Erika Humm (* 7. September 1943; † 16. Juli 2021)

Aus einer Befürchtung wurde eine traurige Gewißheit. Erst in diesen Tagen habe ich aufgrund einer E-Mail der Gemeindeverwaltung erfahren, daß Erika Humm bereits am 16. Juli 2021 in De Panne verstorben ist. Ein Grab gibt es leider nicht; ihre Asche wurde verstreut.

 

Zuletzt habe ich sie am 13. Juli 2016 gesehen und gesprochen, als ich sie mit meinen Töchtern in ihrer neuen Heimat in Belgien besucht habe.

 

Nach der Beisetzung meiner Frau am 2. September 2014, bei der ich Erika vermißt hatte, wollte ich ihren Aufenthaltsort in Erfahrung bringen und Kontakt zu ihr aufnehmen. Dank einer Kollegin, mit der sie in ihren letzten Jahren bei der DKV sehr eng zusammengearbeitet hatte, konnte ich sie ausfindig machen und mit ihr in Kontakt treten.

 

Am 7. September 2024 wollte ich mich anläßlich ihres Geburtstags mal wieder bei ihr melden. Nach der Beisetzung von Klaus Roth am 2. Mai 2024 hatte ich wieder öfter an sie gedacht.

 

Ich konnte sie weder telefonisch noch brieflich erreichen. Eine Anfrage seinerzeit an die Bürgermeisterin von De Panne wurde nicht beantwortet.

 

Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand brach sie ihre Zelte in Köln ab und zog nach De Panne, eine Gemeinde im Arrondissement Veurne in der Provinz Westflandern mit rund 11.000 Einwohnern, der westlichste Punkt Belgiens und der südlichste Badeort an der belgischen Küste.

 

Dort hatte sie schon seit vielen Jahren ihre freien Tage verbracht und Kraft für ihre Arbeit in der und für die DKV Deutsche Krankenversicherung AG getankt.

 

Als ich sie Ende des Jahres 1986 kennengelernt habe, war sie für mich eine führende Vertreterin der konkurrierenden Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), die rote Erika.

 

Sie war seit dem 23. Mai 1984 2. Stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats der DKV-Hauptverwaltung und freigestelltes Mitglied des Betriebsrats.

 

Ich hatte mich noch vor dem Start meiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der DKV für eine Mitgliedschaft in der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) entschieden.

 

Der DGB und die Gewerkschaft HBV kamen für mich nie in Frage, zum einen und vor allem weil sie quasi die Abschaffung der privaten Krankenversicherung forderten bzw. fordern und zum anderen wegen ihrer großen Nähe zur SPD.

 

Ich war als Liberaler Mitglied der F.D.P. und ein überzeugter Anhänger und Verfechter der Idee der privaten Krankenversicherung.

 

Am 22. Mai 1987 wurde Erika Humm Vorsitzende des Betriebsrats der Hauptverwaltung, am 22. Juni 1987 Stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und am 26. Mai 1988 Mitglied des Aufsichtsrats.

 

Im Laufe meiner Zeit in den Betriebsverfassungsorganen, darunter dem Wirtschaftsrat, und der Zeit meiner Frau als freigestelltes Mitglied des Betriebsrats wurde Erika eine mütterliche Kollegin, der mein Respekt und meine Bewunderung galten.

 

Sie wurde am 16. Februar 1993 Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, übergab den Vorsitz des Betriebsrats der Hauptverwaltung am 11. März 1993 an Klaus Roth und übernahm am 24. Juni 1993 das Amt der 1. Stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats.

 

Am 13. Mai 1997 wurde sie Sprecherin des Europa-Forums der DKV. Es diente dem Austausch zwischen den Arbeitnehmervertretungen in den ausländischen DKV-Tochterunternehmen und dem DKV-Gesamtbetriebsrat.

 

Ungefähr zwei Jahre begleitete sie noch die Gründung der ERGO Versicherungsgruppe AG, dann zog sie sich aus den Betriebsverfassungsorganen zurück und übernahm am 1. Juli 1999 die Leitung des Organisationsteams des Projekts "Internationales Gesundheitsmanagement".

 

In den 2000er Jahren beendete Erika Humm ihre Tätigkeit bei der DKV. Sie mußte nicht mehr aktiv erleben, wie aus der DKV, Europas größter privater Krankenversicherung, quasi die ERGO Krankenversicherung wurde.

 

Ich bedauere sehr, daß ich vor ihrem Tod nicht noch einmal mit ihr sprechen konnte. Ich mochte sie, auch wenn wir politisch sicher sehr unterschiedliche Vorstellungen haben bzw. hatten. Für mich war sie eine DKVerin, die sich mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern verbunden fühlte und viel für die DKV getan hat, mehr als so manches Vorstandsmitglied und so mancher leitende Angestellte…

 

In meinen Erinnerungen, in meinem Kopf und meinem Herzen lebt sie weiter, unvergessen.