Nationalstolz?
Kann man stolz darauf sein, mit welcher Staatsbürgerschaft, welcher Staatsangehörigkeit man geboren wurde? Letztendlich ist es ein bloßer Zufall. Niemand kann sich seine Eltern, seinen Geburtsort und seine Abstammung aussuchen.
Ich bin aber ganz froh darüber, Deutscher zu sein, und kann mir nicht vorstellen, welche andere Nationalität mir lieber wäre. Auch wenn sich Deutsche in der jüngeren Vergangenheit eines der, möglicherweise sogar des größten Verbrechens in der Menschheitsgeschichte schuldig gemacht haben, gibt es auch viele Leistungen von Deutschen, auf die man sehr stolz sein kann. Und auch in der Gegenwart wüßte ich kein anderes Land, in dem ich lieber leben würde - trotz der Tatsache, daß so manches im argen liegt und verbesserungsbedürftig ist.
Stolz können wir Deutsche primär auf unser Grundgesetz, unsere Verfassung und die von ihren Müttern und Vätern im Parlamentarischen Rat geschaffene freiheitlich-demokratische Grundordnung sein. Denn sie gibt uns die Möglichkeit, Zustände zu verändern, zu verbessern und in Einheit und Vielfalt in Freiheit zu leben.
Gerhart Baum stellte zu Recht fest: "Eine bessere Verfassung können wir uns nicht wünschen."
Soll man sein Vater-, sein Heimatland lieben? Gustav Heinemann antwortete auf die Frage, ob er Deutschland liebe: "Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig." Er sagte aber auch: "Es gibt schwierige Vaterländer. Eines von ihnen ist Deutschland. Aber es ist unser Vaterland."
Ich halte es vor allem mit Richard von Weizsäcker: "Der Nationalist ist einer, der die anderen haßt. Der Patriot ist einer, der das eigene Land liebt und den Patriotismus der Nachbarn versteht und achtet."
In diesem Sinne halte ich Nationalbewußtsein und Patriotismus durchaus für richtig und wichtig. Sie haben nichts mit Nationalismus und Chauvinismus zu tun, schon gar nichts mit Faschismus, Rassismus oder Revanchismus.
Wie von Weizsäcker bin ich der Überzeugung, daß ein guter Europäer kein schlechter Patriot ist. Man kann ein überzeugter Deutscher und ein Kosmopolit sein. Das eine schließt das andere nicht aus.
Herzlich willkommen!



