Nachruf auf Dr. Guido Westerwelle

"Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt."
Guido Westerwelle und Michael Mronz, Köln, den 18. März 2016
 
Dr. Guido Westerwelle (* 27. Dezember 1961 in Bad Honnef) lebt nicht mehr. Er starb am 18. März 2016 im Alter von 54 Jahren im Universitätsklinikum Köln. Diese traurige Nachricht wurde gegen 14.30 Uhr von seiner Stiftung, der Westerwelle Foundation, veröffentlicht. Guido, wie ich ihn aufgrund gemeinsamer Zeiten bei den Jungen Liberalen, nennen durfte, erlag den Folgen der Behandlung der (akuten myeloischen) Leukämie, die am 17. Juni 2014 eher zufällig bei ihm festgestellt wurde. Die durch die Behandlung verursachte Schwäche seines Immunsystems ließ ihn an einer Lungenentzündung erkranken, gegen die sein Körper sich nicht mehr wehren konnte.
 
Es war ein Schock, als mich die Nachricht von seinem Tod an jenem Freitagnachmittag erreicht hat. Einer meiner ersten Gedanken kreiste um Guidos Mann, Michael Mronz. Da ich selbst vor noch nicht allzu langer Zeit meine Frau verloren habe, denke ich, daß ich mich ganz gut in seine Lage versetzen kann.
 
Denn auch wenn er Zeit hatte, sich auf diese Möglichkeit vorzubereiten, ist man doch auf das Sterben vor allem eines sehr geliebten Menschen nie wirklich vorbereitet. Daher bin ich mit meinen Gedanken bei Guidos Lebenspartner, bei seinem Micky, den er seit dem Jahr 2001 kannte, mit dem er seit 2003 zusammen lebte und am 17. September 2010 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen war.
 
In diesem persönlichen Nachruf wird es um Guido Westerwelle, aber auch um mich, um meine Verbundenheit mit ihm gehen. Dafür bitte ich um Verständnis und Nachsicht.
 
Guido war seit 1980 Mitglied der F.D.P. und gehörte am 1. November 1980 zu den Gründern der Jungen Liberalen, die die Jungdemokraten als offizielle Jugendorganisation der Partei m November 1982 ablösen sollten. Im November 1983 wurde er zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt. Vorher gehörte er dem Bundesvorstand als Pressesprecher an.
 
Als ich mich im Laufe des Jahres 1983 intensiv mit den Programmen der im Deutschen Bundestag vertretenen, aber auch der anderen beim Bundeswahlleiter registrierten Parteien beschäftigte und darüber nachdachte, mich selbst in einer Partei zu engagieren, wurde ich auch auf Guido Westerwelle aufmerksam.
 
Geschichtlich und seit dem konstruktiven Mißtrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt am 1. Oktober 1982 auch politisch interessiert hatte ich schon länger Gefallen an der Weltanschauung des Liberalismus gefunden, im Rationalismus und Humanismus wurzelnd. Freiheit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, aber auch Verantwortung für sich selbst und andere, Solidarität und Toleranz waren und sind für mich wichtige Werte und Ziele.
 
Die meisten Übereinstimmungen fand ich damals mit dem Programm der F.D.P. anläßlich der Wahl zum Deutschen Bundestag am 5. Oktober 1980. So entschloß ich mich dazu, ein Parteifreund von Guido zu werden. Am 11. Januar 1984 wurde ich Mitglied der F.D.P. - Die Liberalen und auch der Jungen Liberalen.
 
Persönlich kennengelernt habe ich Guido leider nie. Das bedauere ich sehr. Vielleicht, aber auch das kann ich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, haben wir uns auf einem Landeskongreß der Jungen Liberalen NRW gesehen. Wir haben aber seit dem 20. Juni 2007 öfter miteinander korrespondiert. Seine Karriere habe ich immer mit großem Interesse begleitet.
 
Im Oktober 1988 wurde er in den F.D.P.-Bundesvorstand gewählt. Er trat daraufhin vom Amt des Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen zurück. Als er auf Vorschlag von Dr. Klaus Kinkel am 12. Dezember 1994 im Alter von 32 Jahren zum Generalsekretär der F.D.P. gewählt wurde, war ich noch Mitglied bei den Freidemokraten.
 
Für mich ganz interessant war die Erkenntnis, daß Guido sich bei seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen in einer Stichwahl gegen Andreas Reichel aus Köln durchsetzen mußte. Vor allem dieser Andreas Reichel war es, der mich durch sein Verhalten als Vorsitzender des Kölner Kreisverbands am 17. September 1995 dazu gebracht hat, nach fast zwölf Jahren zum 31. Dezember 1995 meinen Austritt aus der F.D.P. zu erklären. Freund, Feind, Parteifreund ... Meine politische Heimat ist die F.D.P. noch bis in die Jahre 2011/2012 geblieben.
 
Guido blieb auch nach der Wahl von Dr. Wolfgang Gerhardt im Juni 1995 zum Bundesvorsitzenden der F.D.P. Generalsekretär. Er sollte es bleiben, bis er im Mai 2001 selbst zum Parteivorsitzenden gewählt werden würde. In der Zwischenzeit wurde Guido am 8. Februar 1996 in seinem 35. Lebensjahr Mitglied des Deutschen Bundestags, nachdem Heinz Lanfermann sein Mandat niedergelegt hatte.
 
Die seit Ende 1982 bestehende christlich-liberale Koalition bekam der F.D.P. nicht gut. Die frühen 1990er Jahre waren für Guido eine Leidenszeit. Er beklagte, daß die Liberalen an der Seite Dr. Helmut Kohls zur reinen Funktionspartei verkommen wären: gesellschaftspolitisch brav und wirtschaftspolitisch mutlos. Ich konnte ihm da nur beipflichten. Auf elf Prozent bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl im Jahr 1990 folgten 6,9 Prozent im Jahr 1994 und 6,2 Prozent im Jahr 1998. Und dann befand sich die F.D.P. plötzlich in der Opposition.
 
Guido verbündete sich zeitweise mit Jürgen Möllemann, dem Vorsitzenden des Landesverbands Nordrhein-Westfalen, der die Landespartei im Wahlkampf 2000 zu einem ungewöhnlichen Erfolg führte: Die F.D.P., die fünf Jahre nicht im Düsseldorfer Landtag vertreten war, wurde dank seiner Wahlkampfstrategie mit 9,8 Prozent Stimmenanteil in den Landtag NRW zurückgewählt.
 
Am 4. Mai 2001 wurde Guido auf dem Bundesparteitag in Düsseldorf mit großer Mehrheit als Nachfolger von Dr. Wolfgang Gerhardt zum bis dahin jüngsten Bundesvorsitzenden der F.D.P. gewählt - mit gerade mal 39 Jahren. Gerhardt behielt den Vorsitz der Bundestagsfraktion. Die F.D.P. war gerade noch in fünf von 16 Landesparlamenten vertreten. Da war sie wieder die Partei ohne Unterleib.
 
Auf diesem Parteitag wurde aus der F.D.P. nach über drei Jahrzehnten übrigens auch wieder die FDP. Die Punkte konnten im Internet nicht verwendet werden und das Internet sollte beim bevorstehenden Bundestagswahlkampf im Jahr 2002 ein Schlüsselmedium sein.
 
Guido positionierte die FDP vor allem in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Sein angestrebter Kurs war der einer "unabhängigen Alternative zu CDU/CSU und Rot-Grün" und die Schaffung einer Äquidistanz zu den beiden Volksparteien.
 
Es begann ein Generationswechsel in der FDP, der oft vorgeworfen wurde, eine reine Mehrheitsbeschafferin für andere Parteien zu sein. Im Bundestagswahlkampf 2002 trat er als erster Kanzlerkandidat in der Geschichte der FDP an, die auf Initiative von ihm und Jürgen Möllemann zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf zog.
 
Sie wollte ihr Ergebnis von sechs auf 18 Prozent verdreifachen. Das war der Inhalt des "Projekts 18". Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand das blau-gelbe Guidomobil, ein Wohnmobil, mit dem er als Spitzenkandidat auf Volksfesten, in Schwimmbädern und an Stränden hielt, um für Stimmen zu kämpfen. Er wollte damit die Eigenständigkeit "seiner" FDP neben den beiden großen Volksparteien hervorheben und mit einem unkonventionellen Wahlkampf auch jüngere Wähler ansprechen.
 
Teil dieses Projekts war auch ein Besuch in der damals viel diskutierten TV-Reality-Show "Big Brother". Diese Form des Wahlkampfs wurde in den Medien nicht selten als Spaßwahlkampf kritisiert. Ein Höhepunkt war ein Besuch bei der Talkshow von Sabine Christiansen. Guido saß in der Runde und die Kameras fingen eine gelbe 18 unter seinen Schuhen ein.
 
Daß etablierte Kreise ihn zum Spaßpolitiker stempelten, scherte Guido damals nicht. Ich muß gestehen, so sehr mir sein Vorhaben, aus der FDP quasi eine Volkspartei - eine "Partei für das ganze Volk" - zu machen, das stigmatisierende Label der "Besserverdiener-Partei" zu überwinden und sie unabhängig von anderen Parteien zu positionieren, gefallen hat, hat mir damals die Art seines Wahlkampfs mißfallen. Er war auch mir zu wenig seriös.
 
Hinzu kam, daß Jürgen Möllemann nun zunehmend zum Konkurrenten wurde. Die Auseinandersetzung mit dem mächtigen Landesvorsitzenden kulminierte im sogenannten Antisemitismus-Streit. Es kam zu heftigen Kontroversen, in deren Verlauf die "Grande Dame" und Kandidatin der FDP für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 1994, Dr. Hildegard Hamm-Brücher, ihre Partei nach mehr als fünfzigjähriger Mitgliedschaft verließ.
 
Die gemeinsam mit Dr. Angela Merkel durchgesetzte Wahl von Dr. Horst Köhler am 23. Mai 2004 zum Bundespräsidenten und das Auftreten mit seinem Lebenspartner Michael Mronz am 20. Juli 2004 anläßlich der Feier von Merkels 50. Geburtstag in der Öffentlichkeit markierten eine Wende in seinem Leben. Sein Schwulsein hatte er offiziell versteckt, obwohl viele davon wußten.
 
Nach der Bundestagswahl am 18. September 2005 verweigerte Guido die FDP und sich einem Ampelbündnis und zwang damit die SPD in die große Koalition unter Merkels Führung. Es war dies die Voraussetzung dafür, aus den annähernd zehn Prozent für die FDP im Jahr 2005 vier Jahre später annähernd 15 Prozent zu machen.
 
Mit Dr. Wolfgang Gerhardt vereinbarte Guido, diesem am 1. Mai 2006 als Vorsitzender der Bundestagsfraktion nachzufolgen. Er gab das Amt am 26. Oktober 2009 im Zuge seiner Ernennung zum Bundesminister des Auswärtigen ab.
 
In dieser Zeit hatte ich mich entschlossen, wieder Mitglied der FDP zu werden. Ich wollte mich kommunalpolitisch engagieren. Am 11. September 2007 hatte ich meinen Aufnahmeantrag gestellt.
 
Nicht zuletzt mit seiner Forderung, ein "niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem für ganz Deutschland" einzuführen - mit Steuersätzen von 15, 25 und 35 Prozent "ohne Schlupflöcher" - führte Guido die Partei bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 im dritten Anlauf zurück in die Regierung.
 
14,6 Prozent der Zweitstimmen bedeuteten das beste Ergebnis der FDP in ihrer Geschichte. Mehr als die legendären 12,8 Prozent aus dem Jahr 1961. Damals war die Partei mit dem Slogan angetreten: "Für die CDU - ohne Adenauer." Daß sie dennoch eine Koalition unter der Führung Dr. Konrad Adenauers einging, begründete ihren Jahrzehnte währenden Ruf als "Umfallerpartei", der durch die "geistig-moralische Wende" im Jahr 1982 noch einmal bekräftigt worden war.
 
Guido stand nun vor einem ähnlichen Dilemma wie sein Vorgänger Dr. Erich Mende: Er hatte die Wahl mit einem Versprechen gewonnen, das er nicht halten konnte. Von Guidos neuem Steuersystem blieb am Ende kaum mehr als eine Erleichterung für das Beherbergungsgewerbe. Diese "Hotelsteuer" sollte in Verbindung mit einer nicht unumstrittenen Spende aus der FDP die "Mövenpick-Partei" machen.
 
Selbstbewußt ging er mit fast 15 Prozent der Zweitstimmen in die Koalitionsverhandlungen mit Dr. Angela Merkel. Zur allgemeinen Überraschung griff er aber nicht nach dem Finanz-, dem Wirtschafts- oder einem Zukunftsministerium. Guido wollte Außenminister (und Vizekanzler) werden - wie sein großes politisches Vorbild Hans-Dietrich Genscher, möglicherweise auch wegen des Ex-Außenministers Joschka Fischer. Dabei spielten Kränkungen wohl eine gewisse Rolle.
 
In den Verhandlungen mit der Union und vor allem später im Regierungshandeln konnte die FDP keine Steuerreform durchsetzen - die Weltwirtschaftskrise war in vollem Gange, die Bankenkrise noch nicht ausgestanden. Guido hatte sich von seiner Freundschaft zur Bundeskanzlerin vielleicht auch mehr versprochen.
 
Von Anfang an war Guido als Außenminister umstritten; bisher hatte er sich auch nicht besonders um außen- und europapolitische Themen gekümmert. Es gab auch Bedenken wegen seiner sexuellen Orientierung - gerade mit Blick auf die arabischen Länder.
 
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich ihn gegenüber Parteifreunden verteidigt habe. Es war am 4. Oktober 2010 beim Liberalen Stammtisch der FDP Bad Zwischenahn. Dort wurde von einigen Teilnehmern die Meinung vertreten, daß ein schwuler Außenminister Deutschland nicht mit der nötigen Akzeptanz vertreten könne. Ich war damals entsetzt. Konnten das Liberale sein?
 
Das war aber leider nicht das einzige Problem. Denn kaum war Guido nicht mehr Oppositionsführer, sondern Mitglied der Bundesregierung trat er insbesondere kommunikativ von dem einen in das andere Fettnäpfchen. Trauriger Höhepunkt war wohl die "Hartz-IV-Debatte". Wenn man Guido hier einen Vorwurf machen konnte, dann den, sich äußerst mißverständlich ausgedrückt und auch später nicht die Kurve bekommen zu haben.
 
Er hatte die Chance, als erster FDP-Vorsitzender deutlich zu machen, daß der Liberalismus sozial ist, die FDP als soziale Partei zu profilieren. Er hat sie nicht genutzt, er hat sie vertan. Hatte er schlechte Berater oder hat er nicht auf sie gehört? Ich hätte ihn dabei gern unterstützt. Leider konnte ich es nur aus der Ferne.
 
Der Versuch, die Ämter des Außenministers und des Parteivorsitzenden miteinander zu vereinen, wie es einst Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher getan hatten, war wohl doch eine zu große Herausforderung. Geschichte läßt sich nicht wiederholen. Lange hatte ich zu ihm gehalten, hatte ich ihn immer wieder in Schutz genommen und dann hatte ich ihm auch geraten, als Parteivorsitzender zurückzutreten. Das habe ich später bitter bereut. Es war ein Fehler.
 
Anfang 2011 wurde es kritisch. Ein Achtungserfolg bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ließ zunächst noch hoffen. Dann folgten die Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. In Baden-Württemberg konnte sich die FDP nicht mehr an der Regierungsbildung beteiligen, in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt kam sie gar nicht mehr in die Landtage.
 
Daraufhin erklärte Guido im April, daß er auf dem bevorstehenden Bundesparteitag am 13. Mai 2011 nicht mehr für das Amt des Bundesvorsitzenden kandidieren werde.
 
Zehn Jahre war er Parteivorsitzender. Nun war eine "Boygroup" um Dr. Phillip Rösler (erfolgloser Bundesminister für Gesundheit), Daniel Bahr (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit) und Christian Lindner, den Guido zum Generalsekretär der FDP gemacht hatte, maßgeblich daran beteiligt, ihn zu entmachten. Ein Amt, das Lindner unter Rösler noch bis zu seinem Rücktritt im Dezember 2011 ausübte. Dann verließ er vorübergehend die Brücke des sinkenden Schiffs.
 
Durch das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde schied Guido mit der konstituierenden Sitzung des 18. Deutschen Bundestages am 22. Oktober 2013 aus dem Parlament aus. Am 17. Dezember 2013 wurde sein direkter Vorgänger Frank-Walter Steinmeier zu seinem Nachfolger als Bundesminister des Auswärtigen ernannt.
 
Im Dezember 2013 gründete Guido mit dem Unternehmer Ralph Dommermuth die "Westerwelle Foundation - Stiftung für internationale Verständigung" und übernahm ihren Vorsitz.
 
Am 20. Juni 2014 wurde bekannt, daß Guido an einer besonders schlimmen Form von Blutkrebs (Leukämie) erkrankt ist; die Erkrankung wurde zufällig im Rahmen von Voruntersuchungen für eine Knieoperation entdeckt; er beginnt im Universitätsklinikum Köln sofort mit einer Chemotherapie. Mich erreichte die Nachricht während eines Besuchs in Erlangen. Ich wollte es nicht glauben.
 
Nach viereinhalb Monaten stationärer Behandlung wurde er im November 2014 aus dem Krankenhaus entlassen. Danach verbrachte er viel Zeit auf seiner Lieblingsinsel Mallorca, aber auch in seinem Haus in Köln-Lindenthal.
 
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" widmete am 7. November 2015 Guido die Titelgeschichte; in einem langen Interview erzählte er von den Tücken der Krankheit, seiner Angst und dem unbändigen Willen, weiterzuleben, vollständig zu genesen und ein erfülltes Leben zu führen.
 
Am gleichen Tag erschien das Buch "Zwischen zwei Leben - Von Liebe, Tod und Zuversicht", das Guido mit dem Journalisten Dominik Wiechmann veröffentlichte. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen und ans Herz legen, vor allem allen Menschen, die sich für liberal halten und dem Liberalismus in Deutschland eine Zukunft geben wollen.
 
In seinem letzten Beitrag auf Facebook am 6. Dezember 2015 schrieb Guido: "Gerne wäre ich heute Abend wie geplant zu Gast beim Jahresrückblick von Günther Jauch gewesen. Im Rahmen meiner Behandlung ist durch eine Medikamentenumstellung ein stationärer Aufenthalt noch einmal notwendig geworden. Daher kann ich heute Abend leider doch nicht dabei sein, aber die Gesundheit geht vor."
 
In Folge einer Stammzellentransplantation war es zu einer Abstoßungsreaktion der Mundschleimhaut gekommen. Diese hätten die Ärzte zwar in den Griff bekommen - nach Notoperationen, künstlichem Koma und dem Einsatz starker Medikamente wäre Guidos Immunsystem aber stark geschwächt gewesen. So kam sein Tod dann doch irgendwie ganz überraschend.
 
Ich hätte Guido gern zu meinen Freunden gezählt. Es gab so einige Gemeinsamkeiten. In mancher Hinsicht wäre ich aber gern noch mehr wie er gewesen. Ich habe ihn besonders für seine Kraft bewundert, mit der er den Politikbetrieb gemeistert hat und mit Kritik, Spott und Häme umgegangen ist. Ich konnte und kann das leider nicht,
 
Er wird dem organisierten Liberalismus fehlen; er wird mir fehlen. In unseren Herzen und Köpfen lebt er weiter. Für mich steht Guido Westerwelle für die Idee einer Liberalen Partei Deutschland(s), die alle Liberalen vereint und ihnen eine politische Heimat gibt. Eine Partei, die nicht für den einen oder anderen Bindestrich-Liberalismus steht, sondern den Liberalismus mit allen seinen Aspekten und Komponenten - also ganzheitlich - und in allen Lebensbereichen und auf allen Politikfeldern konsequent vertritt und umsetzt.
 
Selbst tief berührt spreche ich mein allerherzlichstes Beileid Guidos Mutter, seinen Brüdern und natürlich auch und gerade seinem geliebten Mann aus. Ich fühle mich ihnen in diesen Stunden verbunden. Meine Gedanken begleiten sie, seine ganze Familie und engen Freunde durch die schwere Zeit des Abschieds und der Trauer. Aber ich wünsche ihnen bald eine Zeit, in der sie sich mit einem Lächeln an die gemeinsam verbrachten Zeiten, an glückliche Momente erinnern können. In unseren Erinnerungen lebt Guido weiter.
 
Elsdorf/Rheinland, 21. März 2016
 
Mit aufrichtigem Mitgefühl und stillem Gruß
Wolfgang Gerstenhöfer
liberal - freiheitlich und gleichzeitig sozial