Wahl-O-Mat - ein Spiel?
Betreff: E-Mail an Herrn Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung: Ihre Plakatwerbung für den Wahl-O-Mat
Datum: Mon, 10 Feb 2025 16:55:23 +0100
Von: Wolfgang Gerstenhöfer <[email protected]>
Kopie (CC): [email protected] <[email protected]>, [email protected] <[email protected]>
Sehr geehrter Herr Krüger,
am vergangenen Samstag habe ich zum ersten Mal das Plakat gesehen, mit dem Sie anscheinend den Wahl-O-Mat bewerben.
Ich war doch sehr irritiert.
Ist der Wahl-O-Mat ein Spiel? Ist eine demokratische Wahl ein Spiel?
Um demokratisch wählen zu dürfen, haben viele Menschen Leib und Leben eingesetzt. Auch heute riskieren in manchen Ländern Menschen noch ihr Leben, um diese Möglichkeit zu bekommen.
Daher halte ich Ihre Wortwahl für sehr bedenklich und unpassend.
Mir ist zwar als Kommunikationsberater durchaus bewußt, daß es um eine zielgruppenadäquate und zeitgemäße Ansprache geht, dies sollte aber nicht von einem verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache und den Begriffen entbinden.
Ich halte sehr viel von dem Projekt "Wahl-O-Mat"; mit dieser Werbung diskreditieren sie ihn leider - völlig ohne Not.
Die Entscheidung darüber, welcher Partei man seine Stimme bzw. Stimmen gibt, ist in einer parlamentarischen Parteiendemokratie kein Spiel und sollte es auch nicht sein oder werden.
Das sollten wir gerade in Deutschland spätestens seit den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932, am 6. November 1932 und am 5. März 1933 wissen.
Die Abwertung dieser wertvollen Entscheidungshilfe zu einem Spiel haben weder Ihr Wahl-O-Mat noch diejenigen verdient, die an dessen Entwicklung beteiligt waren und sind.
Sehe nur ich das so kritisch? Nichts für ungut.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Gerstenhöfer
Zaunkönigweg 5
50189 Elsdorf
Herzlich willkommen!