktober 2013 aus dem Parlament aus. Am 17. Dezember 2013 wurde sein direkter Vorgänger, Frank-Walter Steinmeier, zu seinem Nachfolger als Außenminister ernannt. Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag bei der Bundestagswahl 2013 gründete Westerwelle gemeinsam mit dem Unternehmer Ralph Dommermuth die gemeinnützige Westerwelle Foundation - Stiftung für internationale Verständigung. Die Stiftung nahm ihren Betrieb im Januar 2014 auf, und Westerwelle übernahm den Vorsitz des Stiftungsvorstands. Sitz der Stiftung ist Berlin.
Willi Weyer (* 16. Februar 1917 in Hagen; † 25. August 1987 auf Juist): Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trat er der FDP bei und engagierte sich bei den Jungdemokraten, deren Landesvorsitz er schon 1946 übernahm. 1950 wurde er stellvertretender Landesvorsitzender der nordrhein-westfälischen FDP, von 1956 bis 1972 stand er an der Spitze des Landesverbands. Anfang 1956 gehörte Weyer zusammen mit Wolfgang Döring und Walter Scheel zu den sogenannten Jungtürken, die den Koalitionswechsel der FDP in Nordrhein-Westfalen von der CDU zur SPD einleiteten und damit die Abspaltung der Euler-Gruppe und die Gründung der kurzlebigen Freien Volkspartei (FVP) provozierten. Von 1963 bis 1967 war Weyer stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und von 1954 bis 1972 Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Weyer war von 1950 bis 1975 Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Von 1953 bis zum 17. September 1954 gehörte Weyer außerdem dem Deutschen Bundestag an. Weyer wurde am 27. Juli 1954 als Minister für Wiederaufbau in die von Ministerpräsident Karl Arnold (CDU) geleitete Landesregierung von Nordrhein-Westfalen berufen. Nachdem über ein konstruktives Mißtrauensvotum Fritz Steinhoff (SPD) mit den Stimmen der FDP-Abgeordneten zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden war, wurde Weyer am 28. Februar 1956 zum Finanzminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten ernannt. Als die CDU bei der darauf folgenden Landtagswahl 1958 die absolute Mehrheit erringen konnte, schied Weyer am 24. Juli 1958 aus der Landesregierung aus. In seiner Funktion als Finanzminister verbot er den nordrhein-westfälischen Finanzämtern, Berliner Forderungen aus Entnazifizierungsverfahren einzutreiben. Diese Maßnahme schützte politisch belastete Personen der NS-Zeit vor der Vollstreckung von Geldstrafen, die die unter alliierter Aufsicht deutlich strenger agierenden West-Berliner Spruchkammerverfahren im Zuge der Entnazifizierung verhängten. Nach der Landtagswahl 1962 kam es unter dem Ministerpräsidenten Franz Meyers erneut zu einer Koalition aus CDU und FDP und Weyer wurde am 26. Juli 1962 zum Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten ernannt. Zum 1. Dezember 1966 entließ Meyers die beiden FDP-Minister Weyer und Gerhard Kienbaum, um mit der SPD Verhandlungen über eine Große Koalition nach Bonner Vorbild zu führen. Die SPD ging stattdessen jedoch mit der FDP eine Koalition ein und wählte am 8. Dezember 1966 Heinz Kühn zum Ministerpräsidenten. Weyer wurde daher schon am 8. Dezember 1966 erneut zum Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten ernannt. Nach der Landtagswahl 1975 schied Weyer am 4. Juni 1975 endgültig aus der Landesregierung aus. In seiner Zeit als Innenminister setzte Weyer die erstmalige Aufnahme von Verkehrsnachrichten in das Rundfunkprogramm des WDR durch und richtete die ersten Wachen der Autobahnpolizei ein.
Katharina Willkomm (geborene Kloke, * 19. Februar 1987 in Düsseldorf): Sie gehört seit 2014 dem Kreisvorstand der Dürener FDP an und war zuvor bei den Jungen Liberalen auf Landesebene aktiv. Seit Januar 2023 ist Willkomm Mitglied des Landesvorstands der FDP Nordrhein-Westfalen. Während ihres Studiums arbeitete sie unter anderem im Landtag NRW für einen Abgeordneten. Im Dürener Stadtrat war sie als sachkundige Bürgerin tätig. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte Willkomm im Bundestagswahlkreis Düren und gewann 5,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. In gesamten Land Nordrhein-Westfalen gewann die FDP 13,1 Prozent, so daß sie als 20. der Landesliste in den Bundestag einzog. Willkomm war Sprecherin für Verbraucherschutz der FDP-Bundestagsfraktion. Ab Januar 2018 war Willkomm ordentliches Mitglied im Ausschuß für Recht und Verbraucherschutz des Bundestages und im Wahlprüfungsausschuß. Darüber hinaus war sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Gesundheit sowie im 1. Untersuchungsausschuß der 19. Wahlperiode des deutschen Bundestages zum Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016. Im Januar 2019 wechselte Willkomm als stellvertretendes Mitglied vom Petitionsausschuß in den Ausschuß Digitale Agenda und war zudem noch stellvertretendes Mitglied des Wahlausschusses. Da sie bei der Bundestagswahl 2021 kein Mandat erhielt, schied sie aus dem Bundestag aus. Am 7. August 2023 rückte sie für Alexander Graf Lambsdorff in den Bundestag nach.
Carl Wirths (* 10. Dezember 1897 in Elberfeld, heute zu Wuppertal; † 16. Juni 1955 in Wuppertal): Er wirkte in der Nachkriegszeit als Herausgeber der Westdeutschen Rundschau, einer der FDP nahestehenden Tageszeitung in Nordrhein-Westfalen. Wirths engagierte sich ab 1945 politisch in Wuppertal und gründete dort im Herbst zusammen mit Julius Greßler und Karl Schneider eine Ortsgruppe der Demokratischen Partei Deutschlands. Er wurde ihr Vorsitzender und leitete die spätere FDP-Kreisgruppe bis zu seinem Tod. 1946 nahm er am Gründungsparteitag der FDP in der britischen Besatzungszone teil und wurde später in den FDP-Landesvorstand der Nordrheinprovinz gewählt. Beim Zusammenschluß zum Landesverband Nordrhein-Westfalen 1947 wurde er nicht mehr in den Vorstand gewählt, weil er sich im Unternehmerflügel unbeliebt gemacht hatte. Er gehörte innerhalb der nordrhein-westfälischen FDP zu den Gegnern des nationalistischen Kurses von Parteichef Friedrich Middelhauve. Er lehnte die Entnazifizierung ab, sprach sich aber dagegen aus, dass alte NS-Kader in der FDP den Ton angaben. Im Januar 1952 suchte er zusammen mit Gustav Altenhain eine parteiinterne Aussprache mit Mittelhauve wegen seines zentralistischen Führungsstils, die mit einem klaren Bekenntnis der Mehrheit zu Middelhauve endete. Später strengte Ernst Achenbach ein Disziplinarverfahren gegen Wirths und Schneider an. Wirths wurde 1945 zum Mitglied im Beirat der Stadt Wuppertal bestimmt und war 1946 bis 1951 gewählter Stadtverordneter und Vorsitzender des Bau- und Wohnungsausschusses in Wuppertal. Dem Landtag von Nordrhein-Westfalen gehörte er vom 2. Oktober 1946 bis zum 1. September 1949 an, also in den zwei Ernennungsperioden und dem ersten frei gewählten Landtag. Bei der Wahl 1947 kandidierte er auf dem vierten Listenplatz. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 wurde Wirths Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Er errang aufgrund einer Wahlabsprache seiner Partei mit der CDU zweimal (1949 und 1953) das Direktmandat im Wahlkreis Wuppertal I. Von 1949 bis 1953 und vom 9. November 1954 bis zu seinem Tod war er stv. Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Bau- und Bodenrecht und vom 9. Februar 1950 bis zu seinem Tode stv. Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wiederaufbau und Wohnungswesen. Wirths war der maßgebliche Autor des Wohnungseigentumsgesetzes vom 15. März 1951, das auf eine Initiative der FDP-Fraktion hin beschlossen worden war.
Ingo Wolf (* 26. März 1955 in Braunschweig): Er ist seit 1988 Mitglied der FDP. Von 2000 bis 2003 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Euskirchen. Von 2002 bis 2014 war Wolf Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Aachen und war bis 2012 per § 21 der Landessatzung Mitglied des geschäftsführenden FDP-Landesvorstands. Wolf war Mitglied des Kreistags Euskirchen von 1999 bis 2005, wobei er der FDP-Fraktion von 1999 bis 2004 vorsaß. Von 1999 bis 2005 war er Mitglied im Euregiorat (dem höchsten Gremium der Euregio Rhein-Waal) und kooptiertes Vorstandsmitglied im Landkreistag NRW sowie im Präsidium des Städte- und Gemeindebunds NRW. Wolf war vom 2. Juni 2000 bis zum 30. Mai 2017 Abgeordneter des Landtags Nordrhein-Westfalen mit dem Wahlkreis Euskirchen I. Vom 17. Oktober 2002 bis zum 8. November 2002 hatte er überdies für die nordrhein-westfälische Landesliste ein Bundestagsmandat inne, welches er wieder niederlegte, als er in der Nachfolge von Jürgen Möllemann am 29. Oktober 2002 zum Vorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion NRW gewählt wurde. Dieses Amt hatte er bis 2005 inne. 2014 kündigte Wolf auf dem Bezirksparteitag der FDP Aachen an, nach 15 Jahren auf der kommunalen Ebene und 17 Jahren als Landtags- sowie kurzzeitiger Bundestagsabgeordneter nicht mehr für den Landtag zu kandidieren. Nach der Landtagswahl 2005 berief Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Spitzenkandidaten der FDP Landesliste, Ingo Wolf, als Innenminister in sein Kabinett, der zugleich auch für das Ressort Sport zuständig war. Als liberaler Innenminister achtete Wolf nach eigener Aussage auf die "Balance zwischen Freiheit und Sicherheit". Gesetzesverschärfungen lehnte er daher ab, so lange der Vollzug bestehender Gesetze noch verbessert werden konnte.
Hartfrid Wolff (* 28. Januar 1971 in Basel): Er ist seit 2007 Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Region Stuttgart. Im Jahr 2009 wurde er in den Bundesvorstand der FDP gewählt (bis 2015) und gehört seit 2005 dem FDP/DVP-Landesvorstand Baden-Württemberg an. Als aktives Mitglied in der Regionalpolitik und Regionalentwicklung gehört er zur zweiten Generation der liberalen "Remstalpolitiker". Von 2005 bis 2013 gehörte Wolff dem Deutschen Bundestag an, in den er über die Landesliste Baden-Württemberg einzog. Am 12. November 2009 wurde er in der FDP-Bundestagsfraktion zum Vorsitzenden des Arbeitskreises IV gewählt mit den Politikfeldern: Innen und Recht, Petitionen, Sport, Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung. Damit war er Mitglied im Fraktionsvorstand der FDP-Bundestagsfraktion. Er war ordentliches Mitglied im Innenausschuß und stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuß und im Ausschuß für Arbeit und Soziales. Seit 2009 war er Obmann im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Nachrichtendienste (2011 auch dessen stellvertretender Vorsitzender) und ab 2012 Obmann im 2. Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages zum Rechtsextremismus. Er verfaßte ein Positionspapier Fachkräfte-Zuwanderung sowie weitere Papiere zur Migrationspolitik, zum Bevölkerungsschutz und zur Inneren Sicherheit. Des Weiteren erarbeitete er mehrere Gesetzentwürfe, u. a. die Umsetzung der Zuwanderungssteuerung über eine "BlueCard EU" oder zur Intensivierung der parlamentarischen Kontrolle der Nachrichtendienste. In der 17. Wahlperiode des Deutschen Bundestages (2009 bis 2013) war Wolff ebenso stellvertretendes Mitglied der G 10-Kommission. Er gründete 2007 das "Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit" (ZÖS) mit und gilt als einer der Väter des "Forschungsforum Öffentliche Sicherheit" aus dem Jahr 2009. Zusammen mit Kollegen aus CDU, SPD und der Partei "Bündnis 90/Die Grünen" hat er das Grünbuch Öffentliche Sicherheit des ZÖS herausgegeben und war maßgeblicher Initiator des TAB-Berichts Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften - am Beispiel eines großräumigen Ausfalls der Stromversorgung. Von 2003 bis 2007 war er im ehrenamtlichen Vorstand der Björn-Steiger-Stiftung e.V. und war als Vertreter der FDP-Fraktion 2005 bis 2013 kooptiertes Mitglied im Präsidium der THW-Bundesvereinigung. Der zivilen Sicherheit blieb Wolff auch nach seiner Tätigkeit im Bundestag ehrenamtlich verbunden: von 2014 bis 2019 war Wolff Präsident der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg und in der Zeit auch im Vorstand der Deutschen Verkehrswacht. Wolff ist nach wie vor im Beirat des Deutschen Feuerwehrverbandes und im Beirat der Stiftung Wasserrettung sowie im Kuratorium des DLRG Württemberg aktiv. Seit September 2019 ist Wolff Regionalrat in der Regionalversammlung Verband Region Stuttgart und wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Im Juni 2019 veröffentlichte Wolff das Buch "Die Digitale Stadt", in dem kommunalen Entscheidern Hilfestellungen bei der digitalen Transformation gegeben werden sollen. Seit 2022 ist er im Bundesministerium für Digitales und Verkehr als Abteilungsleiter für die Pressearbeit und strategische Planung verantwortlich.
Uta Würfel (* 19. August 1944 in Bad Wiessee): Sie wurde 1976 Mitglied der FDP. 1982 wurde sie zur FDP-Kreisvorsitzenden St. Ingbert (Saarpfalz) gewählt und im November 1990 zur Landesvorsitzenden der FDP Saar. Nach nur zwei Monaten trat sie von diesem Amt im Januar 1991 wieder zurück, weil sie nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zur Reform des Landesverbands erhielt. Von 1990 bis 1994 war sie Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Würfel gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 1994 an. Sie war über die Landesliste Saarland ins Parlament eingezogen. Während ihrer Abgeordnetenzeit setzte sie sich für eine Reform des § 218 StGB ein. Bei der Europawahl 1994 war Würfel die FDP-Spitzenkandidatin, weswegen sie auf einen Listenplatz zur Bundestagswahl 1994 verzichtete. Da die FDP bei der Europawahl mit 4,1 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, erhielt Würfel kein Mandat und zog sich in der Folge aus der Politik zurück.
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